Seit 70 Jahren bei der Feuerwehr

Eine außergewöhnliche Ehrung wurde jetzt zwei Heininger Urgesteinen zuteil. Karl Wittlinger und Georg Geiger sind seit 70 Jahren Mitglieder der Feuerwehr in Heiningen. Löschen dürfen sie nicht mehr.

INGE CZEMMEL |

Karl Wittlinger und Georg Geiger sehen in ihrer Feuerwehruniform so fesch aus, dass es kaum zu glauben ist, dass Wittlinger bald 88 und Geiger bald 91 Jahre alt sein werden. Bei Einsätzen sind die beiden Herren, die seit 70 Jahren Mitglied der Heininger Feuerwehr sind, natürlich nicht mehr dabei. Einsätze sind ab dem 65. Lebensjahr tabu, doch der Altersgruppe gehören die beiden Ehrenmitglieder noch immer an.

Wie alle jungen Männer mussten sich die beiden nach Ende des Zweiten Weltkrieges zur "Sicherheit der Gemeinde" zur Feuerwehr melden. "Ich hatte bei der HJ schon Löscherfahrungen an der Feuerpatsche gesammelt", meint Wittlinger. "Die Feuerpatsche war ein Besenstiel, an den ein Lumpen gebunden war. Der wurde dann in einen Eimer Wasser getaucht."

Georg Geiger erinnert sich: "Ich musste mich melden als ich 1945 aus der Gefangenschaft kam. Der bisherige Hornist Christian Kauderer drückte mir gleich das Feuerhorn in die Hand und so blies ich 15 Jahre lang bei Feueralarm und zum Sammeln ins Horn." Feueralarm wurde auch mit drei oder vier Feuerhörnern, die an Häusern befestigt waren, gemeldet und zudem wurden, wenn es brannte, die Kirchenglocken geläutet.

Bis 1959, als das erste Auto - ein Opel-Blitz - angeschafft wurde, gab es kein Feuerwehrauto. Die Motorpumpe wurde mit Traktoren und Pferden transportiert. Die Löschkarren mit den Schläuchen wurden von Hand gezogen und zu Fuß an den Brandort gebracht. "Bis mer am Brandplatz war, hat mer scho d'Flügel na g'hängt", sagt Wittlinger und erzählt: "Zu Beginn durften wir auch keine Uniform tragen. Die waren von den Amis verboten. Zu Brandeinsätzen wurde in Zivil ausgerückt. Der einzige Hinweis war eine Armbinde, auf der ,Fire Man' stand." Ihren ersten Einsatz haben Wittlinger und Geiger noch gut im Gedächtnis. Am 11. Dezember 1945 war durch einen Kurzschluss eine Scheune in der Hauptstraße in Brand geraten. "Es herrschten eisige Temperaturen. Bei der Nachtwache hatte es 18 Grad Minus und das Wasser fror in den Standrohren ein", erinnert sich Wittlinger, dessen schlimmstes Erlebnis war, dass 1962 bei einem Schuppenbrand in der Frühlingsstraße zwei spielende Kinder nicht gerettet werden konnten.

Georg Geiger denkt auch mit Grausen an einen Freitag den 13. im August 1971 zurück. An diesem Tag brannte sein eigener landwirtschaftlicher Hof ab. Mit Hilfe der Nachbarn wurde das Vieh aus dem Stall getrieben und die Feuerwehrkameraden mussten zum Löschen anrücken.

Geiger und Wittlinger, die in 70 Jahren Zugehörigkeit acht Kommandanten unterstellt waren, erinnern sich aber auch gerne an Feste, Kameradschaftsabende und Ausflüge. "Wir hatten eine gute Freundschaft mit den Wehren von Heiningen bei Backnang und Heiningen bei Wolfenbüttel", erzählt Geiger. Oft hätten Kameraden von dort bei ihm übernachtet. Etwas ganz Besonderes war für ihn die viertägige Flugreise nach Istanbul, im Jahr 1973 noch ein exotisches Ziel.

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