Mitarbeiterin des Landratsamts soll Flüchtlinge beschimpft haben

Eine Mitarbeiterin des Landratsamts steht in der Kritik: Sie soll Flüchtlinge rassistisch beschimpfen sowie ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter beleidigen.

DIRK HÜLSER | 9 Meinungen

"Wir sind froh, dass wir sie los sind, sonst hätten wir hier keine ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit mehr." Die Helferin aus einer Kreisgemeinde ist erleichtert, dass das Landratsamt auf Kritik reagiert und schon vor Monaten eine umstrittene Mitarbeiterin abgezogen hat - diese ist aber immer noch in der hauptamtlichen Flüchtlingsarbeit im Landkreis tätig. Die Vorwürfe, die etwa ein halbes Dutzend Ehrenamtliche aus dem Landkreis erheben, wiegen schwer. Rassistische Ausfälle, Beleidigungen und Beschimpfungen von freiwilligen Helfern und hauptamtlichen Mitarbeitern, selbst eine Pfarrerin sei angeschrien worden: Die Seelsorgerin hatte bemerkt, dass in der Flüchtlingsunterkunft das Toilettenpapier ausgegangen war und kurzentschlossen Nachschub gekauft. Die Mitarbeiterin des Landratsamts habe sie daraufhin "angebrüllt und gefragt, was das soll - die sollen sich das selber kaufen", berichtet eine Helferin.

"Jeden beschimpft die, der mit ihr zu tun hat", erzählt ein Mann, er spricht von "tagtäglicher Diskriminierung". Zu einem Asylbewerber habe die Frau gesagt: "Ich sorge persönlich dafür, dass du wieder nach Hause gehst." Das Wort "Drecksau" gehöre zum normalen Umgangston der Mitarbeiterin. Aus einer weiteren Unterkunft ist von Ehrenamtlichen zu hören, dass "Flüchtlingsfrauen schon geheult haben, wenn das Auto der Frau nur vorgefahren ist". Zu den Helfern des Freundeskreises habe die Frau gesagt: "Verkrümelt euch - die sollen hier nichts bekommen. Die haben ein Dach über dem Kopf und sollen gefälligst ruhig sein."

Bei einem Treffen von Helfern und Mitarbeitern des Landratsamts sei die Frage nach Fernsehern - die auch schon zahlreich gespendet worden waren - und Internet aufgekommen. "Wollt ihr denen noch den Arsch abwischen?", habe die Frau gerufen und wutentbrannt die Sitzung verlassen. "Wir waren sprachlos", sagt eine Ehrenamtliche. Als eine Helferin mit Flüchtlingen einen Termin bei der Frau hatte, sei Folgendes passiert: "Als wir endlich dran kamen, schrie sie uns an: ,Bevor ich mich morgens mit denen abgebe, muss ich erst dreimal richtig kotzen."

Auch praktische Auswirkungen habe das Verhalten der Frau: So hatten Helfer für einen Asylbewerber vor Ort einen Job als Landmaschinenmechaniker gefunden. Daraufhin sei die Familie von der Mitarbeiterin ohne Rücksprache kurzfristig in eine weiter entfernte Unterkunft verlegt worden - "damit hatte sich der Job auch erledigt", erzählt eine Helferin. Als die Landkreis-Mitarbeiterin von Ehrenamtlichen auf den schleppenden Fortgang der Asylverfahren in einer Unterkunft angesprochen wurde, habe sie geantwortet: "Ich habe alle Anträge in meiner Schublade - jeden Tag kriegt eine Familie einen."

Einige Ehrenamtliche vermuten, dass auch die derzeitige Arbeitsbelastung zu der Situation beigetragen hat. "Die sind natürlich chronisch unterbesetzt", meint eine Ehrenamtliche. Doch seien alleine an ihrem Ort nach kurzer Zeit von 85 nur noch "wenige Paten" übrig geblieben - weil sie "für ihr Engagement beschimpft" worden seien. "Hier geht's ganz klar um den Schutz der Flüchtlinge - das muss endlich aufhören", sagt ein weiterer Helfer.

Der Sozialdezernent des Landkreises, Hans-Peter Gramlich, kann und darf sich nicht näher zu dem Fall äußern: "Personelle Angelegenheiten sind nicht dazu geeignet, sie über die Medien zu transportieren." Er lässt jedoch durchblicken, dass es eine "Problemlage" gebe, die "intern aufgearbeitet" werde.

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9 Kommentare

15.10.2015 10:58 Uhr

Handlungsbedarf

Wenn auch nur ein Drittel der hier geschilderten Vorfälle der Wahrheit entsprechen, dann sollte klar sein, dass hier der Dienstherr in der Verantwortung steht. Die Mitarbeiterin hat dann offensichtlich diverser Probleme. Ob die nur eine Frage der (politisch-idologischen) Einstellung sind, oder auch in der persönlichen und gesundheitlichen Situation liegen, kann und muss wirklich nicht in der Öffentlichkeit liegen.
Jedenfalls hat der Dienstherr schleunigst dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiterin nicht mehr im bisherigen Umfeld tätig ist und ihre Probleme, egal welcher Natur, angegangen werden.
Das ist eine Frage der Fürsorgepflicht für die Mitarbeiterin und auch eine Frage des ordentlichen Umgangs mit den Klienten des Landratsamtes (egal, welcher Herkunft diese sein mögen).
Für beides ist der Dienstherr verantwortlich.

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23.10.2015 19:31 Uhr

Seriös geht anders

Mit solchen Artikeln macht man Menschen kaputt! Seriöse Recherche geht anders!
Wäre hier richtig recherchiert worden, hätte man auch über eine Vielzahl sehr positiver Rückkmeldungen aus den Reihen von Asylbewerbern, Mitarbeitern und anderen Helfern im Asylbereich berichten können.
Denkt hier auch mal jemand daran, wie es dieser Frau jetzt geht? Weiß man, was an diesen Behauptungen wirklich dran ist? Soll hier vielleicht eine unliebsame Kollegin rausgemobbt werden? Es ist so einfach, mit dem Finger nur auf andere zu zeigen! Es ist aber auch feige!

Wer die Arbeitssituation in den Unterkünften kennt, weiß unter welcher Anspannung hier gearbeitet werden muss. Personelle Unterbesetzung ist hier genauso Normalität, wie Überbelegungen in der Unterkunft.
Wer die hier gescholtene Mitarbeiterin kennt weiß auch, dass sie nicht fremdenfeindlich ist. Ohne auf eigene Interessen zu achten, hat sie sich oft bis spät nach Feierabend um die Flüchtlinge gekümmert.
Wenn alle Kritiker hier nur halb so viel für die Flüchtlinge täten, wären wir dem Merkel´schen "Wir schaffen das!" einen ganzen Schritt näher.
Es ist ja so einfach, ein verbaler Gutmensch zu sein, das konkrete Handeln aber doch lieber anderen zu überlassen.

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24.10.2015 12:42 Uhr

Antwort auf „Seriös geht anders”

Da Sie ja offenscihtlich Insiderin sind, können Sie sicher auch sagen, ob es die in diesem Artikel geschilderten Vorfälle gegeben hat oder nicht.
Wenn es diese Vorfälle so wie geschildert gegeben hat, dann darf diese Mitarbeiterin sicher nicht mehr in diesem Umfeld weiterbeschäftigt werden, aus Gründen des Eigen- und des Fremdschutzes.
Oder sehen Sie das anders?
Die Gründe für diese Vorfälle, wenn es sie denn so gegeben hat, müssen dann intern geklärt werden, das geht die Öffentlichkeit nichts an.
Oder sehen Sie das anders?

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15.10.2015 21:06 Uhr

asylanten in unterkünften

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17.10.2015 13:27 Uhr

Antwort auf „Asylanten in Unterkünften”

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20.10.2015 13:08 Uhr

"komische" Komentare gab es bereits 2001

Bin seit 2001 mit einem Mann aus der Karibik verheiratet.
Als es um die Anerkennung unserer Ehe bzw. um seinen Aufenthalt und der damit verbundenen Arbeitserlaubnis ging, konnten sich Ausländerbehörde und Rathaus über 4 Monate nicht einigen, wie in der Sache verfahren werden soll. Wir waren in der Zeit wöchentlich einmal auf einer der Einrichtungen. Während uns im Rathaus sehr freundlich immer versucht wurde zu helfen, waren auf der Ausländerbehörde Kommentare wie "ich wäre selbst schuld an meiner Situation - ich hätte ja auch einen Deutschen heiraten können" oder künstlich verzögerte Bearbeitungszeiten nicht unüblich. Wir sind nicht selten mit unerledigten Aufgaben wieder nach Hause
Über die Jahre muss ich nun jedoch auch sagen, dass die Herrschaften dort mit oft sehr problematischen und total unkooperativen Menschen zu tun haben und sehr viele Menschen aus anderen Ländern sich bewusst unkollegial verhalten und die bei Ihnen zu Hause geltenden Regeln nach Deutschland übertragen.

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20.10.2015 10:47 Uhr

Wie gings denn weiter?

Mich würde interessieren wie sich der Dienstherr verhalten hat, was aus diesem Vorfall geworden ist.
Oder hat sich das mit einmal erwähnen erledigt?

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17.10.2015 21:56 Uhr

Es gibt auch Eigenverantwortung!

Der Dienstherr ist natürlich NICHT schuldig. Woher auch. Er kann und darf nicht jede Gesinnung seiner Mitarbeiter überprüfen oder im Nachhinein verändern. Er darf aber entlassen! Das halte ich für geboten. An bestimmten, sicheren Arbeitsplätzen sollte man bestimmte Arbeitsfähigkeiten voraussetzen dürfen. Dafür ist jeder Arbeitnehmer selbst verantwortlich!

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17.10.2015 22:14 Uhr

Antwort auf „Es gibt auch Eigenverantwortung!”

Nun, es geht hier nicht um die Schuld, aber sehr wohl um den Verantwortung des Dienstherrn.
Und natürlich ist jeder Mensch auch selber verantwortlich für sein Verhalten.
Aber da die Mitarbeiterin offensichtlich nicht in der Lage ist, ihre Arbeit ordentlich zu machen, steht der Arbeitgeber in der Pflicht, hier zu handeln.
Ob eine Entlassung das richtige Mittel ist, ist hier nicht klar; das ist gut möglich; viellicht leidet die Mitarbeiterin auch an einer Erkrankung.
Das ist zu klären ujnd die geeigneten und notwendigen Schritte sind in Angriff zu nehmen.
Hauptsache ist, dass solche Mitarbeiter nicht mehr mit Klienten in Kontakt kommen.

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