Milder Winter lässt die Bauarbeiten an der neuen B10 gut vorankommen

Die erste Trasse an der neuen B10 bei Gingen ist schon fertig. Sie gehört jedoch zur K1438 auf den Grünenberg, die im unteren Bereich verlegt wird. Ansonsten gilt: Alle Arbeiten laufen, der Zeitplan ist voll im Soll.

JOCHEN WEIS |

Wer dieser Tage von Gingen zum 580 Meter hohen Grünenberg unterwegs ist, der sieht: Es hat sich in Sachen B10-Neubau schon ordentlich was getan seit dem Spatenstich Ende Oktober. Vier Monate später lässt sich die Trasse des Abschnitts bereits erahnen, der als Gingener Ortsumfahrung beim bisherigen Ende der Ausbaustrecke bei Süßen beginnt und auf Höhe des Gewerbegebiets Immenreich östlich von Gingen enden wird.

Allerdings darf man sich nicht blenden lassen: Dort, wo im Moment die Straßenbau-Musik spielt, verläuft nicht die neue B 10, sondern die bisherige Kreisstraße 1438, sprich: die Straße auf den Grünenberg und weiter nach Unterböhringen. Sie wird nun in einer großen Schleife über den bisherigen Böhringer Weg zur ersten Spitzkehre geleitet. Der bisherige steile Anstieg der Kreisstraße bis zu dieser Kurve entfällt damit. Was ja auch sinnvoll sei, wie Bauleiter Roland Ott von der Aalener Straßenbau-Firma Rossaro betont, "sonst hätten wir an der Stelle ja einen Kreuzungbereich". Eine Unterführung ist wegen des Geländeprofils nicht praktikabel. Die gibt es statt dessen einige hundert Meter weiter östlich: Dort entsteht eine 38 Meter lange Brücke, das "Bauwerk 16", unter dem Kreisstraße samt Barbarabach hindurchführen werden.

Der Barbarabach ist die zweite große Baustelle im Bereich der neuen B10. Er hat auf 200 Meter Länge ein neues, breiteres und tieferes Bett bekommen, "das alte war im Prinzip nur ein Kanal", sagt Ott. Der Bach musste dazu einige Meter nach Norden zum Ort hinrücken, sonst wäre kein Platz mehr gewesen für die Straßen. Das Bachbett ist nun mit Steinquadern und die Böschung zu den Grundstücken des Baugebiets Barbaragarten mit einer Krainerwand befestigt. "Das ist eine Bauweise für Hangbefestigungen, die aus dem Alpenraum stammt", erklärt Ott. Der Name stammt von der Region Krain, dem ehemaligen Herzogtum und Kern des heutigen Slowenien. Eine Krainerwand ist im Prinzip nichts anderes als eine Stützwand in Form eines Gitters aus Holzbalken, dessen Zwischenräume mit Erde aufgefüllt werden. In Gingen hat Rossario dafür Lärchenholz verwendet, das besonders stabil und witterungsbeständig und damit für solche Zwecke besonders geeignet ist. Die Böschung zur Bachbefestigung "wird sehr naturnah gestaltet, das heißt, mit Erlen und Weiden bepflanzt", erklärt Ott: "Die Pflanzen durchwurzeln die Erde und sorgen so für Festigkeit." Ist irgendwann einmal das Lärchenholz verwittert, stützt sich der Hang längst selbst.

Der Barbarabach wiederum, der in die Fils mündet, wird sich künftig ganz aus Gingen heraushalten. Bisher ist er innerorts verdolt, die Rohre mit 1,20 Meter Durchmesser können aber bei Hochwasser - der Grenzwert liegt bei etwas mehr als fünf Kubikmetern pro Sekunde - die Wassermassen nicht mehr vollständig schlucken und quellen über. Aus diesem Grund bekommt der Bach auch in Richtung Süßen ein neues Bett, das dann parallel zur neuen B 10 verläuft und schließlich in den Binsenbach zwischen den beiden Gemeinden mündet.

Bereits zum Teil sichtbares Bauwerk der B 10 ist die Brücke über den neu verlegten Teil der Kreisstraße nach Grünenberg. Dort stehen inzwischen die Widerlager, also jene seitlichen Betonbauwerke, auf der die Fahrbahnplatte der Brücke aufliegt. Weil dort der Untergrund aus Ton besteht - genauer: aus Opalinus-Ton, einem Andenken an die Jura-Zeit - ruhen die Widerlager auf acht bis elf Meter langen Bohrpfählen, die bis auf stabilen Untergrund reichen.

Der Aushub, der bislang angefallen ist - auch der von allen weiteren Erdarbeiten wie der für die Trasse der Kreisstraße - wird direkt wiederverwertet für den Straßendamm der neuen B 10. Das ist in Richtung Süßen bereits zu sehen. "Der Opalinus-Ton wird dabei mit Kalk vermischt, das nimmt die Feuchtigkeit raus", sagt Ulrich Rebmann, der örtliche Projektleiter des Baureferats Süd. Wenn der neue B 10-Abschnitt 2018 fertig ist, werden 40.000 Kubikmeter Aushub in die neue Trasse eingebaut sein.

Bis 2017 die eigentlichen Straßenarbeiten an der B 10 beginnen, laufen noch die Arbeiten an weiteren Bauwerken: Zur Hangsicherung oberhalb des neuen Abschnitts der Kreisstraße entsteht eine Spritzbetonwand mit einer Verkleidung aus Gabionen (Drahtschotterkörbe). Außerdem wird ein Regenklärbecken gebaut, in dem sich das Fahrbahnwasser sammelt, ein Strommast muss gesichert werden, weil er später direkt an der B 10 steht, außerdem sind noch eine Feldweg- und eine Artenschutzbrücke fällig. Dass alles wie am Schnürchen läuft, verdanke man nicht zuletzt dem milden Winter, sagt Rebmann, "wir liegen mit allem voll im Zeitplan".

Das Projekt B 10-neu

Strecke Insgesamt 15 Millionen Euro verschlingt der 2,6 Kilometer lange Abschnitt der B 10 um Gingen, der 2018 fertiggestellt sein wird. Endpunkt der Strecke Gingen West bis Gingen-Ost ist der Bereich gegenüber des Möbelhauses Wannenwetsch. Von dort soll es einmal weitergehen bis zu den Neuwiesen, dann durchs Schildwacht-Tunnel zur B 10 ins Rohrachtal. Dafür gibt es jedoch noch kein grünes Licht vom Bund, zudem noch keine Planfeststellung. Die Kosten würden bei 72 beziehungsweise 149 Millionen Euro liegen.

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Weiterbau der B 10

Weiterbau der B 10

Kreis Göppingen: Die B 10 wird von Süßen-Ost nach Gingen-Ost weitergebaut. Der Streckenabschnitt ist seit 1997 planfestgestellt, manch einer hatte die Hoffnung auf eine Finanzierung fast schon aufgegeben. Wir verfolgen den Baufortschritt und berichten darüber, wann auch Geislingen in den Genuss der B 10 neu kommt.

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