Hausverbot für NPD-Kandidaten

Der Gruibinger Gewerbeverein richtet am Freitag seine vierte Wahlkampfveranstaltung in der Krone aus – ohne den NPD-Kandidaten Michael Österle. Der Gruibinger hat Hausverbot bekommen.

RALF HEISELE | 1 Meinung
„Wir dulden nicht, dass eine Partei oder ein Einzelner unsere Podiumsdiskussion durcheinander bringt.“ Somit begründet der Vorsitzende des Grubinger Gewerbevereins, Thomas Straub, das Hausverbot, das er am Mittwoch dem NPD-Wahlkreiskandidaten Michael Österle erteilt hat. Österle ist zwar nicht als Teilnehmer eingeladen worden, er wohnt aber in Gruibingen und hat auf Facebook angedroht, als Gast unangenehme Fragen an den Kandidaten der Grünen, Eckhart Klein, stellen zu wollen.

Dabei ging in dem sozialen Netzwerk um die Asylpolitik. Michael Österle schrieb auf der Facebook-Seite von Eckhart Klein, dass man zwar Kriegsflüchtlingen helfen müsse, doch wenn man laut Genfer Flüchtlingskonvention alle reinlasse, „dann gibt es hier Mord und Totschlag am deutschen Volk. Deswegen gehören Asylbetrüger, kriminelle Flüchtlinge und Ausländer heimgeschickt.“ Als Klein nicht darauf einging, wurde Österle deutlich: „Sie wollen mir keine Antwort geben, aber ich bekomme diese“. Obwohl er „im eigenen Dorf“ nicht zur Kandidatenvorstellung eingeladen worden sei, wolle er als Gast dem Grünen-Kandidat die Fragen stellen – „dann müssen sie Rede und Antwort stehen. Also bereiten Sie sich gut darauf vor.“ 

Für Thomas Straub ist damit das Maß überschritten. Obwohl er Österle kennt – „wir sind fast Nachbarn“ – , hat der Gewerbevereinsvorsitzende die Reißleine gezogen. Er hat  den NPD-Kandidaten schriftlich aufgefordert, der Veranstaltung fernzubleiben. Man sei an „derartigen Nebenschauplätzen“ nicht interessiert. Natürlich seien auf der Podiumsdiskussion verschiedene Meinungen erwünscht – „jedoch wollen wir vorprogrammierte Eskalationen bereits im Vorfeld vermeiden“, schreibt Straub. Michael Österle hat gegenüber unserer Zeitung angekündigt, gegen das Hausverbot „rechtliche Schritte einzuleiten.“

Seit Jahren lädt der Gruibinger Gewerbeverein zu Wahlkampfveranstaltungen ein. Thomas Straub rechnet mit 100 bis 120 Besuchern, die den Saal des Gasthofs Krone füllen werden. Eingeladen wurden die Kandidaten der im Landtag vertretenen Parteien und jene, die laut Umfragen gute Chancen haben, am 13. Mai ins Parlament gewählt zu werden. Somit ist schon im Vorfeld die  NDP und ihr Kandidat Michael Österle durchs Raster gefallen. Man wollte keiner Partei ein Forum bieten, die „98 Prozent der Bevölkerung gegen sich hat.“

Übrigens: Eckhart Klein hat via Facebook doch noch auf die Äußerungen Österles reagiert: „Meinungsfreiheit heißt, sehr viel Mist verzapfen zu dürfen. Aber es gibt Grenzen. Hoffentlich wird ihre Partei bald verboten.“

CDU nicht auf dem Podium

Diskussion Bei der Wahlkampfveranstaltung im Gasthaus Krone stehen am Freitag ab 19.30 Uhr die Landtagskandidaten Eckhart Klein (Grüne), Sascha Binder (SPD), Armin Koch (FDP), Rene Niess (Linke) und Willy Kotzbauer (AfD) Rede und Antwort. Moderiert wird die Diskussion von Gerd Scheffold vom Bund der Selbstständigen. Die Landtagsabgeordnete der CDU, Nicole Razavi, musste absagen, weil sie zur selben Zeit auf einer Wahlkampfveranstaltung mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in der Geisligner Jahnhalle ist.

1 Kommentar

03.03.2016 11:17 Uhr

Eckhart Klein schreibt hierzu:

Weil es anscheinend Legendenbildung in den Freundeskreisen der Rechtsextremisten gibt.
1. Ich habe nicht auf ein Hausverbot für Herrn Österle hingewirkt. Die Telefonate und den Schriftverkehr zwischen den Herren Österle und Straub, die zum Hausverbot führten, kenne ich nicht.
2. Der Gewerbeverein Gruibingen ist frei, zu organisieren und einzuladen, wen sie wollen. Die AfD wird auch anwesend sein. Ich stelle mich den Fragen und Diskussionen.
3. Herr Österle hat mich über ein Fake-Profil mit Privatnachrichten in Facebook angeschrieben. Ich habe zunächst geantwortet.
4. Irgendwann hat sich Herr Österle (NPD-Kandidat) geoutet. Ich schrieb ihm: „Meinungsfreiheit heißt, sehr viel Mist verzapfen zu dürfen. Aber es gibt Grenzen. Hoffentlich wird ihre Partei bald verboten.“
Ich hoffe trotz der im Vorfeld aufgeladenen Situation auf eine faire und sachliche Diskussion mit meinen Mitkandidaten für den Landtag im Gasthaus Krone von Gruibingen. Es sollte vorwiegend um Themen gehen, die im Einflussbereich der Landespolitik liegen.

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Umfrage: Internet auf der ...

Stiller Ort zum Surfen: Die Toilette. Foto: Monika Skolimowska

In der einen Hand das Klopapier, in der anderen das Smartphone - für fast jeden Zweiten in Deutschland ist das einer Umfrage zufolge kein Problem. 45 Prozent der Befragten gaben an, dass sie auf der Toilette selten oder regelmäßig im Internet surfen. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr

Mückenplage droht – ...

Wo kommt sie vor? Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Deutschland droht eine Stechmückenplage. Der Grund: das feuchtwarme Wetter. Experten bitten darum, Mücken zu fangen und einzusenden. mehr