Die größte Pferdeskulptur der Welt stammt aus Süßen

Die Kunstgießerei Strassacker hat auf dem Gelände des Gulfstream Parks bei Miami in Florida die größte Pferdeskulptur der Welt errichtet. Das Kunstwerk "Pegasus und Drache" aus Bronze wiegt 650 Tonnen.

JOA SCHMID |
Die Autofahrer auf dem viel befahrenen U.S. Highway 1 in Miami staunten schon lange über die 33 Meter hohe Metallkonstruktion, an der bis zu 100 Arbeiter zugange waren. Innerhalb von nur acht Monaten entstand hier unter der Regie der Kunstgießerei Strassacker in Süßen die weltgrößte Pferdeskulptur und eine der größten Bronzefiguren, die jemals gebaut wurden: 33 Meter hoch, 35 Meter breit und 60 Meter lang, montiert auf einem Skelett aus 400 Tonnen Stahl, zusammengefügt aus nicht weniger als 1250 Bronzeelementen mit einem Gesamtgewicht von noch einmal 250 Tonnen. Damit ist das Monumental-Kunstwerk höher als das Brandenburger Tor in Berlin, größer wie Christo Redentor in Rio und nur wenig kleiner als die Freiheitsstatue in New York. Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse wird hier eindeutig entschieden: Pegasus, das geflügelte Pferd der griechischen Mythologie, besiegt den Drachen.

Der Kolossalbau soll das Zentrum und Wahrzeichen des Gulfstream Parks bilden. Über die Hälfte der Gesamtkosten des Projekts von rund 30 Millionen Dollar wurden in die spektakuläre Bronzeskulptur investiert. Der Themenpark in unmittelbarer Nähe zu einer Pferderennbahn soll im Sommer eröffnet werden. Initiator und Auftraggeber ist der österreichisch-kanadische Unternehmer Frank Stronach. Er ist Eigentümer des Gulfstream Parks, Hallandale Beach, und hatte die Idee zu dem Projekt. Die Suche nach einem Unternehmen, das eine 33 Meter hohe Bronzeskulptur realisieren kann, führte Stronach nach Süßen, dem Stammsitz der Kunstgießerei Strassacker. „Als vor rund drei Jahren die ersten Skizzen von Pegasus & Dragon zur Prüfung in Süßen eintrafen, haben selbst die erfahrensten Mitarbeiter ungläubig geschaut", erinnern sich Edith Strassacker und Günter Czasny. „Die Bronzeplastik war schon wegen ihrer Ausmaße eine der größten Herausforderungen unserer fast 100jährigen Firmengeschichte", so die Geschäftsführerin und der stellvertretende Geschäftsführer des Familienunternehmens mit 500 Mitarbeitern. Bisher war eine fünf Meter hohe Nachbildung des Fußes von Uwe Seeler für die Hansestadt Hamburg, die größte Skulptur, die Strassacker je gegossen hat. Von der bildhauerischen Komposition des Kunstwerks, die der akademische Bildhauer von Strassacker, Waldemar Schröder, übernommen hat, bis zur Fertigstellung war es ein langer Weg.

„Schon die Berechnung und Entwicklung der äußerst komplizierten Stahlkonstruktion, an der die 1250 Bronzeelemente wie ein 3D-Puzzle montiert werden sollten, war eine Herausforderung. Hinzu kam der strenge Zeitplan. Exakt drei Jahre waren vorgegeben“, berichtet Günter Czasny, der das Projekt geplant, projektiert und mit einem Team spezialisierter Fachleute und kompetenten Kooperationspartnern umgesetzt hat. Das Ingenieurbüro Stark Ingenieure aus Ludwigsburg zeichnet für die technische Planung verantwortlich. Die Produktion und den Aufbau der komplexen Stahlkonstruktion vor Ort übernahm Stahlbau Wendeler aus Donzdorf.

Um die Bronzeteile auf der Stahlkonstruktion sicher zu fixieren, haben die Spezialisten eigens ein flexibles Befestigungssystem entwickelt, das dem feuchtheißen Klima Floridas gewachsen ist. Das war nicht unwichtig: Immerhin dehnt sich Bronze bei Hitze um bis zu 30 Zentimeter aus. Zudem wurde die riesige Plastik so gebaut, dass sie dem stärksten Hurrikan trotzen kann. Umfangreiche statistische Berechnungen und ein besonderer Test folgten: Pegasus und der Drache mussten in den Windkanal, um ihre Standfestigkeit zu beweisen. Den idealen Partner für den Bau des Originalmodells im Maßstab 1:1, und den Bronzeguss fand man in China, südlich von Peking. Hier hat die Gießerei Yoda ihren Sitz, mit der die Experten aus Süßen seit Jahren kooperieren. Unter der Regie von Strassacker wurde das Modell in China vergrößert, 1250 Einzelteile gegossen, alle Bauteile provisorisch zusammen gebaut und wieder zerlegt. Langjährige Erfahrungen der chinesischen Gießerei mit großvolumigen Skulpturen und die traditionelle Handwerkskunst von Strassacker machten’s möglich.„Bis zu 60 Bildhauer und Gestalter haben an der Skulptur gearbeitet“, erzählt Projekt-Manager Czasny.

 

In 50 Seecontainern ging es dann nach Miami, wo man die riesige Bronzeplastik Stück für Stück wieder zusammengebaut und mit der Stahlunterkonstruktion „verheiratet“ hat. Kunsthandwerkliches Können war auch beim Finale gefragt. Die Perfektion des Entwurfs musste unbedingt eingehalten werden. „Eine der schwierigsten Aufgaben ist es, die korrekte bildnerische Form zu finden“, erzählt Projekt-Leiter Czasny. Strassacker hat die Mitarbeiter der Gießerei in China über eineinhalb Jahre intensiv geschult. Unter der Leitung der Süßener Kollegen haben sie dann die rund sieben bis acht Millimeter starken Bronzeelemente zusammen gefügt. Diese Elemente, jedes rund 1,5 mal 2,5 Meter groß, wurden miteinander verschweißt und sorgfältig ziseliert. Oberstes Ziel: Keine Schweißnaht darf sichtbar sein.

Spektakulär war die Montage von Kopf und Flügeln des Pegasus: Um die zwischen 45 und 60 Tonnen schweren Bauteile in die Höhe von rund 33 Meter anzuheben, wurde einer der größten Schwerlastkräne der Welt eingesetzt.

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