Besuch in der Pumpstation am Tag des offenen Denkmals

"Handwerk, Technik, Industrie". Das Thema zum Tag des offenen Denkmals kam im Filstal mit seiner Industriekultur gerade recht. Zum Beispiel war die Alte Pumpstation in Bad Überkingen geöffnet.

BETTINA VERHEYEN |

"Jetzt muss ich mal kurz ein Glas Wasser trinken", entschuldigt sich Martin Pulvermüller bei den Besuchern des Museums Alte Pumpstation zwischen Bad Überkingen und Hausen. Es ist 15 Uhr und Pulvermüller hat schon zwei- bis dreihundert Leute in Grüppchen durch das Industriedenkmal geführt - und viel über Wasser geredet. Wie sich die Menschen "früher" - das heißt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts - mit Wasser versorgt haben, das zwischendurch immer wieder knapp wurde; wie sich ein gewisser Karl Ehmann, seines Zeichens Oberingenieur der Alb-Wasser-Versorgung, in England schlau machte und wie nach seinen Plänen zwischen 1870 und 1881 Albwasserversorgungsgruppen gegründet wurden.

Als letzte ging die Untere-Fils-Gruppe bei Bad Überkingen am 23. September 1881 in Betrieb: In einer 150 Meter langen Sickergalerie wurde Grundwasser gesammelt und von der Pumpstation aus nach Oberböhringen und Aufhausen 300 Höhenmeter hochgeleitet. Die dafür notwendigen Pumpen wurden zuerst mit Wasserkraft angetrieben, dann durch eine mit Kohle betriebene Dampfanlage und von 1914 an durch zwei elektrische Kolbenpumpen. Dank der Pumpen konnten 35 Ortschaften aus den heutigen Landkreisen Göppingen, Heidenheim und Alb-Donau mit damals 7616 Einwohnern mit Wasser versorgt werden.

Beim gestrigen Tag des offenen Denkmals mit dem Thema "Handwerk, Technik, Industrie" sahen die Besucher im Museum Alte Pumpstation die original Kolbenpumpen von 1881. Die Überkinger Pumpstation ist die einzige der verschiedenen Albwasserversorgungsgruppen, die noch weitgehend im Originalzustand erhalten ist. Wassermeister Pulvermüller aus Hausen erklärt die Technik, lässt die Pumpen auch laufen. Vor allem die männlichen Besucher wollen es genau wissen, fragen nach, schauen alles an und fotografieren.

Das Kontrastprogramm erlebt man nur ein paar Meter weiter, im neuen Wasserwerk. Dies ging Anfang der 1990er Jahre in Betrieb. Während man sich im Museum mit den dort ausgestellten Werkzeugen, Maschinen und den "Vorschriften über Behandlung der Motoren für Dreh- und Wechselstrom" an der Wand um gut hundert Jahre zurückversetzt wähnt, wirkt das neue Wasserwerk futuristisch: Im Eingangsbereich ein Riesenschreibtisch mit Schalttafeln wie in einer Feuerwehrleitstelle oder einem intergalaktischen Raumschiff; die Pumpen, die nebenan vor sich hinsurren, sind bis zur Unkenntlichkeit verkleidet. Eindrucksvoll auch der Besuch des Reinwasserbehälters auf einer kleinen Anhöhe des Geländes. Dort sprudelt in einem Becken das trübe Rohwasser, nebenan wird das aufbereitete Reinwasser gesammelt, bevor es weitergeleitet wird. Insgesamt vier Mitarbeiter des Wasserzweckverbandes stehen den Besuchern Rede und Antwort.

Pulvermüller hat mittlerweile sein Glas Wasser getrunken und steht schon wieder vor einer neuen Gruppe. Ähnlich wie ihm und seinen drei Kollegen wird es am gestrigen Tag des offenen Denkmals auch den anderen Ortskundigen ergangen sein: Helmut Junginger führte in Kuchen durch die historische Arbeitersiedlung, Joachim Abel erzählte auf einer Wanderung zum Knoll-Denkmal vom Bau der Geislinger Steige. "Handwerk, Technik, Industrie": Das diesjährige Thema kam im Filstal, wo jüngst die Route der Industriekultur eingeweiht wurde, gerade recht.

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