Auch im Jugenddorf Bläsiberg wohnen junge Flüchtlinge

Die Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge ohne Eltern diskutierte der Sozialausschuss des Kreistags. Besichtigt wurde dazu auch das Jugenddorf Bläsiberg.

STEFANIE SCHMIDT |

In den Monaten November 2015 bis Februar wurden dem Landkreis Göppingen jeweils etwa 240 Flüchtlinge zugewiesen, informierte Rudolf Dangelmayr vom Kreissozialamt den Sozialausschuss. Damit habe sich die Lage seit Herbst etwas entspannt: Im Oktober etwa mussten die Kreiskommunen für 463 Menschen neue Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften schaffen. Woran es liegt, dass zur Zeit weniger Asylbewerber in Deutschland ankommen, kann Dangelmayr nicht mit Sicherheit sagen. Er vermutet, dass "widrige Umstände", wie zum Beispiel die Grenzschließungen entlang der Balkanroute oder die Wetterlage, eine Rolle spielen. Da im Herbst alles in Bewegung gesetzt worden sei, um Unterkünfte für die Flüchtlinge zu schaffen, habe der Kreis im Moment einen gewissen Puffer. Wenn man Notunterkünfte wie die Sporthalle am Berufsschulzentrum Öde, das Zelt auf dem Parkplatz des Landratsamtes und den für die Unterbringung von Flüchtlingen hergerichteten Sitzungssaal des Landratsamtes einschließt, gibt es im Kreis derzeit 64 Gemeinschaftsunterkünfte mit 2374 Plätzen; davon sind 2078 momentan belegt. Mit Prognosen darüber, wie es in den nächsten Monaten weitergeht, hält sich Dangelmayr zurück - dazu seien die Unsicherheitsfaktoren zu groß. "Aber wir rechnen wieder mit einem Anstieg der Flüchtlingszahlen und dürfen nicht nachlassen, neue Unterkünfte zu generieren."

Fünf Prozent aller Flüchtlinge sind minderjährig

Kreisjugendamtsleiter Lothar Hilger richtete anschließend den Fokus auf die unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA). Sie bereiten bei der Unterbringung und Betreuung besonderes Kopfzerbrechen. Etwa fünf Prozent der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge sind minderjährig und ohne Eltern unterwegs: Es handelt sich dabei zum allergrößten Teil um Jungen zwischen 15 und 17 Jahren, in Einzelfällen sind sie aber auch jünger. Die Hälfte davon stammt aus Afghanistan, andere aus Eritrea, Syrien oder Gambia. Derzeit kümmert sich der Landkreis um etwa 140 minderjährige Flüchtlinge. 45 von ihnen sind in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht, darunter auch im Jugenddorf Bläsiberg bei Wiesensteig. Sieben leben in Gastfamilien. Die restlichen werden ambulant betreut. Sorgen macht Hilger, dass die geforderten Standards in der Jugendhilfe bei diesen ambulanten Plätzen nicht mehr eingehalten werden könnten, da die Betreuung teilweise auf "Minimalniveau" stattfinden müsse. Für neu zugewiesene UMA müsse die Beschulungsfrage erst geklärt werden. Diesbezüglich arbeitet das Kreisjugendamt mit den Berufsschulen zusammen. Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge im Kreis wird weiter zunehmen, prognostiziert Hilger. Er rechnet mit fünf bis zehn Zuweisungen pro Woche.

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