36-Jährige wollte "Schmerz und Leid ein Ende setzen"

Im Herbst hatte eine 36-Jährige nahe Aichen ihre Tochter getötet. Ein mögliches Motiv: Die Mutter glaubte, dass sie und ihre Kinder verfolgt würden.

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Die Beweisaufnahme im Prozess um die 36-jährige C. aus dem Landkreis Göppingen, die im Oktober ihre Tochter in einer Autobahnunterführung bei Aichen tötete und ihren Sohn schwer verletzte, ist am heutigen Mittwoch abgeschlossen worden. Der letzte Zeuge im Prozess kam nur indirekt zu Wort: Der Ehemann der Angeklagten war bereits im Mai in einer Schweizer Haftanstalt vernommen worden. Dort sitzt er seit Frühjahr 2013, weil er einen Mann getötet hat. Richter Gerd Gugenhan verlas das Protokoll der Vernehmung.

Im Verlauf der vergangenen Verhandlungstage hatten die Beschuldigte sowie Zeugen aus ihrem Umfeld wiederholt geschildert, dass die Tat ihres Ehemannes der Wendepunkt im Leben der Angeklagten gewesen sei. Nach seiner Tat sei es mit der psychischen Stabilität der Angeklagten kontinuierlich bergab gegangen: Sie entwickelte demnach Wahnvorstellungen und fühlte sich permanent verfolgt. In einem Brief an ihren Mann vom Januar, welcher dem Schwurgericht vorliegt, gibt die Angeklagte ihrem Mann sogar eine indirekte Mitschuld an ihrer Tat: „Ich bin durch deine Tat krank geworden“, schreibt sie: „Du warst der Auslöser.“

Ihr Mann beschreibt C. in seiner Vernehmung als ehemals lebensfrohe und temperamentvolle Frau, die – im Rückblick betrachtet – jedoch auch eine Schattenseite hatte: Teilweise habe sie eine sehr negative Weltsicht gehabt und sich von gemeinsamen Aktivitäten mit der Familie abgeschottet. Ihr Verhältnis zu den beiden Kindern sei aber stets liebevoll und fürsorglich gewesen. Im vergangenen Herbst habe ihm seine Frau am Telefon von Selbstmordgedanken erzählt. Ihre Stimmung sei ein „einziges Auf und Ab“ gewesen. Anzeichen dafür, dass sie die Kinder „mitnehmen“ wolle, habe es für ihn nie gegeben.

Was die Angeklagte zu ihrer Tat veranlasst haben könnte, deutet ein Brief an, den ihr Anwalt dem Gericht gegen Ende des Prozesstages vorlegte. In dem Brief, den die Mutter C.s in den Sarg der getöteten Tochter legen sollte, schreibt die Angeklagte: „Was ich getan habe, wollte ich nicht.“ Sie habe lediglich gewollt, dass „der Schmerz und das Leid“, das die Tochter habe ertragen müssen, aufhört. „Grausame Menschen“ hätten ihr Kind nicht länger verletzen dürfen – eine Anspielung auf die paranoiden Wahnvorstellungen, die die Angeklagte im Vorfeld der Tat umtrieben.

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