25.000 Kubikmeter Humus ziehen um

Die Gemeinde Gingen nützt den Abraum von den Baustellen an der neuen B 10 und am Barbarabach, um die Ackerböden auf der Gemarkung zu verbessern.

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Damit Transport- und Baufahrzeuge den zurzeit feuchten Ackerboden nicht verdichten, hat Ingenieur Jörg Schneider „Fahrspuren“ auf tragfähigem Grund eingerichtet.  Foto: 

Was hat der Neubau der B 10 mit einer erfolgreichen Getreideernte zu tun? Die Antwort findet sich auf Gingens Äckern. Seit vergangenem Donnerstag ist ein  Transportunternehmen dabei, 23 000 Kubikmeter Humus  auf  etwa neun Hektar landwirtschaftliche Fläche in der Gemeinde aufzutragen. Die Erde ist bei der Planierung der neuen B 10-Trasse und beim Ausbau des Hochwasserschutzes am  Barbarabach angefallen. Nun soll der Humus dazu beitragen, die Böden auf  der Gingener Gemarkung zu verbessern.

Bis zu 30 Zentimeter hoch wird die zusätzliche Bodenschicht. Die neue Erde bringt nicht nur zusätzliche Nährstoffe auf die Felder, sondern sorgt auch dafür, dass die Böden in Zukunft mehr Wasser speichern können, erläutert Diplom-Ingenieur Jörg Schneider vom Ingenieurbüro Regioplus aus Beuren, das das Bodenmanagement in Gingen begleitet. Schon wenn die Humusschicht zehn Zentimeter   dicker wird, könne der Boden pro Quadratmeter zehn Liter Wasser zusätzlich speichern. Die Folge: Getreide hält bei Trockenperioden länger durch und kann im Sommer vor der Ernte länger stehenbleiben. Als Nebeneffekt leiste der zusätzliche Humus auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz: Wird Regenwasser vom Boden aufgenommen, muss es sich keinen Weg in die Kanalisation suchen.

80 Landwirte und Eigentümer stellen in Gingen ihre Grundstücke für das Bodenmanagement zu Verfügung. Viel Überzeugungsarbeit hätten Gemeinde und Ingenieurbüro im Vorfeld nicht leisten müssen, sagt Gingens Bürgermeister Marius Hick. Gerade die Landwirte hätten die Maßnahme als Chance gesehen, die Qualität ihrer Böden zu verbessern.

Bei seiner Arbeit stößt Jörg Schneider hin und wieder aber auch auf Bauern, die skeptischer sind, weil sie in den vergangenen Jahrzehnten schlechte Erfahrungen gemacht haben. „Bodenauffüllungen macht man schon seit 30 bis 40 Jahren“, erklärt der Ingenieur.  „Da wurde manchmal auch schlechtes Bodenmaterial eingebaut oder zur falschen Zeit aufgefüllt.“ Der Humus, der in Gingen zum Einsatz kommt, sei chemisch auf seine Qualität analysiert worden. „Das war entscheidend für die Durchführung“, betont Schneider.

Auch beim Aufbringen der Erde auf die Felder muss einiges beachtet werden, damit der Boden durch die Transportfahrzeuge nicht beschädigt wird. Eine zusätzliche Schwierigkeit: Weil es in den vergangenen  zwei bis drei Wochen in Gingen recht viel Niederschlag gab, sind die Äcker relativ feucht. Würden die mit Humus beladenen Schlepper unter diesen Bedingungen einfach auf die Felder fahren, würden sie den Boden verdichten. Deshalb hat Jörg Schneider auf den Äckern „Fahrspuren“ einrichten lassen: Dort wurde die oberste Erdschicht weggeschoben, sodass sich die Transportfahrzeuge auf tragfähigem Grund bewegen können.

Ist der Humus überall verteilt, wird die neue Bodenschicht zum Abschluss mit der Raupe mit der bestehenden Schicht „verzahnt“. Wenn das Wetter mitspielt, sollte es in drei Wochen so weit sein. Dann können die Landwirte ihre Felder wieder wie gewohnt bearbeiten. Allerdings empfiehlt Schneider, in den nächsten zwei bis Jahren zunächst tiefwurzelnde Pflanzen anzubauen: „Dann wird biologisch stabilisiert, was mechanisch aufgerissen wurde.“

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