136 Jahre alte Leitungen halten immer noch

Historie trifft moderne Technik: Bei einer Rundfahrt haben die Delegierten des Trinkwasserverbandes Ostalb die Anlagen im Versorgungsgebiet besichtigt.

ULRICH BISCHOFF |

Der legendäre Ingenieur und Pionier der Albwasserversorgung Carl von Ehmann war bei seiner Erkundung der rauen Alb um das Jahr 1866 herum noch auf die Postkutsche und den Wanderstock angewiesen. 150 Jahre später folgten die Delegierten der Mitgliedsgemeinden im Zweckverband Wasserversorgung Ostalb nun seinen Spuren in einem luftgefederten Dreiachser-Bus.

Bei der Besichtigung des Museums in der alten Trinkwasser-Pumpstation bei Bad Überkingen stieß ein Mitglied dabei auf einen wertvollen historischen Plan. Ein 135 Jahre altes Dokument trägt die Unterschrift Ehmanns. Das Mitglied bat die Verbandsführung dringend, die derzeit noch in Vitrinen verwahrten Pläne digitalisieren zu lassen und sie nicht weiter dem Sonnenlicht auszusetzen.

365 Quadratkilometer umfasst das Versorgungsgebiet des Zweckverbandes, 18 Städte und Gemeinden hängen an seinem Netz und aus vier Wasserwerken wird das Wasser über Steigleitungen weit über 200 Meter hinauf auf die Albhochfläche gepumpt. Der höchste Punkt im weitverzweigten Leitungsnetz ist Berneck bei Deggingen mit 773 Meter über dem Meeresspiegel, erläuterte der technische Betriebsleiter des Zweckverbandes, Walter Banzhaf.

Martin Pulvermüller ist der Wassermeister, der den Betrieb am Laufen hält. Er erklärte den Verbandsvertretern die Arbeit der alten Kolbenpumpen im Museum "Alte Pumpe" in Bad-Überkingen. An ihnen versahen seine einstigen Kollegen ihren Dienst. 1880 trugen sie noch Uniformen.

Aus dieser Zeit stammt auch die Behälterkammer bei Börslingen. An ihr stellte Banzhaf den Ausflüglern die Historie des Zweckverbandes vor. Über Felder ging es weiter, der Kuppenalb entgegen. 200 Stufen führen in den Kopf des Gerstetter Wasserturmes hinauf. Wer es bequemer haben wollte, bestieg den Fahrstuhl. 400 Kubikmeter Wasser speichert der Turm in seinem Kopf und beschert der Albgemeinde den nötigen Druck im Netz. Bevor die Baumeister den Betonriesen hochzogen, konnte es passieren, dass so mancher Gerstetter eingeseift unter der Dusche stand und es aus der Brause nur noch tröpfelte.

In der Gerstetter Waldstraße ist das "Gehirn" des Zweckverbandes verkabelt. Über seine Zentrale werden die in 25 Hochbehältern lagernden Wasservorräte des Zweckverbandes verteilt und die Arbeit der Wasserwerke in den Tälern überwacht. Die Fernüberwachung ersparte den Technikern schon so manche Kontrollfahrt. Die Verbandsmitglieder nahmen es zufrieden zur Kenntnis.

Den 136 Jahre alten Hochbehälter über Stötten hat Carl von Ehmann noch konzipiert. Er versorgt über seine alten Leitungen Stötten, Schnittlingen, die Kuchalb und auf dem Weg dorthin auch einen Schweinestall mit 1200 Muttersauen. Wenngleich dünn besiedelt, ist 2017 der Neubau der Leitung "einschließlich der Anbindung der Aussiedlungen" vorgesehen. 2018 soll es einen neuen Hochbehälter geben. Das Budget des Zweckverbandes erlaube angesichts einer zurückliegenden fünfjährigen Investitionspause solche Überlegungen, hieß es zum Abschluss der Rundfahrt bei den Mitgliedern.

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