„Der Funke springt über“

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Hielten den Zuschauern im Hotel Löwen in Bad Boll mit allerlei Menschlichem den Spiegel vor: die Theaterbühne Bad Boll mit Theater-Profi Jürgen M. Brandtner (l.).  Foto Staufenpress  Foto: 

Ob es der Walfisch nach Tiroler Art war, den man zwei bis drei Jahre wässern muss, ob es das Sauspießchen mit einer gut gebürsteten Wildsau war, für jeden Gast eine Sau auf einer Ananasscheibe angerichtet, ob Nilpferd in Burgundersauce, Büffel im Schlafrock mit einer Prise Salz oder Elefantencreme, wahlweise auch mit Schokolade oder Himbeeren – wenn der Stuttgarter Regisseur Johannes Soppa zur Überbrückung der Umbaupausen zwischen den Sketchen Loriots Rezeptvorschläge zum Besten gab, war das Publikum im voll besetzten Bad Boller Festsaal des Gasthauses „Löwen“ aus dem Häuschen vor Vergnügen.

Mit wenigen Kulissen und Requisiten hatte es die Theaterbühne Bad Boll geschafft, zusammen mit den beiden Profis, Regisseur Soppa und Schauspieler Jürgen M. Brandtner, beste Unterhaltung zu präsentieren und mit den Amateuren Dietmar Hoyler, Klaus Hudik, Sandra Schwab, Annette Hudik und Kevin Braun einen kurzweiligen, vergnüglichen Abend mit Qualität zu gestalten. Aus Baden-Baden war sogar die SWR 2-Moderatorin Antje Keil angereist, um die Premiere der beiden Profis wegen anzusehen. „Schauspieler Brandtner kopiert nicht, er macht etwas Eigenes draus und der Funke springt über“, so Keil nach der Vorstellung.

Auch von den Amateuren sprang der Funke bei den bekannten und beliebten Loriot-Sketchen über, für deren Aufführung Tochter Susanne von Bülow die Aufführungsrechte erteilt hatte. Herrlich, die zwei gut situierten und etwas verwirrten älteren Herren mit ihren infantilen Geschlechtsteilen in der Wanne, wie sie einen kindlichen Kleinkrieg darüber führen, ob das Wasser nun eingelassen werden, ob die Quietsche-Ente draußen bleiben soll und wer länger die Luft anhalten kann. Mit wenigen Requisiten, darunter zwei Rahmen als Spiegel, die ins Publikum zeigten, wurde im Sketch „Die Garderobe“ ein nutzlos nörgelnder Dialog eines Ehepaares, das sich zu einem Fest anziehen muss, persifliert und traf offenbar eigene Erfahrungen von Zuschauern.

Gesellschaftskritik im Kleinen klingt an, als die Psychologin bei der „Eheberatung“ ebenso ihr Fett wegbekam wie das Ehepaar, das im Grunde zu einer Veränderung nicht bereit ist. Dass Autor Vicco von Bülow (1923-2011) nie einen erhobenen Zeigefinger benutzte, zeigten die sechs Schauspieler dem begeisterten Publikum mit überschäumender Spiellust.

Nach Sketchen wie, „Frühstücksei“, „Kosakenzipfel“, „Liebe im Büro“ oder „Der Vertreter“, die die Gier und gleichzeitige Verklemmtheit unter einer scheinbar seriösen Maske sowie die Geschäftstüchtigkeit entlarvten, setzte der vielleicht bekannteste Loriot-Sketch vom Lottogewinner einen urkomischen Schlusspunkt. Herr Lindemann brachte in seiner Nervosität die anfänglich richtigen Fakten völlig durcheinander und hielt mit dieser Überforderung dem Publikum einen wunderbar lustigen Spiegel vor.

Benefiz Weitere Abende mit Loriot-Sketchen zu Gunsten der „Guten Taten“ gibt es am 28. und 29. Januar sowie am 4., 10. und 11. Februar im Hotel Löwen in Bad Boll. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, am 29. Januar bereits um 14 Uhr (Einlass jeweils zwei Stunden vorher). Karten für 13 Euro gibt es im Hotel Löwen, Tel. (07164) 94090, bei der Bäckerei Hoyler in Bezgenriet sowie im Internet unter www.theaterbuehnebadboll.de.

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