Zwischen Fiktion und Metier

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Dichtung oder Wahrheit? Wenn Künstler Ralf Ziervogel ins Erzählen kommt, darf sein Publikum sich auf überraschende Wendungen gefasst machen. So geschehen beim gut besuchten öffentlichen Gespräch in der Kunsthalle Göppingen, wo er von Kuratorin Dr. Melanie Ardjah zu seiner Arbeit interviewt wurde.

„Falsch!“, ruft der 42-jährige Berliner zur Freude des Publikums, als er geschildert bekommt, wie sehr die Mitarbeiter der Kunsthalle darauf bedacht waren, Besucher für den vorsichtigen Umgang mit seinen filigranen Papierarbeiten zu sensibilisieren. Er wolle vielmehr jedem eine Chance geben, dass er „drüberstolpert oder draufkotzt“, und überhaupt solle man nicht so sehr am Materiellen hängen.

Etwas mit Kunst machen

Und doch erzählt er wenig später von seinem „fetischistischen“ Umgang mit Büchern. So kaufe er wertvolle Erstausgaben nicht, um sie zu lesen, sondern um sie zu haben oder zu verschenken. Manchmal wiederum lade er sich stapelweise Bücher in seinen Kofferraum, um sie andernorts einfach wieder abzuladen.

Immer wieder hat man den Eindruck, in einer Achterbahn zu sitzen, die irgendwo zwischen ernsthafter Auseinandersetzung mit dem eigenen Metier und mindestens ebenso ernster Fiktion durch die hochästhetische Welt von Ziervogels Zeichnungen rast.

Doch gerade dieses Hin-und-Hergeschleudertwerden ist es, auf das sich die Zuhörer in der Kunsthalle gerne eingelassen haben. Zumal vieles wirklich zu denken geben kann. Im Jahr 2050, so Ziervogel, werde man Algorithmen mit derart ästhetischer Wirkung kennen, dass keine Kunst und keine Künstler mehr nötig sein werden.

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