Zwischen den Stühlen im Kabinett

"Zwischen den Stühlen" heißt die neue Ausstellung im Kunstkabinett der WMF in der Fischhalle Geislingen. Gezeigt werden Zeichnungen und großformatige Malerei des Münchner Künstlers Sven Kalb.

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Besonders die großformatigen Werke des Münchner Künstlers Sven Kalb bestachen die Besucher im WMF-Kunstkabinett sofort mit ihrer farblichen Wucht und der dynamischen Lebendigkeit des Farbauftrags.  Foto: 

Organisiert werden die Kunstkabinett-Ausstellungen von der Juniorenfirma der WMF. Bei der Ausstellung der Zeichnungen und großformatigen Malereien des Münchner Künstlers Sven Kalb übernahmen Julia Öhlschläger (17) und Jan Wudy (18), beide kaufmännische Auszubildende im ersten Lehrjahr, die Verantwortung. Unter anderem holten sie die Kunstwerke selbst mit dem Sprinter in der bayerischen Landeshauptstadt ab und übernahmen - nach Vorgabe des Künstlers - die Hängung der Bilder.

Zur Vernissage konnten sie 50 Gäste in der Fischhalle begrüßen - darunter der Künstler selbst und WMF-Vorstandschef Peter Feld. Die Fischhalle hatte sich an diesem Abend aus einem Ort, an dem tagsüber Trubel und Kommerz den Ton angeben, zu einem Platz für die Kunst verwandelt, bemerkte Jutta Suchanek, Leiterin des Personalressorts, in ihrer Begrüßungsrede. So wie die WMF in ihrer Geschichte schon immer Kunst und Design verbunden habe.

"Zwischen den Stühlen", den Titel der Ausstellung, bezog Jutta Suchanek auf die Wechselwirkung zwischen Kunstwerk und Betrachter: "Die Betrachter sollen die Bedeutung hinter den Kunstwerken selbst entdecken." Trotzdem ging sie kurz auf Motive wie Kopf, Stuhl und Boot, die oft im Mittelpunkt von Sven Kalbs Schaffen stehen, und deren mögliche symbolische Bedeutungen ein. So sah sie "Kopf" als Symbol für Gedanken oder auch Ideologie, assoziierte mit "Stuhl" Thron und Macht und "Boot" mit Botschaft, Aufbruch, Flucht oder Reise. Pole, die den Betrachter von Kalbs Werken in ein schier unendliches Bedeutungsfeld einschließen.

Auch der Künstler selbst, scheint mit seinem Schaffensprozess ganz bewusst einen Platz "zwischen den Stühlen" einzunehmen. Denn Sven Kalb wolle kein Maler sein, sondern seine Bilder als Zeichner malen, erklärte Suchanek. Farbe, Fläche und Emotionen mit den filigranen und analytischen Aspekten der Zeichnerei verbinden.

Seine Bilder seien keine Abbilder, betonte Sven Kalb in seiner kurzen Ansprache. "Was gemalt ist, ist nicht das, was dargestellt ist."

Doch in den Bildern geschehe etwas, das die Dinge, die wir täglich erleben, verändern könne. Die Wirkung von Kunst verglich Kalb mit der Wirkung der berühmten Paradiestür, deren Nachbildung in der WMF zu bewundern ist. "Man geht durch die Kunst hindurch wie durch diese Tür". Durch den Anblick der Tür werde die Sicht durch das, was sich dahinter befindet, verändert.

Die großformatigen Werke Kalbs bestachen die Besucher sofort mit ihrer farblichen Wucht und der dynamischen Lebendigkeit des Farbauftrags: Kräftiges Gelb und warme Erdtöne im Kontrast mir roten oder schwarzen Akzenten, die dem Betrachter förmlich entgegenspringen; Berge, Täler und Dünen aus Farbwülsten, mit wilden Strichen und teilweise auch mit den Fingern aufgetragen. Ein Motiv, das sofort auffällt ist der "Kopf". Von einem Großteil der Leinwände schauen sie den Betrachtern entgegen: Einäugig, diffus und wild oder gegenständlicher und starr, einzeln oder der Masse, von wirbelnden Gedankenstrudeln umgeben oder vor weißem Hintergrund umgeben sie den Betrachter wie in einem unheimlichen Spiegelkabinett. Was sich im Dialog zwischen den Köpfen auf der Leinwand und dem Kopf des Betrachters abspielt, muss jeder für sich selbst herausfinden

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