Zwei Göppinger gestehen Raubüberfall

Zwei Göppinger sollen im Mai ein Spielcasino ausgeraubt haben. Gestern mussten sie sich vor dem Ulmer Landgericht verantworten. Beide waren geständig, erzählten jedoch unterschiedliche Versionen der Tat.

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Viele Unklarheiten gab es am Donnerstag im Verhandlungssaal des Ulmer Landgerichts. Zwei Frauen, die während eines Überfalls, der auf Video festgehalten wurde, sichtlich lachen. Angeklagte, die sich widersprechen. Und eine Zeugin, die eine ganz andere Geschichte erzählte. Doch von Anfang an: Die Staatsanwaltschaft legt den beiden Göppingern Jamila A. und Achmed K. (Namen geändert), 27 und 31 Jahre alt, zur Last, am 15. Mai ein Spielcasino in Göppingen überfallen zu haben. Dabei soll der Ältere die Anweisungen gegeben haben, der Jüngere habe die Tat ausgeführt. Die Anklage lautet auf erpresserischen Menschenraub.

Die beiden Männer zeigten sich am Donnerstag bereits nach kurzer Zeit geständig, erzählten dem Richter jedoch unterschiedliche Versionen. Achmed K. sagte, er habe mit zwei Mitarbeiterinnen des Casinos abgesprochen, dass er sie überfalle. Sie sollten das Geld herausgeben und anschließend einen Anteil davon erhalten. Dafür hatte er Jamila A., den er flüchtig von der Arbeit auf einer Baustelle gekannt habe, angeheuert. Spontan hätte dieser dann kurz nach der Besprechung das Casino überfallen. Weil Achmed K. selbst in der Spielhalle bekannt gewesen sei, habe er nicht hinein gehen wollen. Jamila A. hingegen sei weniger bekannt gewesen und hatte sich nach eigenen Angaben von der Aussicht auf Geld verlocken lassen. Seine Freundin sei schwanger, da habe er einen finanziellen Engpass gehabt. Die 27-Jährige sagte: "In diesem Fall war ich das Opfer. Achmed hat mir genau gesagt, wie ich es machen soll."

Angeklagter wird wütend

Dass Jamila A. allerdings ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser mit ins Spielcasino nahm, davon wollte Achmed K. vor der Tat nichts gewusst haben. Das sei ihm zu riskant gewesen. "Und dann höre ich den Horrorfilm mit dem Messer", sagte er. Als Richter Thomas Keckeisen darauf zu sprechen kam, wurde der Angeklagte sichtlich wütend. Er gab zwar zu, der Impulsgeber für den Raubüberfall gewesen zu sein, wollte diesen jedoch eher als Show ansehen. Die Frauen hätten Bescheid gewusst und seien somit nicht erschrocken. Davon wiederum wusste die befragte Zeugin nichts. Sie sagte, sie habe nie mit dem Angeklagten über einen geplanten Raubüberfall gesprochen. Er habe lediglich im Spaß zu ihr gesagt, er komme sie irgendwann einmal überfallen. Die Zeugin erzählte: "Daraufhin habe ich gesagt: Mach halt." Eine Absprache zu einem Überfall habe nicht stattgefunden.

Was auf dem Video aus der Tatnacht zu sehen war, ließ Richter und Staatsanwalt jedoch an ihrer Version der Geschichte zweifeln. Sie und die andere Mitarbeiterin lachten offensichtlich, als der Räuber ins Casino kam. Selbst als die eine Frau das Messer am Hals hatte, zupfte sie sich die Haare zurecht, was Richter Keckeisen als verdächtig bezeichnete. Die Zeugin selbst konnte nicht erklären, warum sie gelacht hatte. "Ich bin eben eine Frohnatur", sagte die Servicemitarbeiterin. Doch auch damit wurde die Geschichte für den Richter nicht glaubhafter. Sie habe in der Zeit nach dem Unfall schlecht geschlafen, inzwischen aber alles verarbeitet.

Die zweite Mitarbeiterin konnte am Donnerstag von der Kammer, dem Staatsanwalt und den Verteidigern nicht befragt werden, weil sie nicht ausreichend gut Deutsch verstand. Richter Keckeisen riss um 17.30 Uhr der Geduldsfaden, er lud sie zum Folgetermin erneut ein.

Der Prozess vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm wird am 28. Januar und am 3. Februar um 8.30 Uhr fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen vernommen werden.


Aus dem Strafgesetzbuch - Erpresserischer Menschenraub:

Der Paragraph 239a des Strafgesetzbuches besagt: Wer einen Menschen entführt oder sich eines Menschen bemächtigt, um die Sorge des Opfers um sein Wohl oder die Sorge eines Dritten um das Wohl des

Opfers zu einer Erpressung auszunutzen, oder wer die von ihm durch eine solche Handlung geschaffene Lage eines Menschen zu einer solchen Erpressung ausnutzt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft. In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr.

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