Zum Trost ein Schoko-Oscar

Die Deutschen gingen bei der Oscar-Verleihung nahezu leer aus. Enttäuscht sind die Produzenten Stefan Gieren und Gian-Piero Ringel, beide aus dem Kreis, aber nicht. Schon die Nominierung sei eine große Ehre.

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Glamour in Hollywood: Produzent Gian-Piero Ringel, der aus Göppingen stammt (links), und Regisseur Wim Wenders freuen sich über die Oscar-Nominierung. Die Enttäuschung, dass es nicht geklappt hat, hält sich in Grenzen. Foto: Imago

Es war eine Reise nach Amerika, die etwas holprig begann: Wegen Schneegestöbers konnte Produzent Gian-Piero Ringel mit Frau und Baby nicht wie geplant in Berlin abheben. Ein schlechtes Omen? In Hollywood angekommen, absolvierte der gebürtige Göppinger - kränkelnd und im Jetlag - unzählige Pressetermine. Und war überwältigt: "Das ist eine riesengroße Ehre", sagte der 35-Jährige zwei Tage vor der Oscar-Verleihung im Gespräch mit der NWZ. Nominiert war Wim Wenders in 3D produzierter Dokumentarfilm "Pina". Ringel ist Wenders Produzent und seit 2008 sein Geschäftspartner bei der Neuen Road Movies GmbH. "Wir könnten zusammen auf der Bühne stehen und dann knallhart zwei Oscars mit nach Deutschland bringen", hatte Gian-Piero Ringel voller Zuversicht der Nachrichtenagentur dpa gesagt.

Auch der aus Donzdorf stammende Stefan Gieren war nach Hollywood aufgebrochen. Er ist Produzent des Kurzfilms "Raju" von Regisseur Max Zähle. Die Academy hatte ihr Werk ebenfalls für einen Oscar nominiert.

Als Wim Wenders am Sonntag gleich hinter Superstar George Clooney den Roten Teppich betrat, hätte das wiederum als gutes Omen gewertet werden können. Doch es sollte nicht sein. Weder Wenders "Pina" noch Max Zähle mit seinem Kurzfilm "Raju" oder Lisy Christl für ihre Kostüme in Roland Emmerichs "Anonymous" wurden ausgezeichnet. Absahnen konnte aber die Effekte-Firma Pixomondo, die an dem 3D-Film "Hugo Cabret" mitgearbeitet hatte.

Die Oscar-Anwärter, die leer ausgingen, trugen es mit Fassung: "Niemand ist enttäuscht, allein die Nominierung war ja ein Anlass zu großer Freude", ließ gestern die Neue Road Movies GmbH verlauten. Gian-Piero Ringel war nach der langen Oscar-Nacht und wegen der neunstündigen Zeitverschiebung gestern nicht erreichbar. Der deutsche Tanzfilm "Pina" musste "Undefeated", einer Rührstück-Doku aus dem amerikanischen High-School-Football, den Vortritt lassen. Wenders und Ringel hatten jedoch an ihre Chance geglaubt: Rein filmisch sei der bewegende Tanzfilm "Pina" sicher ein "Exot", hatte der Produzent gemeint, sah jedoch in der 3-D-Technik einen "großen Vorteil". "Raju"-Produzent Stefan Gieren hatte dem großen Abend recht gelassen entgegen geschaut.

Zur Trophäe hat es für beide Filme nicht gereicht. Gefeiert wurde trotzdem - bei der Governors-Ball-Party gleich nach der Show lagen tausend Flaschen feinster Champagner auf Eis. Ganz ohne Oscar mussten Ringel, Wenders, Gieren und Zähle aber nicht nach Hause fliegen: Für alle Verlierer gibt es zum Trost einen Schoko-Oscar als Souvenir. Auch der ist golden. Fast zwölf Kilo essbarer Goldstaub waren nötig, um die 5000 süßen Männer zu vergolden.

Vielleicht ist auch die süße Trophäe ein kleiner Schub für Ringels nächstes Projekt: den Dreh für das Familiendrama "Everything will be fine". Bleibt bei so viel Arbeit hin und wieder Zeit für einen Besuch im Filstal? "In Göppingen selbst war ich seit einem Jahr nicht mehr, aber ich habe noch Verwandtschaft in Kirchheim/Teck", sagt der Wahl-Berliner Gian-Piero Ringel .

Stefan Gieren ist auch ohne die goldene Auszeichnung zufrieden. "Wir haben sehr hart für unseren Film gearbeitet und konnten einfach nicht verlieren", teilte Gieren der Presse aus Los Angeles mit. Die Nominierung für einen Oscar sei für ihn und die übrigen am Film Beteiligten die Krönung gewesen. "So freuen wir uns mit ,The Shore und den anderen Nominierten, die wir in den vergangenen Wochen ins Herz geschlossen haben." Seinem Kameramann Sin Huh und Regisseur Max Zähle genügt das Erreichte ebenfalls. "Wir sind an einem Ort, von dem jeder Filmemacher träumt - was will man mehr", findet Sin Huh.

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