Zuerst Zocker, dann Räuber?

Keine Woche ohne Raubüberfall auf eine Spielhalle? Fast scheint es so. Im Landkreis Göppingen häufen sich diese Verbrechen: 13 im letzten Jahr, schon zwei im neuen. Die Polizei ermittelt verstärkt.

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Spielhallen und Wettbüros sind in jüngster Zeit wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und jetzt scheint es so, als lockten sie nicht nur Spieler, sondern auch Ganoven an. Mittlerweile ist zu befürchten, dass sich im Kreis Göppingen ein Schwerpunkt herausbildet. Innerhalb eines Jahres wurden immerhin 15 Überfälle auf Spielhallen und Wettbüros gemeldet - neun davon in Göppingen, fünf in Geislingen, einer in Eislingen. Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten war bei der Polizeidirektion Göppingen eher bescheiden. Lediglich zwei Fälle gelten als geklärt. Einer betraf ein Wettbüro, zu dem fünf Tatverdächtige ermittelt werden konnten - der zweite bezog sich auf ein Spielcasino, bei dem drei Tatverdächtige aktenkundig wurden.

Die Beute in allen 15 Fällen lag zwischen 300 und 4500 Euro und summiert sich auf insgesamt 24 000 Euro. Die Räuber kamen meist in den Abendstunden (zwischen 20.50 Uhr und dem mitternächtlichen Betriebsschluss) oder gleich morgens, kurz nachdem die Spielhallen um 6 Uhr geöffnet werden.

Schon macht in Polizeikreisen eine flapsige Bemerkung über die Täter die Runde: "Die gleichen, die abends das Geld reinschmeißen, holens am Morgen wieder raus."

Dass mans mit organisierten Tätergruppen zu tun haben könnte, gilt inzwischen als ziemlich sicher. Vorgehensweisen und Videoaufnahmen lassen nach Angaben von Polizei-Pressesprecher Uli Sautter gewisse Gemeinsamkeiten erkennen - allerdings nicht in jedem Fall. Außerdem, so beklagt er, seien die Bildaufzeichnungen häufig sehr schlecht oder die Räuber vermummt. In einem sind sich die Ermittler einig: "Es ist sicher nicht der anständige Familienvater, dem es plötzlich einfällt, eine Spielhalle zu überfallen." Glücklicherweise wurde bei keinem der jüngsten Überfälle angestelltes Personal verletzt. Die Beschäftigten hätten stets besonnen reagiert, sagt Sautter - doch sei natürlich nie auszuschließen, dass auch einmal Schlimmeres geschehen könne.

Bei der Polizeidirektion Göppingen hat man inzwischen auf diese Überfall-Serie reagiert und den personellen Einsatz verstärkt. Die Häufung der Fälle im Filstal könnte nach Meinung Sautters darauf hindeuten, dass es sich um hier angesiedelte Täter handelt.

Allein in Geislingen waren Ende vergangenen Jahres zwölf Spielotheken registriert - mit zusammen 23 Spielhallen. Weil pro Raum nur maximal zwölf Geldspielgeräte stehen dürfen, wird meist zu einem legalen Trick gegriffen: Mithilfe eingezogener Trennwände entstehen separate "Hallen". Dies erklärt auch die Zahl der im Oktober registrierten 290 Geräte.

Das Aufsichtspersonal hat über Überwachungskameras meist jeden Winkel der Räume im Blickfeld. Doch die aufgezeichneten Bilder waren bisher bei der Fahndung nach Räubern wenig hilfreich.

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