Ziegenmilch für den Waschbären

Exot im Wohnzimmer: Jessica Süß päppelt zusammen mit ihrer Mutter einen Waschbärwelpen auf - ein Knochenjob, denn das Tier kennt keine Nachtruhe und will alle zwei Stunden gefüttert werden.

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Die elfjährige Jessica hat sich eines Waschbärenwelpen angenommen. Der Exot ist nicht gerade anspruchslos und hat großen Hunger. Foto: Staufenpress

Am anderen Ende der Leitung ertönte die besorgte Stimme einer Anwohnerin der Bartenhöhe, als Peter Arndt, der Leiter des Kreisjagdamtes beim Landratsamt Göppingen, vor einigen Wochen den Hörer abnahm. Sie berichtete von seltsamen Geräuschen, die vom Dachboden her zu ihr drangen. Ihrer Meinung nach konnte das Quäken und Fiepen nur tierischen Ursprungs sein. Arndt meldete sich daraufhin sofort bei Jörg Süß, dem Jagdpächter des Oberholzes - eben der richtigen Adresse für solche Vorfälle.

Als Süß eintraf, um dem mysteriösen Lärm auf dem Dachboden auf den Grund zu gehen, traute er seinen Augen kaum: Zwei Waschbärenwelpen hatten sich im Kamin verfangen und beklagten sich lauthals über ihre missliche Lage. "Die zwei waren sicher noch keine Woche alt, sie waren noch blind", erklärt der Waidmann. Ein Nest war nicht zu erkennen, Süß ist sich demnach sicher, dass die Kleinbären wohl in den Kamin gefallen sein müssen.

"Normalerweise bin ich diesen Tieren nicht sonderlich positiv eingestellt, sie können große Schäden anrichten, da sie Allesfresser sind", verrät der Jäger. Aber diesmal erinnerte sich Süß an die Worte seiner Enkelin Jessica: "Opa, wenn du mal einen Waschbären findest, dann bring ihn mir mit" - er tat ihr den Gefallen.

Nach einem Besuch beim Tierarzt, der den Waschbärenweibchen eine Impfung verabreichte, durfte die Elfjährige die beiden mit nach Hause nehmen.

Mittlerweile lebt nur noch eines der Tiere. "Der eine Welpe machte von Anfang an keinen guten Eindruck", erinnert sich Süß. Der andere ist aber wohlauf und wird nun alle zwei Stunden mit Ziegenmilch gefüttert, die die Waschbärin laut schmatzend hinunterschlingt. Doch das Aufpäppeln erweist sich als Knochenjob. Jessicas Mutter, Marion Unterberger, muss auch nachts raus, um den scheinbar unstillbaren Durst des Bärenkinds zu stillen.

Über die Zukunft des Wildtiers sind sich Süß und seine Enkelin noch uneinig: Während Jessica es gerne behalten würde, denkt der Jäger über eine Auswilderung nach.

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