Zerlina wird Giovannis Laute

Wer sich an der Bezeichnung "Meisterkonzert" orientiert und zumindest hie und da Konzertantes erhofft hatte, fand sich auf der falschen Spur. Mit "Don Giovanni à trois" war Musikkabarett angesagt.

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Auf die besondere Güte der Veranstaltung, die im Rahmen der Salzburger Mozartwochen 2006 aus der Taufe gehoben wurde, war im Vorfeld nachdrücklich hingewiesen worden. Und meisterlich - solcherart passte der Abend durchaus in die Konzertreihe des Kulturkreises Göppingen - agierten die drei Protagonisten in ihrer Version des mozartschen Dramma giocoso, dem sie nicht allein mit vertraulichem Augenzwinkern, sondern mit bisweilen überrumpelnder komödiantischer Lust an Spiel, Parodie und Travestie auf der nüchtern bildlosen und so für das Unterfangen bestens geeigneten Bühne zu Leibe rückten und auf den Grund gingen. Ihre spielerische Bravour, ihr stimmliches Vermögen, vor allem aber ihre musikalische Präsenz versetzte sie tatsächlich in die Lage, die gesamte Personage der Oper (den Chor inklusive) von zwei Komödianten darstellen zu lassen.

Der Kabarettist und Schauspieler Michael Quast war in fliegenden Wechseln bald der weibsgeile Titelheld, bald dessen aufmüpfig kuschender Diener Leporello (der allerliebst sächselte), dann der häufig desorientierte, noch dazu durch Regieanweisungen um seine bestens vorbereiteten Arien betrogene Don Ottavio, zuletzt auch der meist schweigende, bisweilen nur knurrend sich verlautbarende Masetto. Quasts Kollegin und Sängerin Sabine Fischmann verkörperte, mit atemberaubendem Tempo virtuos in den unterschiedlichen Charakteren changierend, die weibliche Dreieinigkeit: die Don Giovanni in verständnisloser Treue nachweinende Donna Elvira, die ob ihrer Verführung (?) nach Rache lechzende Donna Anna, das zu allem bereite DSDS-Girly Zerlina und - den rächenden Komtur. Der Dritte im Bunde war der allgegenwärtige Pianist, musikalische Leiter und Arrangeur Markus Neumeyer, der Mozart nie an billige Effekte verriet.

So verschlugss denn auch nicht, dass dieser musik-akrobatische Drahtseilakt sich nicht immer auf dem nämlichen geist- und gedankenreichen Niveau zu halten vermochte, sondern dann und wann auch die Niederungen des Klamauks streifte wie mit dem Running Gag des nächtlichen Käuzchen-Rufs und Katzen-Miaus. Denn dann setzte die Aufführung (Regie: Sarah Groß) noch eines drauf und rettete die Situation mit einem besonders pointierten Einfall: Etwa wenn Don Giovanni sein an die Zofe Elviras gerichtetes Ständchen auf der über seinen Knien liegenden, zur Laute umfunktionierten Zerlina zupfend begleitete, welche die ihrem Schoss entlockten Töne stimmlich und mimisch zu imaginieren hatte. Oder wenn sich die Töne zur letzten Mahlzeit des Titelhelden zu einem Streifzug durch die neuere Musikgeschichte gestalteten, ehe der "Frauenflüsterer" bei von einer Disco-Kugel durchblitztem Rotlicht final zur Hölle fuhr: "Also stirbt, wer Böses tat!"

Nach diesem witzig-eindrucksvollen Ende wollte auch der begeisterte Beifall kein Ende finden.

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