Wundersame Zirkuswelt

Eine tolle Tanz-Hommage an den Zirkus und eine dekorative Luftballon-Choreografie: Jubel für den "Wanderers & Lascia che accada" am Theater Ulm.

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Wabernder Nebel, wabernde Musik. Und dann tauchen Tänzer mit dunklen Luftballons auf. Eröffnungsfeiern von Sportereignissen beginnen so, und auch der Ulmer Ballettdirektor Roberto Scafati liebt große Bilder. Er setzt dafür in seinen Choreografien die Bühnenmaschinerie in Gang, bewegt Elementares (Regen, Sand) oder konfrontiert seine Compagnie mit Requisiten."Lass geschehen, was geschieht" - so lässt sich der Titel der Choreografie zu Musik von Philip Glass' Violinkonzert und anderen minimal-music-artigen Geigenklängen übersetzen. Festhalten, loslassen: Da passt der Luftballon natürlich perfekt metaphorisch für zwischenmenschliche Beziehungen. Und am Ende, klar: steigen die Luftballons unter sphärischer Musik in den Himmel auf. Jubel, aber der Höhepunkt des Ballettabends, der zunächst als "Lascia che accada & Wanderers" angekündigt war und dann den Titel drehte, findet vor der Pause statt. Giuseppe Spota schuf fürs Theater Ulm eine Uraufführung, die überregionale Klasse hat - und die auch die Qualität der zehnköpfigen, aber auf vier Positionen neu besetzten Ulmer Compagnie herausstellt. "Zirkus - eine lebensgefährliche Familie" überschreibt Spota die Fabel seiner "Wanderers"-Choreografie.

Auf eigentlich leerer Bühne siedelt Spota (auch für Bühne und Kostüme zuständig) seine poetisch-turbulente Tanz-Geschichte an. Aus der bunten Truppe ragt ein sympathischer Held heraus: ein verträumtes, sehnsüchtiges, ja liebenswert hilflos-unschuldiges Direktoren-Männlein (Lorenzo Angelini), das gewissermaßen durchs Leben balanciert. Eine Glühbirnen-Girlande sorgt für "La strada"-Atmosphäre, und sie wird für den Direktor im weißen Frack, der das Licht wunderlich ein- und ausknipst, zum tückischen Objekt. Giuseppe Spota vertanzt zu Musik von Steve Reich und anderer Minimal-Music nicht einfach die Zirkus-Welt. Er spielt damit: deutet an. Poesie, Artistik, Slapstick, Magie: alles da, aber leicht, mit Ironie, immer wieder überraschend und in sehr avancierter, origineller Bewegungssprache aufgerissen, auf den Punkt getanzt. Am Ende Riesenjubel für "Wanderers". Sehenswert!

Info Weitere Aufführungen: 20. und 25. November; 17. und 23. Dezember und 12. Januar. Theaterkasse: Telefon: (0731) 1 61-44 44.

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