Wüste Prügelei mit Neonazis vor Zirkus im Stauferpark

Unklar ist die Lage nach einer Massenschlägerei am Ostersonntag vor einem Zirkuszelt im Göppinger Stauferpark: Ein Rechtsextremist und mehrere Artisten wurden verletzt. Die Polizei verschweigt den Vorfall.

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Vor diesem Zirkuszelt im Stauferpark gab es eine Massenschlägerei mit Neonazis.  Foto: 

Es hätte ein entspannter Ostersonntag werden sollen. Im Göppinger Stauferpark gastierte der „Circus Belly Wien“, etliche Familie hatten sich auf den Weg gemacht, um die Manegenluft im bunten Zelt zu schnuppern. Doch daraus wurde nichts: „Ich war fassungslos und geschockt und für mich und meine Familie hatte sich der Zirkusbesuch erledigt, auf den wir uns eigentlich sehr gefreut hatten“, berichtet eine Frau. Statt Artisten mit Fackeln und Bällen gab es Neonazis mit Pfefferspray und eine wüste Massenschlägerei. Die Vorstellung wurde abgesagt.

Auch am Mittwoch noch war Luigi Zinnecker, Zeltmeister des Circus Belly Wien, fassungslos. „Es war ein großer Tumult“, berichtet er. Sechs bis sieben Rechtsextremisten hätten fünf Minuten vor Beginn der 11-Uhr-Vorstellung Artisten und Personal angegriffen und ihnen Pfefferspray in die Augen gesprüht. „Von unseren Artisten konnte sich keiner wehren, die lagen alle auf dem Boden“, erzählt Zinnecker. Die Aktivisten hätten zuvor Tierschutz-Flugblätter verteilt. „Wir haben nichts gegen Demos, aber das ist ein Skandal“, meint der Zeltmeister.

Unterdessen stellen die Neonazis ihre Aktion im Internet ganz anders dar. Sie seien zum Wohl der Tiere im Stauferpark gewesen, hätten Flyer mit der Aufschrift „Kein Applaus für Tierquälerei“ verteilt. Angemeldet und genehmigt war die Aktion allerdings nicht, wie Olaf Hinrichsen, Pressesprecher der Stadtverwaltung, betont.

Verantwortlich zeichnet die rechtsextreme Kleinstpartei „Der Dritte Weg“, die als Sammelbecken für Neonazis gilt. Anlass der Kritik waren die Wildtiere, unter anderem Elefanten, die in dem Zirkus auftreten. Rund 20 Mitarbeiter seien auf die Flugblattverteiler zugestürmt und hätten sie angegriffen, berichtet die Partei auf Facebook. Ein Mitglied des „Dritten Wegs“ liege nun mit zertrümmerter Augenhöhle und gebrochener Nase im Krankenhaus.

Das kann die Polizei so nicht bestätigen. „Der Dritte Weg war aktiv“, sagt zwar die Pressesprecherin vom zuständigen Polizeipräsidium Ulm, Claudia Kappeler. Auch sei ein Rechtsextremist verletzt worden, über die Schwere der Verletzungen sei jedoch nichts bekannt. Und: „Es wurden mehrere Zirkusmitarbeiter, deren genaue Anzahl wir noch nicht kennen, verletzt.“

Erst auf Anfrage bestätigte die Polizei die brutale Massenschlägerei. Die Zirkusbesucherin, die mit ihrer Familie vor Ort war, ärgert sich, dass „nicht einmal die Polizei es für nötig hielt, eine Pressemitteilung herauszugeben. Da hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, darüber informiert zu werden“. Kappeler sieht das anders: „Wir haben uns schlichtweg nicht erhofft, dass wir durch eine Pressemitteilung groß Zeugenhinweise bekommen.“ Erst kürzlich hatte einer ihrer Kollegen einer Göppinger Journalistin nach einem groß angelegten Rettungseinsatz, über den von der Polizei ebenfalls nicht berichtet wurde, beschieden: „Die Leute brauchen nicht alles zu wissen.“

Was nun genau im Stauferpark vorgefallen ist, wird vielleicht die Zukunft zeigen. „Wir sind mitten in den Ermittlungen, um herauszufinden, wer wen wie stark verletzt hat“, sagt Kappeler. „Wenn mehrere Personen beteiligt sind, dann dauert es immer, der Sache auf den Grund zu gehen.“ Zirkusmann Zinnecker berichtet, dass derzeit alle Mitarbeiter von der Polizei vernommen würden.

Die Neonazis nutzen unterdessen die Facebook-Seite des Zirkus’, um verbal weiter auszuteilen. „Asoziale“,  „Zirkuszigeuner“, „Tierquälerbande“ oder „verachtenswerte Minusmenschen“ sind nur einige der Beleidigungen, die von Seiten der Zirkusleute auch nicht gerade höflich erwidert werden.  „Der Dritte Weg“ will seiner neuerdings erwachten Tierliebe jedenfalls weiterhin nachgehen und droht schon mal: „Wir werden den Circus Belly Wien weiter im Auge behalten.“

Die Kriminalpolizei nimmt unter Telefon (0731) 1880 Hinweise von Zeugen entgegen. Wie die Polizei am Donnerstag angab, könnten bei der Schlägerei sogar mehr als fünf Personen beteiligt gewesen sein. Die Ermittlungen dauern deshalb an.

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