WMF-Betriebsrat: Befremden über Ehrenerklärung für Kreissparkasse

Mit Befremden hat der WMF- Betriebsrat die Ehrenerklärung des Kreistags für die Kreissparkasse Göppingen aufgenommen. Das Geldinstitut war an der Kreditvergabe an den Mehrheitsaktionär KKR beteiligt.

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Die Solidarität mit den Beschäftigten der WMF ist groß: Das kam auch bei der großen Protestaktion in Geislingen am 19. Juli zum Ausdruck.  Foto: 

"Das ist geradezu lächerlich, da winden sich einige Leute raus und wollen keine Verantwortung tragen." Jürgen Peters und seine Betriebsratskollegen von der WMF in Geislingen sind nicht gut auf die Kreissparkasse Göppingen zu sprechen. Die Arbeitnehmervertreter kreiden dem Geldinstitut an, dass es in einem Konsortium aus 20 Sparkassen mit einem 150-Millionen-Euro-Kredit dem US-Investor KKR den Kauf der WMF-Stammaktien finanziert hat. KKR will bei der WMF 700 Arbeitsplätze streichen - allein 500 in Geislingen. Dass sich der Kreistag hinter die Geschäftspolitik der Kreissparkasse gestellt hat, findet Peters "sehr seltsam".

Nach der immer lauter werdenden Kritik hatten sich die Kommunalpolitiker in nichtöffentlicher Sitzung von Kreissparkassenchef Hariolf Teufel über die Praxis der Kreditvergabe bei dem in Gewährsträgerschaft des Landkreises stehenden Geldinstitut informieren lassen. Soweit es das Bankgeheimnis zulässt, hatte Teufel auch Fragen der Kreisräte zu dem Geschäft mit KKR beantwortet.

Öffentlich hatte die regionale Bank zur Finanzierung des WMF-Deals bislang nur erklärt, sie sei ihrer Verantwortung als regional verankertes Kreditinstitut jederzeit gerecht geworden. "Wir vergeben unsere Kredite nach bestem Wissen und Gewissen", erklärte KSK-Pressesprecher Thomas Wolf. Bei der Vergabe großer Darlehen sitzen Kreisräte in ihrer Eigenschaft als Verwaltungsräte und Mitglieder des Kreditausschusses mit im Boot. "Der Kreistag ist der Auffassung, dass die Kreissparkasse ihrer regionalen Aufgabe in hervorragender Weise nachkommt", erklärte Landrat Edgar Wolff, nachdem sich Hariolf Teufel den Fragen der Kreisräte gestellt hatte. "Eine solche Aussage hat das Gremium sicher nicht leichtfertig getroffen", meint Pressesprecher Wolf. Damit jedoch hat der Kreistag keine konkrete Aussage zu dem Kreditgeschäft mit KKR gemacht.

Wie aus mehreren Quellen zu erfahren war, hat das Gremium einen von der Kreissparkasse in der öffentlichen Erklärung gewünschten Passus abgelehnt. "Ob das Kreditgeschäft mit KKR in Ordnung war, kann der Kreistag gar nicht bewerten", sagte ein Gremiumsmitglied. Sehr intensiv diskutierten die Bürgervertreter über die in dem Kreditvertrag mit dem US-Investor vereinbarten Standortgarantien, auf die die Kreissparkasse verwiesen hatte.

Standortgarantien im Kreditvertrag

Wie weit diese Standortgarantien gehen und wieweit sich KKR daran gebunden fühlt, wollte ein Sprecher des Investors nicht kommentieren. Auch in dem Angebot, das die KKR-Holding "Finedining Capital GmbH" jüngst den Besitzern von WMF-Vorzugsaktien unterbreitet hat, sichert der Investor zu, dass er nicht vorhabe, den Standort aus Geislingen zu verlegen. Weiter versichert die Bieterin, sie beabsichtige nicht, "auf den Vorstand dahingehend einzuwirken, dass dieser Maßnahmen ergreift, die sich auf die Arbeitnehmer, die Beschäftigungsbedingungen oder die Arbeitnehmervertretungen auswirken".

WMF-Betriebsrat Peters macht kein Hehl daraus, dass er es für "blauäugig" hält, auf solche Zusicherungen zu bauen und wirft den für die Kreditvergabe Verantwortlichen vor, diese nicht ausreichend hinterfragt zu haben. "Standortsicherung kann auch heißen, dass nur noch Vorstand und Verwaltung in Geislingen bleiben. Wir brauchen aber Beschäftigungssicherung und keine Verlagerung." Der Betriebsrat kündigte denn auch weitere Aktionen an, "bei denen auch die Kreissparkasse ins Visier genommen wird".

Auch den neuerlichen Aktienankauf, mit dem KKR mindestens 90 Prozent des WMF-Grundkapitals erreichen will und der rund 230 Millionen Euro kostet, finanziert der Investor mit einem Darlehen. Finanzier ist diesmal allerdings nicht die Kreissparkasse.

Die Taktik, den Kauf mit fremdem Geld zu finanzieren, ist für Jürgen Peters eindeutig: "KKR hat selbst eine gute Kapitaldecke, die Finanzierung geht auf Kosten der WMF." Erklärtes Ziel der KKR-Holding ist nämlich eine Verschmelzung mit dem Geislinger Traditionsunternehmen. "Die Schulden gehen dann auf die WMF über und die Beschäftigten zahlen die Zeche", sagt Peters. Nachhaltiges Wirtschaften sei nicht die Absicht des weltweit agierenden Investors: "Die ziehen fünf, sechs Jahre das Geld raus und verkaufen dann wieder."
 


Ziel: Vollständige Übernahme

Angebot Bis zum 11. August gilt das Angebot der KKR-Holding "Finedining Capital GmbH", WMF-Vorzugsaktien zum Preis von 53 Euro pro Aktie zu kaufen.

Ausgequetscht Der US-Investor will mindestens 90 Prozent des WMF-Grundkapitals erreichen, könnte dann die restlichen Aktionäre zum Verkauf zwingen (Squeeze out) und die WMF von der Börse nehmen. Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens geben in einer Stellungnahme zu der Offerte keine Empfehlung ab, das Angebot anzunehmen oder abzulehnen.

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