Wird das Abitur immer einfacher?

Seit einiger Zeit wird diskutiert, ob die allgemeine Hochschulreife an Niveau verliert. Ist das Abi weniger Wert als noch vor ein paar Jahren? Schulleiter aus dem Kreis Göppingen stellen sich diese Frage ebenfalls.

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War es früher schwerer, das Abitur zu erlangen? Diese Frage beschäftigt Schulleiter im Kreis Göppingen.  Foto: 

Obwohl sich Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich nicht verstecken muss, wird die Qualität der heutigen Hochschulreife diskutiert. Auch die Sinnfrage in Sachen G8-System für Gymnasien bekommt neue Nahrung.

Manfred Pohl, Leiter des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Göppingen, bestätigt die grundsätzliche Vermutung, dass das Abitur leichter geworden sei. Wobei es im Vergleich zu den vergangenen Jahren aus seiner Sicht anspruchsvoller war. Weiter sieht Pohl den Wert der Reifeprüfung einem Zerfall ausgesetzt. "Niemandem wäre gedient, wenn das Abi ganz wegfallen würde."

Aus Sicht des WHG-Rektors wäre es sinnvoll, einen "breiteren Standart zu definieren", der die Grundfähigkeiten der Schüler fördert. Trotzdem sei der Wettkampf unter den Bundesländern durchaus positiv zu bewerten, weswegen Pohl ein bundesweites Zentralabitur kritisch sieht.

Auch der Schulleiter des Erich-Kästner-Gymnasiums in Eislingen, Michael von Hagen, ist der Meinung, dass das Abitur wesentlich leichter sei als noch vor 20 Jahren. Der Grund hierfür ist aus seiner Sicht, dass "das Leistungskurs-Niveau nicht mehr erreichbar ist". Bei der Frage, ob das Regierungspräsidium bestimmte Vorgaben zu erfüllen habe, um das G8-System in einem besseren Licht erscheinen zu lassen, ist sich von Hagen sicher, dass dies nicht der Fall sei.

Jedoch wünscht er sich ein Bildungssystem, das vor allem das Niveau in den naturwissenschaftlichen Fächern fördert. Hauptsächlich seien die Universitäten die Leidtragenden, da sie gezwungen sind, Vorkurse anzubieten um den Leistungsabfall der Abiturienten zu kompensieren. "Das ist ein schlechtes Signal, wenn die Gymnasiasten kein Uni-Niveau mehr erreichen".

Als Beispiel nennt Rektor von Hagen den intensiven Gebrauch der graphischen Taschenrechner, der an Universitäten nicht zulässig ist. "Insgesamt ist der Weg zum Abitur leichter geworden", meint er. Zum einen sei dies durch die zahlreichen Bildungswege, die heutzutage zum Abi führen können, der Fall. Zum anderen werde in den niedrigeren Klassenstufen bei weitem nicht mehr so streng selektiert, wie noch vor einigen Jahren.

"Das Abi ist nur noch mit guten Noten etwas wert", meint Claudia Mack, stellvertretende Schulleiterin des Göppinger Freihof-Gymnasiums. Insgesamt hätten in diesem Jahr die Schüler in den Nebenfächern bessere Ergebnisse erzielt und das Deutsch-Abi sei aus ihrer Sicht im Vergleich zu der Prüfung im vergangenen Jahr schwerer gewesen. Das sei jedoch ihre subjektive Wahrnehmung, unterstreicht die stellvertretende Schulleiterin. Generell sieht Mack Probleme im Konzept des achtjährigen Gymnasiums.

Gerade weil sich die Schüler immer schlechter konzentrieren könnten, sei es entwicklungspsychologisch durchaus ein Vorteil, wenn die Kinder und Jugendlichen eine neunjährige Gymnasialzeit hätten. "Wenn es eine taktisch durchdachte Linie gibt und das System stimmt, ist das Zentralabitur in Deutschland sinnvoll." Allerdings müsse vor allem das vergleichsweise hohe Niveau in Baden-Württemberg erhalten bleiben.

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