Wie lautet der Wille des Patienten?

Dafür, dass Ethik und Moral bei wichtigen Entscheidungen für Patienten in den Kliniken des Landkreises im Blickfeld sind, gibt es an beiden Standorten in Göppingen und Geislingen aktive Ethik-Komitees.

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Unabhängig davon, wie viel Hoffnung es auf Heilung gibt, wollen und sollen Ärzte und Pflegende alles tun, was einem kranken Menschen hilft. Aber was ist "alles" und was kommt beim Patienten als "Hilfe" an? Wer entscheidet, wenn der Patient ohne Bewusstsein, ohne Kommunikationsmöglichkeit oder in seiner Entscheidungsfähigkeit stark eingeschränkt ist? Angehörige, Pflegende, Ärzte? Ist das Leben nach dieser oder jener Erkrankung noch lebenswert oder der Tod eine Erlösung? Was bedeutet Lebensqualität?

Seit 2004 wägen an der Klinik am Eichert 16 Frauen und Männer aus verschiedenen, auch medizinfernen Berufsgruppen ab, wie am ehesten im Sinne des Patienten entschieden werden kann. An der Geislinger Helfenstein-Klinik wurde im Jahr 2006 ein ebenso genanntes klinisches Ethik-Komitee einberufen. Hier beraten seither elf Frauen und Männer miteinander und geben, sofern ihr Rat angefragt ist, Handlungsempfehlungen.

Dr. Walter Schlittenhardt, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin an der Helfenstein- Klinik, und Dr. Christoph Grünwald, Facharzt für Innere Medizin und Oberarzt am Eichert, stehen den jeweiligen Ethik-Komitees vor. Sie berufen das Gremium ein, sobald grundsätzliche ethische Fragestellungen für das Krankenhaus auftreten, Pflegende, Mediziner oder Angehörige bei Entscheidungen individuelle Unterstützung wünschen, oder auch wenn niedergelassene Ärzte Rat einholen. So erarbeiteten die Komitees beispielsweise die grundlegenden Leitlinien der Kliniken zum Umgang mit schwerkranken und sterbenden Patienten. Ebenso helfen sie mit Empfehlungen für den Umgang mit Behandlungsfehlern und Komplikationen. Sie geben Anhaltspunkte zu Fragen der Therapiebegrenzung auf Intensivstationen und zum Umgang mit Patientenverfügungen. "Wir machen uns keine einzige Entscheidung leicht", betont Christoph Grünwald und erzählt von den ausführlichen Berichten und Einschätzungen der Beteiligten, die jeder Beratung vorweg gehen. Er beschreibt die oft stunden-, tage- oder wochenlangen Entscheidungsfindungsprozesse, die so gestaltet sind, "dass alle die Empfehlung mittragen können" - auch wenn längst nicht immer Einigkeit herrsche. Die Frage nach dem Sinn des Handelns steht kritisch immer mit im Raum, und alle Hinweise auf den Willen des Patienten werden in die Entscheidung einbezogen. "Patienten denken und empfinden oft ganz anders als Gesunde", wirft Walter Schlittenhardt ein und zeigt am Beispiel des prominenten unheilbar erkrankten Physikers Stephen Hawking auf, dass ein Mann, dessen Leben seit über 20 Jahren an den Apparaturen der Intensivmedizin hängt, nicht nur sein geniales Wissen vermitteln, sondern auch ausgesprochene Freude am Leben haben kann. "Unsere Sorge gilt in jedem Fall dem Schicksal des Einzelnen. Dabei möchten wir mitbedenken, das ein Verzicht auch Gewinn sein kann." Um besser mit Entscheidungen größter Tragweite umgehen zu können, nehmen die Komitee-Mitglieder an ausgesuchten Fortbildungen Teil und bieten ihrerseits Weiterbildung für die Mitarbeitenden der Klinken an.

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