Wie Julissa Rabel gegen ihre Leukämie kämpfte

Die 44-jährige Göppingerin Julissa Rabel hat dem Tod schon ins Auge geblickt. Doch eines ihrer vier Kinder hat ihr Knochenmark gespendet. Jetzt ist sie sehr zuversichtlich, die Leukämie besiegt zu haben.

|
Nach etlichen Chemotherapien sind Julissa Rabels Haare noch nicht wieder gewachsen. Der Lebensmut ist aber zurückgekehrt - und selbst die Orchideen blühen wieder.  Foto: 

Die Wochen um Weihnachten waren für Julissa Rabel eine Tortur. Während alle Welt die ruhige, friedliche Zeit genoss, kämpfte die 44-jährige Göppingerin in der Universitätsklinik in Ulm gegen ihre lebensbedrohliche Krankheit - und hatte schon nicht mehr an eine Heilung geglaubt. Jetzt aber, fast zwei Monate später, schöpft sie neue Hoffnung.

"Akute lymphatische Leukämie" - diese Schockdiagnose musste die vierfache Mutter vor etwa einem Jahr verdauen. Mit Hilfe der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) versuchte die lebenslustige Frau im Herbst, einen passenden Spender zu finden (wir berichteten). Viele Menschen aus dem Landkreis ließen sich typisieren. Und Julissa Rabel ist sehr dankbar für all die Hilfe, die sie in den vergangenen Monaten erfahren hat. Die Suche nach einem Lebensretter war zunächst aber erfolglos, denn die 44-Jährige lebt zwar schon seit 18 Jahren in Deutschland, ihre Wurzeln liegen aber in Peru. Unter Europäern ist für sie schwerer ein Spender zu finden. Und so zerschlug sich Anfang Dezember die Hoffnung, dass ein genetischer Zwilling in der Datei dabei ist. Aufgeben wollte Julissa Rabel aber nicht. Sie entschloss sich, von ihrer 19-jährigen Tochter ein Knochenmark-Transplantat anzunehmen - obwohl die Ärzte ihr offen sagten, dass das Risiko dann größer sein würde.

Dann kam schon der nächste Schock: Als die Patientin zur Transplantation kam, wurden wieder viele Leukämiezellen bei ihr entdeckt. Eine Transplantation war in diesem Zustand unmöglich. Völlig deprimiert war sie kurz davor, aufzugeben, weitere Therapien abzulehnen und zuhause noch möglichst viel Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Verzweiflung ergriff Julissa Rabel. "Ich war total am Boden."

Doch dann erwachte ihr Lebensmut wieder. Sie kämpfte weiter. Vor allem für ihre Kinder wollte sie weiterleben - und entschloss sich zusammen mit den Ärzten zu einer weiteren, extrem starken Chemotherapie, um einen Tag vor Weihnachten doch noch das neue Knochenmark eingesetzt zu bekommen. Es folgte eine weitere Chemo. Julissa Rabel musste entsetzlich leiden. Schwere Infekte und Entzündungen traten auf, die Mundschleimhaut war geschädigt. Eine Woche konnte sie nichts essen und trinken. Sie musste künstlich ernährt werden und war körperlich völlig fertig. Immer mit dem Gedanken an ihre Familie, hielt sie tapfer durch. "Ich hatte große Angst, aber immer auch Hoffnung und konnte mich an meinen Glauben festhalten", sagt die Patientin über diese Zeit.

Vor wenigen Wochen überbrachten ihr die Ärzte dann die erlösende Nachricht: Es wurden keine Leukämiezellen mehr nachgewiesen. Inzwischen sind die Akutfolgen der Transplantation abgeklungen. Seit einigen Tagen ist Julissa Rabel wieder zuhause in ihrer Wohnung in der Göppinger Nordstadt. Dennoch ist sie alles andere als fit. Sie zittert noch, jede Stufe fällt ihr schwer. Die Haare sind weg. Andere Komplikationen müssen behandelt und ihr Zustand kontrolliert werden. Das bedeutet häufige Fahrten in die Uniklinik.

Doch in der übrigen Zeit kann die mittlerweile allein erziehende 44-Jährige endlich wieder für ihre Kinder da sein: Der 14-jährige Sohn und die 19-jährige Tochter leben noch zuhause. Die älteste, 24-jährige Tochter, ist besonders auf ihre Hilfe angewiesen: Sie hat seit der Grundschulzeit eine schwere Behinderung, muss über eine Sonde ernährt werden, kann nicht sprechen, nicht sitzen oder gehen. Aus einem Heim, in dem die Tochter während Julissa Rabels akuter Krankheit lebte, holte sie die pflegebedürftige Tochter wieder heim - auch wenn sie für die Betreuung ordentlich drauf zahlen muss. Die Kasse erstattet nur einen Teil der Kosten.

Die Orchideen, die Julissa Rabel in ihrer Küche hegt, ließen die Köpfe hängen, als sie Anfang Dezember ins Krankenhaus ging. Jetzt, bei ihrer Rückkehr, stehen sie in Blüte. Das deutet die sympathische Frau als einen Wink des Schicksals, als ein weiteres Zeichen der Hoffnung, dass sie auch in den kommenden Monaten von der heimtückischen Krankheit verschont bleibt. Das Leben ist zurückgekehrt.


Wer Julissa Rabel und ihre Kinder direkt finanziell unterstützen will, kann eine Spende auf ihr Konto mit der Nummer 29 06 83, Kreissparkasse Göppingen (BLZ 610 500 00) überweisen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Peinlicher Schimmel im Käsekuchen

Ein Bäckermeister muss sich vor Gericht wegen eines mysteriösen Myzels in einem Kuchenstück verantworten. weiter lesen