Wenn der Tod am Fenster lauert

Wer kennt es nicht: Aufgeschreckt von einem Knall blickt man zum Fenster - ein Vogel ist dagegen geflogen. Die Überlebenschance ist meist gering. Sind die Tiere nicht sofort tot, erledigen Katzen oft den Rest.

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Glasscheiben können für Vögel zur tödlichen Gefahr werden. Die Tiere erkennen die Scheiben nicht als Hindernis und fliegen dagegen. Eine Aktion des Nabu Göppingen will jetzt bei einigen Neubauvorhaben vogelschützende Maßnahmen ergreifen. Foto: Giacinto Carlucci

Jedes Jahr finden Millionen Vögel ihren Tod an Fensterscheiben. Naturforscher gehen davon aus, dass europaweit täglich 240 000 Tiere daran verenden. Dass man dem Sterben nicht tatenlos zusehen muss, weiß Dr. Wolfgang Rapp, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Göppingen. Er erklärt, wie der Verein gegen den sogenannten Glastod vorgeht und gibt Tipps, was man in den eigenen vier Wänden tun kann: "Fensterglas stellt aus verschiedenen Gründen eine Gefahr für Vögel dar. Zum einen wird darin die umgebene Landschaft gespiegelt, was auf die Vögel anziehend wirkt. Zum anderen erkennen sie die Scheiben nicht als Widerstand, sondern halten das Glas für freien Luftraum."

Nun will die Nabu-Gruppe Göppingen mit verschiedenen Projekten die Gefahr für die Tiere entschärfen. Rapp nimmt gleich vorweg: "Aufgeklebte Greifvogel-Silhouetten sind nahezu ohne Wirkung. Die Vögel nehmen sie bestenfalls als Hindernisse wahr, versuchen ihnen auszuweichen und fliegen trotzdem gegen die Scheibe."

Einen viel größeren Erfolg verspricht er sich von entspiegelten Scheiben, die umliegendes Gelände kaum reflektieren und somit auch von Vögeln erkannt werden. "Die beste Methode, die Vögel vor einem Zusammenstoß zu bewahren, ist, Glasscheiben mit Punkten oder einem Siebdruck-Muster zu bekleben", erklärt Rapp und fährt fort: "Sobald Vögel eine Scheibe als Objekt erkennen, weichen sie zu 90 Prozent aus." Der Abstand zwischen den Punkten sollte dabei nicht mehr als eine Handbreite betragen, da die Vögel sonst den Eindruck gewinnen, sie könnten dazwischen hindurch fliegen.

Rapp nennt auch eine weitere Möglichkeit des Vogelschutzes: Die Firma Arnold Glas aus dem Remstal stellt die sogenannten Ornilux-Fenster her, die ein spezielles Geflecht im Innern haben, welches nur von Vögeln wahrgenommen werden kann. Laut Rapp ist das System leider noch nicht völlig ausgereift: "Ein Drittel der Vögel fliegt trotzdem gegen die Scheiben. Darum sollte man, wo es möglich ist, Siebdruck anbringen." Auch bedauert der Vogelschützer, dass es derzeit keine Vorschriften für Verglasungen an Bauwerken gebe. Die Nabu-Gruppe hat zur Zeit deshalb alle Hände voll zu tun: "Gerade werden in der Umgebung drei verschiedene Projekte an potenziellen Gefahrenstellen angegangen", sagt Rapp.

Das wohl aufwändigste findet sich inmitten der Stadt Göppingen: Der zehngeschossige Kreissparkassenturm soll rundum verglast werden. Optisch ein wahrer Hingucker, stelle die Verkleidung für Vögel eine große Gefahr dar, meint Wolfgang Rapp. Darum traf er sich im März vergangenen Jahres mit Vertretern der Bank, um ihnen den Vorschlag zu unterbreiten, Ornilux-Fenster für die Verkleidung zu benutzen. Die Mehrkosten würden sich auf 400 000 Euro belaufen: "Der Nabu-Göppingen ist schon seit einem Jahr in gutem Gespräch mit der Kreissparkasse, und in der Vergangenheit wurden schon viele Anregungen umgesetzt", lobt Rapp die Bank.

Weitere vogelfreundliche Maßnahmen will der Nabu an Buswarte-Häuschen mit Klarglas-Scheiben treffen. In Hohrein beispielsweise findet sich so eine: "Mich haben schon einige Passanten angerufen, weil sie dort tote Vögel aufgefunden haben", sagt Rapp bedrückt. An den Scheiben soll nun Siebdruck oder Folie angebracht werden, um die Durchsicht zu verhindern.

Sorgenvoll blickt der Vogelschützer auch der neuen Berggaststätte auf dem Hohenstaufen entgegen: Auch dort sollen große Glasscheiben eingebaut werden. "Die Gegend ist eine bedeutende Naturlandschaft und Heimat von vielen, teils bedrohten Vogelarten", gibt Rapp zu bedenken. Bei einem Treffen im letzten Herbst, bei dem auch Göppingens Oberbürgermeister Guido Till dabei war, machte Rapp deshalb den Vorschlag, auch dort vogelfreundlich zu bauen. "Ansonsten wird das Gebäude die prädestinierte Todesfalle."

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