Wenn das Geld von Hoeneß eingetroffen ist ...

27, 2 Millionen Euro - diese Summe hat FC-Bayern-Boss Uli Hoeneß laut eigenem Eingeständnis an Steuern hinterzogen. Für das Geld, das der Gemeinschaft zusteht, gäbe es hier genug Verwendung.

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Selbst für einen Uli Hoeneß sind 27,2 Millionen Euro ein Haufen Geld. So könnte er davon seinem Kumpel, dem Bayern-Vorstandschef und wegen Steuerhinterziehung vorbestraften Uhrensammler Karl-Heinz Rummenigge, immerhin 544 Rolex-Uhren kaufen. Wenn er das wollte. Und könnte. Kann er aber nicht, da diese Summe ja dem Staat gehört und Uli Hoeneß das Geld der Gemeinschaft vorenthalten hat. Welche Folgen das noch für ihn hat, wird wohl heute das Münchner Landgericht entscheiden.

Anstatt 544 Rolex-Uhren zu kaufen, ließe sich das Geld auch sinnvoll im Landkreis Göppingen anlegen. Beispiel Straßenbau: Das neue Teilstück der B 466 rund um Süßen ist auf 11,4 Millionen Euro veranschlagt. Der B-10-Ausbau bis hinter Gingen soll 15,7 Millionen kosten - macht zusammen 27,1 Millionen Euro. So blieben also von den Hoeneßschen Steuermillionen noch 100.000 Euro übrig, genug, um an der B 10 einen Parkplatz zu bauen. Der könnte dann auch Uli-Hoeneß-Parkplatz heißen. Unklar ist nur, ob der reuige Steuerzahler zur Einweihung kommen könnte, siehe oben. Das hängt vom Landgericht ab.

Wunschzettel ist lang

Für den Eislinger Oberbürgermeister Klaus Heininger wäre der Steuersegen des Wurstfabrikanten ein willkommenes Geschenk: "Sie wollen 27 Millionen parken? Das hören wir gern!" Die 11,3 Millionen für den Rathausneubau seien zwar schon finanziert, doch der Eislinger Wunschzettel ist lang: "Wenn das Geld von Hoeneß eingetroffen ist, bauen wir sofort die Mühlbachtrasse", verspricht Heininger. Zehn Millionen sind hier veranschlagt. Die neue Hirschkreuzung werde dann auch umgehend in Angriff genommen (zwei Millionen), im gleichen Aufwasch wird dann auch das komplette Radwegenetz ausgebaut (1,5 Millionen).

Für fünf Millionen will Heininger dann noch das Hallenbad ausbauen und sanieren, eine weitere Million fließt in die Erweiterung des Stadthallen-Foyers. Der OB hat mit beiden Händen in die Wunschkiste gegriffen - doch die Hoeneß-Millionen wären noch immer nicht ausgegeben, Zwischenstand: 19,5 Millionen Euro. Also legt das Stadtoberhaupt noch einen drauf: Zehn Jahre gehen die Kleinsten kostenlos in die Eislinger Kindergärten. So viele Wohltaten mit dem hinterzogenen Geld eines einzigen Steuersünders.

Den Radfahrern wäre gedient

Raum für Wunschkonzerte gibts hingegen beim Landkreis nicht mehr. "Das Geld könnte man sicher gut gebrauchen", meint Landrats-Stellvertreter Ulrich Majocco. "Denken Sie nur an den Krankenhaus-Neubau." Der ist zurzeit mit 347 Millionen Euro veranschlagt. Da würden selbst die Hoeneß-Steuern nicht groß weiterhelfen.

Aber den Radfahrern wäre gedient: 20 Millionen Euro will das Land dieses Jahr in die Infrastruktur der Radwege stecken, 850.000 soll der neue Radweg von Hattenhofen nach Schlierbach - ein "Leuchtturmprojekt" - kosten.

Doch das Geld von Uli Hoeneß wird in Schäubles Kasse landen. Ansonsten hätte OB Heininger schon eine gute Idee gehabt: "Wenn man sich dafür bewerben könnte, würde ich das Schreiben heute noch verschicken."

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