Weltkulturerbe in der Oberhofenkirche

Ein Großereignis erlebten die Besucher in der Oberhofenkirche. Im Rahmen des Sommerfestivals Schloss Filseck war Monteverdis Marienvesper zu hören.

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Der Kammerchor Capella Nova und das Kammerorchester Nota Cambiata waren die Ausführenden der Marienvesper von Claudio Monteverdi, dieses Meilensteins der Musikgeschichte. Als Solisten waren fünf Künstler gewonnen worden: Gundula Peyerl und Claudia Auf der Maur (Sopran), Hans Jörg Mammel und Hubert Mayer (Tenor) sowie Michael Roman (Bariton).

Eine „Vesper“ bedeutet das regelmäßige Abendgebet in der katholischen Kirche. Soweit erschien in diesem Konzert alles „normal“. Dieses Werk ist aber etwas Einzigartiges in der europäischen Musikgeschichte: Es entstand am Übergang von der Renaissance zum Barock. Das ist so, wie wenn ein Vulkan an der Grenze von zwei Kontinentalplatten ausbricht. Altes und Neues mischt sich auf revolutionäre Weise!

Der musikalische „Vulkanausbruch“ Monteverdis bestand darin, dass er nicht nur hochkomplexe, vielstimmige Musik erfand, sondern – damals unerhört modern – in verständlichen Texten bestimmten Gefühlen wie Trauer, Freude und Schmerz, sogenannten Affekten, unmittelbar zum Ausdruck verhalf. Dabei waren die schlanken, klaren Stimmen von Sopran und Bariton ideal.

Und bis in extreme Koloraturen gesteigert und durch Echo-Effekte erweitert sangen die beiden Tenöre souverän in den zahlreichen „Concerti“ kleine Dramen der menschlichen Seele. Dabei bot die Continuo-Gruppe, erweitert durch eine Theorbe, das klangliche Fundament. Das war ohne Zweifel eine fulminante Leistung. Die sehr präsenten Blechbläser setzten ihrerseits klangliche Akzente, wobei sie gegen Ende noch mehr auf die Balance zu den Solostimmen hätten achten können.

Selbst die hohen Streicher konnten sich ab und zu, die Koloraturen aufnehmend, solistisch einbringen. Dem allem setzte der Chor dann noch die Krone auf. Aufgefächert bis in einen zehnstimmigen (!) Doppelchor bestand er die rhythmisch äußerst heiklen Taktwechsel mit Bravour.

Die Psalmvertonungen hatten es in sich: Da ging es vom jubelnden Gotteslob bis zu recht martialischem Siegesjubel durch Hoch und Tief. Respekt auch vor dieser Chorleistung, die große Kondition abverlangte. Dank an alle Mitwirkenden für die Darbietung eines eindrücklichen, musikalischen Großereignisses.

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