Welt des Löwenmenschen

Vor 40 000 Jahren hat jemand auf der Schwäbischen Alb eine menschenähnliche Figur geschnitzt, auf deren Körper der Kopf eines Höhlenlöwen sitzt. Eine Ausstellung im Ulmer Museum beleuchtet jene Zeit.

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Wie muss man sich die Alb vor etwa 40 000 Jahren vorstellen? In welcher Welt lebten die Menschen, die auf die Idee kamen, Löwenmenschen zu basteln? Diesen Fragen sowie der Fund- und Forschungsgeschichte geht die Ausstellung "Die Rückkehr des Löwenmenschen" nach, die das Ulmer Museum bis 9. Juni zeigt. Vom Löwenmenschen ist beim Betreten der Ausstellung nichts zu sehen. An den Wänden beeindrucken große Tableaus des Fotografen Helmut Schlaiß vom winterlichen und daher eiszeitlich wirkenden Lonetal. Rechterhand glänzen bräunlich drei Totenschädel, links droht der eines Höhlenbären. Und unmittelbar über der Nase der Eintretenden verrät ein Schriftzug, dass die Schwäbische Alb das Eldorado der Steinzeitforscher ist.

Wer sich schon mal gefragt hat, warum die weltweit ältesten vollplastischen Kunstwerke der Menschheit ausgerechnet auf der Schwäbischen Alb entdeckt wurden, findet hier eine der möglichen Antworten: Auf der Alb wird eben schon seit dem 19. Jahrhundert heftig geforscht. Dabei kam im Jahr 1861 jener respekteinflößende Höhlenbären-Schädel ans Tageslicht - und zwar im Hohlenstein im Lonetal, der deswegen auch "Bärenhöhle" heißt. Ein paar Meter weiter östlich liegt der Hohlenstein-Stadel, in dem 1939 und von 2009 bis 2011 die Fragmente des Löwenmenschen ausgegraben wurden.

Immer wieder zeigen sich Leute irritiert, dass der Löwenmensch keine Mähne hat. Ist es doch ein Löwinnenmensch? Nein. Der Höhlenlöwe, dessen mächtiger Schädel mit den riesigen Eckzähnen ebenfalls präsent ist, war größer als der heutige Löwe - und hatte keine Mähne. Auch in der Höhle des Löwenmenschen wurde ein Stück Höhlenlöwe gefunden, das nun in einer der Vitrinen ruht: ein Unterkiefer. Das dazugehörige Tier hatte lange vor dem Eiszeitkünstler gelebt.

Vom Höhlenlöwen sind es nur noch ein paar Schritte bis zum eigentlichen Star der Ausstellung, dem Löwenmenschen. Erstmals hat er, seit er aus dem Hohlenstein-Stadel geborgen wurde, wieder einen Raum ganz für sich allein. Das fördert die Andacht, welche die Besucher ihm entgegenbringen. Wer ihn noch in seinem Zustand vor der jüngsten Renovierung 2012/2013 kennt, findet ihn etwas größer und kräftiger. An Größe und Statur hat er zugenommen, weil ihm bei der Renovierung die jüngst im Hohlenstein-Stadel gefundenen weiteren Bruchstücke hinzugefügt wurden.

Der älteste menschliche Knochenrest der Ausstellung stammt vom Oberschenkel eines Neandertalers, der bis zu 80 000 Jahre alt sein könnte. Erst danach, vor 60 000 Jahren, erreichte die Würm-Eiszeit ihren Höhepunkt. Dem folgte wieder eine mildere Phase, in welcher der moderne Mensch vor etwa 40 000 Jahren die Alb besiedelte.

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