Weizenglas voll Wibele

Eine gelungene Premiere des ersten Poetry-Slam s "Wibele & Worte" feierte das Jugendkultur-Café im CVJM-Haus. Ob Routiniers oder Nachwuchs-Slammer, die Mischung passte.

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Nikita Gorbunov ist schon eine Größe in der Slammer-Szene. Beim Poetry-Slam im Jugendcultur-Café "Bonis" in Göppingen spielte er den Appetitanreger, bevor die Poeten in den Wettstreit traten. Foto: Sabine Ackermann

"Der Raum platzt aus allen Nähten, wir sind überwältigt von der Resonanz", freut sich Diakon und Sozialpädagoge Gernot Zöller, der seit Herbst 2010 im Jugendkultur-Café "Bonis" den Neuaufbau der kirchlichen offenen Jugendarbeit beim CVJM vorantreibt. So sorgte auch der erste Poetry-Slam "Wibele & Worte" für frischen Wind in der hiesigen Kulturszene, der zukünftig viermal pro Jahr durchs Dietrich- Bonhoeffer-Haus wehen soll. Poetry-Slam, sinngemäß Dichter-Wettstreit, ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem Jedermann und -frau einen selbst geschriebenen Text innerhalb eines Zeitlimits dem Publikum auf individuelle Weise ohne Requisiten oder Kostüme vorträgt. Die Zuhörer küren anschließend den Sieger. Moderator und Slam-Master Robin Mesarosch gab Schützenhilfe, führte locker durch die dreistündige Veranstaltung und begrüßte Profis gleichermaßen wie den aufgeregten Nachwuchs, letzterer spätestens am zitternden Zettel in der Hand erkennbar.

Appetitanreger und "Special Guest" Nikita Gorbunov baggerte mit seiner "Ton-Wundermaschine" zuerst die Mädchen in der Disko an, suchte hernach sein Glück im Zoo und überzeugte anschließend als sanfter Liedermacher auf seiner Gitarre. Nicht leicht für Jaqueline Probian, die als einziges Mädchen von neun Teilnehmern gleich als Erste mit ihrem ernsten Gedicht "Die Sachlichkeit der Einsamkeit" Premiere feierte, ebenso wie der in Göppingen aufgewachsene "Müsli". Doch alle Poeten erhielten die Gunst des Publikums. Egal ob Gedicht, Rhymes, Wortkunst oder Erzählungen, ganz gleich ob vom zerknitterten Zettel abgelesen oder auswendig mit festem Blick vorgetragen, egal ob theatralisch, laut, leise, monoton - Albernes trifft auf Erhabenes, und fast immer sind die Worte scharf und doch voller Humor und treffen den Zeitgeist des bunt gemischten Publikums.

Am Ende entschieden die Wibele: Die meisten davon legte das Publikum in das Weizenglas von Philipp Ziem aus Stuttgart, der damit Sieger wurde. Er ist mitsamt seinem Bollerwagen "für alles dafür", weil es besser ist, als immer dagegen zu sein, er plädiert für Effi Briest auf RTL 2 und hat nach schlimmer bebrillter Kindheit ein Faible für modische Augengläser.

Info Der nächste Poetry-Slam findet am 18. Mai um 20.30 Uhr statt. Im Hinblick auf die wöchentliche Öffnungszeit dienstags von 20 bis 22 Uhr, sucht das Jugendkultur-Café noch dringend ehrenamtliche Unterstützung. Näheres unter www.cvjm-gp.de/offenearbeit oder E-mail an: gernot.zoeller@cvjm-gp.de

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