Wege aus dem Nachwuchsmangel

Der Hotel- und Gaststättenverband hat Nachwuchssorgen: An der Fachschule in Bad Überkingen brechen die Schülerzahlen ein.

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"Wir machen uns schon sehr lange Sorgen", berichtet der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Hans-Ulrich Kauderer aus Bad Boll. Die demographische Entwicklung läuft gegen die Gastronomie und Hotellerie. Der Schülerberg war gestern - jetzt nehmen die Jahrgänge der Schulabgänger beängstigend ab. Und um den schrumpfenden Schülerpool reißen sich auch andere Branchen, die in der Gunst junger Leute höher stehen. Wie die Metall- und Elektroindustrie.

An der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Bad Überkingen hat das gewaltig durchgeschlagen. Die Schülerzahl ist von 2371 im Jahr 2008 auf aktuell 1630 abgestürzt. Schulleiterin Elke Suhlry-Brandner hofft, dass der Trend gestoppt ist. Für das nächste Schuljahr erwartet sie eine Stabilisierung auf 1650 Schüler. Genaueres wisse man erst im Mai/Juni.

Für die Schulleiterin ist "Kreativität angesagt". So einfach dürfe man sich nicht in das Schicksal der Demographie ergeben, es bedürfe neuer Anstrengungen. Ihr Ansatz: Den zunehmend höherqualifizierten Schulabgängern mehr zu bieten. Ihre Schule führt bereits ein Berufskolleg für Azubis mit mittlerem Bildungsabschluss und Ausbildungsgänge für Abiturienten. Man könne auch dran denken, mit der Fachschule ein Studium zu verbinden. Dann hat der Absolvent neben seinem Beruf einen Bachelor oder Master-Abschluss. So wie das Berufskolleg jetzt schon die Fachhochschulreife ermögliche. Anderswo werde das schon praktiziert, sagt Suhlry-Brandner.

Junge Leute drängten in akademische Berufe

Die wachsende Zahl der Abiturienten ist auch schon eine Verschiebung zuungunsten der Hotel- und Gastronomie, merkt Suhlry-Brandner an. "Früher waren 20 Prozent eines Jahrgangs Abiturienten, heute sind es die Hälfte." Die jungen Leute drängten verstärkt in akademische Berufe. Die Schulleiterin will das nicht in Frage stellen - "das ist ein Bildungsziel der Politik". Wichtig sei, wie man darauf reagiere.

Was Suhlry-Brandner außerdem nachdenklich macht: "Die junge Generation tickt anders, sie hat ihre Vorstellung von Life-Balance." Die jungen Leute wollten nicht nur malochen, sondern Beruf, Freizeit und Familie unter einen Hut bringen. Der Beruf solle auch Spaß machen. Für Suhlry-Brandner heißt das: Mehr Teilzeit anbieten, mehr flexible Arbeitszeiten. Das müsse machbar sein, sagt sie, und werde teilweise auch schon umgesetzt.

Um den Bestand ihrer Schule sorgt sich Suhlry-Brandner nicht. Die habe den Schülerberg mit provisorischen Anbauten bewältigt und sei jetzt wieder bei ihrer Normalgröße, habe sogar noch eine Wanderklasse. Lehrer müsse man nicht entlassen - der Abbau erfolge über die Pensionierung. Suhlry-Brandner geht selbst Ende des Schuljahres in Rente.

Der Dehoga-Kreisvorsitzende Kauderer sieht einen Lehrlingsmangel auf seine Branche zukommen, den man nur mit Zuwanderung lösen könne. Sprich: Qualifizierte Schulabgänger aus Europa nach Deutschland holen. Das sei vergangenes Jahr angelaufen, über die Agentur für Arbeit, noch auf ganz kleiner Flamme. "Ein toller Ansatz, wir unterstützen das nach Kräften."

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Kommentare

06.02.2014 09:36 Uhr

Mangel

Warum kommt niemand auf die Idee den Leuten einen Lohn zu bezahlen der ein Leben nach der Ausbildung möglich macht ohne an der Armutsgrenze zu Leben.
Aber klar wie kann man das Fragen Fachkräfte aus dem Ausland sind ...
... bereits Ausgebildet also spart man sich diese Kosten und stiehlt sich hier aus der Verantwortung
... arbeiten für ein paar Euro weniger somit wandert mehr Euro in die Taschen der Arbeitgeber
Wir sehen es ist in jeder Branche das gleiche! Die Geldgier geht vor Verantwortung / Fürsorgepflicht.

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