Weg für Gutachten ist frei

Da beißt die Maus keinen Faden ab: Ein Baumwipfelpfad würde mehr Verkehr nach Wiesensteig bringen. Ein Fachbüro schaut sich nun die Situation an und erarbeitet ein Konzept. Ein Ergebnis soll im Juli vorliegen.

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Ein Blick in die malerische Ortsmitte von Wiesensteig. Die Bürger befürchten, dass durch den geplanten Baumwipfelpfad die Stadt dem Verkehr nicht mehr Herr werden könnte. Ein Gutachter soll jetzt ein Konzept erarbeiten. Foto: Giacinto Carlucci

Die Verkehrsbelastung und damit verbunden das Parkproblem kristallisieren sich mehr und mehr als Knackpunkt heraus, wenn es um den Bau des geplanten Baumwipfelpfads bei Wiesensteig geht. Landrat Edgar Wolff beschwor daher gestern die Kreisräte regelrecht, grünes Licht für eine "objektive Studie" zu geben. Mit Erfolg: Nach langer Diskussion stand schließlich ein einstimmiger Beschluss. Die Bürgervertreter im Ausschuss für Umwelt und Verkehr beauftragten die Verwaltung, ein Gutachten an ein externes Büro zu vergeben. Diese Fachleute werden die Verkehrs- und Parkproblematik unter die Lupe nehmen und Lösungsvorschläge erarbeiten. Mit im Boot sind auch die Projektgegner. Sie können mitbestimmen, welche Kriterien den Gutachtern an die Hand gegeben werden. Zudem sollen die Kritiker auch bei der Auswahl des Büros mitentscheiden, "um so die Akzeptanz der Ergebnisse auf beiden Seiten sicher zu stellen", unterstrich der Landrat. Die Studie kostet den Landkreis etwa 15 000 Euro und soll "zeitnah" auf den Weg gebracht werden, kündigte Wolff an. Mit einem Ergebnis wird Mitte Juli gerechnet.

Jörg-Michael Wienecke, Verkehrsplaner im Landratsamt, gab Denkanstöße, die in die Überlegungen einbezogen werden sollten. "Wir wollen für Spitzenzeiten gewappnet sein", unterstrich er - also für die Tage, an denen bis zu 4000 Besucher den Baumwipfelpfad ansteuern würden. Daher seien bis zu 650 Parkplätze sinnvoll, "auch um wildes Parken zu vermeiden". Ein Shuttle-Bus könnte die Touristen von dezentralen Parkplätzen zum Wipfelpfad bringen, außerdem müsse die ÖPNV-Anbindung stärker vernetzt werden. Auch ein elektronisches Verkehrs- und Parkleitsystem sei zu überlegen, sponn Wienecke den Faden weiter. Wichtige Schritte seien in naher Zukunft Verkehrszählungen, um auf der Basis aktueller Daten argumentieren zu können. Ein Arbeitskreis soll den ganzen Prozess begleiten.

Danach hatten die Kreisräte das Wort. Doch bevor sie in die Debatte einstiegen, mussten sie über ein beantragtes Rederecht der Projektgegner, die mittlerweile im Gewerbe- und Fremdenverkehrsverein Wiesensteig organisiert sind, beschließen. Johannes Ege wurden letztlich fünf Minuten eingeräumt. Der Kritiker, Wiesensteiger und Autobahnpolizist in Mühlhausen, zeigte Bilder von verstopften Straßen in seinem Ort und brachte die Sorge zum Ausdruck, dass die Stadt im Verkehr ertrinken werde, sollte der Baumwipfelpfad kommen. Vor allem an Tagen, an denen Autofahrer dem Stau auf der A8 ausweichen und die Landstraßen nutzen. Ege redete wie ein D-Zug, um möglichst viel in fünf Minuten loszuwerden, wurde aber von Landrat Wolff immer wieder ermahnt, zum Ende zu kommen.

Dass mehr Verkehr kommen würde, stellte gestern niemand in Abrede. "Es geht uns ja darum, die Belastungen zu reduzieren. Das haben wir ja noch lange nicht ausdiskutiert", betonte Wolff, der genauso wie die Kreisräte die Bedenken der Bürger auch nicht wegdiskutieren wollte. In mehreren Wortmeldungen wurde deutlich, dass den Kommunalpolitikern viel daran liegt, die Gegner einzubinden, den Prozess transparent zu gestalten und sukzessive alle strittigen Fragen zu klären. Peter Feige (SPD) wünschte sich dabei eine "Versachlichung der Diskussion" und erntete Zustimmung von seinen Kollegen.

Klar wurde gestern Nachmittag auch: Die Mehrheit im Ausschuss konnte einem Baumwipfelpfad durchaus etwas abgewinnen - vor allem nach der Besichtigung eines solchen Projekts in Neuschönau. "Ich spüre derzeit eine vorsichtige positive Meinung", brachte es Feige auf den Punkt.

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