Was verbirgt sich hinter dem Schleier?

Wenn am Freitag mehr als 20 Künstler ihre Ateliers öffnen, ist auch Sibylle Burr dabei. Sie setzt sich mit den fundamentalen Fragen des Lebens auseinander.

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Große Fenster in einem Saal einer ehemaligen Miederfabrik lassen in der Marstallstraße viel Licht ins Atelier von Sibylle Burr ein. In großen Regalen hat sie hier im Göppinger Norden die vielen Alltagsgegenstände und Fundstücke geordnet, die in ihren Installationen und Performances neue Bedeutung erlangen, überraschende Inhalte transportieren. Dabei geht es der Holzhäusenerin immer um „Lebens- und Sinnfragen“. Schon früh war sie mit Kunst in Berührung gekommen. „Eine wichtige Rolle spielte für mich die Affinität zur Kunst in meiner Familie. Meine Großmutter ging mit mir als Kind immer in die Mannheimer Kunsthalle oder zum Kunstverein.“ Und: „Schon als Kind gefielen mir die Bezüge ihrer Stühle am Esstisch, die aus Seide oder Rosshaar waren.“

Die Faszination für die beiden so unterschiedlichen Materialien spiegelt sich bis heute in der Kunst von Sibylle Burr wieder. Seide ist für sie „erstarrte Wirklichkeit, ist wie eine Hülle, die Lebendiges abwirft“. Mit ihrem „Schleier des Nichtwissens“ wirft Seide für die Künstlerin die Frage nach dem Dahinter auf, und so erlebt sie das Transzendentale „unmittelbar“ und sieht „Wunder, in allem, was ich sehe“.

Ein altes Polsterkissen ist für sie Ausgangspunkt der Frage, was die Anordnung von Sprungfedern in einem Sitzpolster mit der Anordnung von Chromosomen in Zellen zu tun hat. Hier kommt die Naturwissenschaftlerin zu Wort. Denn Sibylle Burr hat Biologie studiert und sich auch mit den großen Physikern unserer Zeit befasst. „Als in einem Moment großer Müdigkeit“ Spiralen plötzlich anfingen, sich scheinbar vor ihren Augen zu bewegen, erinnerte sie das eben an Chromosomenstrukturen. Das führte sie zu der Frage, wie in der Natur Formen entstehen – und damit zu den fundamentalen Fragen des Lebens. Etwa der, ob Menschen aus einem System ausbrechen können. In ihrer Installation „Remain or leave“, also „Bleibe oder gehe“, kommt sie zum ernüchternden Ergebnis: „Man kann seinen Kosmos nicht verlassen.“ Dies gelte in der Natur wie in der Politik.

Immer wieder geht es in den Installationen und großformatigen Bildern um Räume, die in sich geschlossen sind, Räume, die sich entleeren müssen, die so erst Platz schaffen für Neues. Im Film „Nuts“ schafft sie so einen Raum durch das Gehen im Schnee, schafft also „durch das ständige Unterwegssein einen Kreis, der sich schließt“. In ihren fraktalen, also stark gegliederten Arbeiten, unternimmt sie den Versuch der Quadratur des Kreises. Auch hier: Mit viel Ironie mischt sie scheinbar triviale Realitätssplitter in die großen Rätsel von Raum und Zeit, hat so „ein höchst wirksames Mittel gegen die Langeweile, die von den Gralshütern der reinen Lehre ausströmt“. Immer überspringt sie dabei scheinbar leicht die Grenzen allzu festgefügter Weltbilder.

Tag der offenen Ateliers

Verborgenes Kulturleben Mehr als 30 Künstlerateliers gibt es in Göppingen. Uwe Mayer von den „ARTgenossen“ und Rüdiger Noreikat von der Künstlergruppe Spektrum hatten die Idee, Licht ins eher verborgene Kulturleben der Stadt zu bringen.

14 Künstler Wolfram Hosch, Leiter des Kulturreferats der Stadt, fand die Idee gut und lud Künstler mit Ateliers in Göppingen ein, sich an dem Projekt zu beteiligen.Gleich 14 Künstler aus 9 Ateliers und Ateliergemeinschaften sind dem Aufruf gefolgt. Am Freitag gibt es nun den ersten Tag der offenen Ateliers. Alle beteiligten Ateliers werden von 17 bis  21 Uhr geöffnet sein, einige bereits früher oder auch länger. Im Vergleich zur Kultur-Nacht soll nicht der „Event“ im Vordergrund stehen, sondern die Künstler in ihrem produktiven Umfeld, das Gespräch mit ihnen und – sofern möglich – ein Blick über die Schulter bei der Anwendung der breit gefächerten Techniken. Kostproben gibt es im Begleitheft, das beim i-Punkt im Rathaus und in der Kunsthalle ausliegt und im Online-Veranstaltungskalender der Stadt herunter geladen werden kann.

Geöffnete Ateliers Folgende Ateliers sind zu sehen: Ateliers in der Marstallstraße 40 (Sibylle Burr, Rita Schaible-Saurer, Scarlett Wölz), Ateliers Kurt Grabert, Harald Immig, Kathleen Jahn, Künstlergruppe Spektrum (Rudolf Bender, Frieder Kerler, Rüdiger Noreikat, Peter Vollmer), Ateliers Werner Schleith, Detlev Schorlau, Ursula Schwab, Werner Stepanek.

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