Wahlpodium: Kandidaten im Clinch

Bei einem von Kreisseniorenrat, Kreisjugendring und Lebenshilfe organisierten Wahlpodium stellten sich Bundestagskandidaten des Wahlkreises Göppingen den Fragen zu gesellschaftspolitischen Themen.

|

"Alt und Jung- wir haben die Wahl", doch an welcher Stelle bei der Bundestagswahl im September am besten das Kreuzchen machen? Die Qual der Wahl erleichtern sollte ein Wahlpodium, das Gelegenheit bot, Kandidaten und ihre Positionen kennen zu lernen. Kreisseniorenrat, Kreisjugendring und Lebenshilfe hatten Fragen zu Themen vorbereitet, die alle Generationen gleichermaßen interessieren. Fragen zu Inklusion, prekären Arbeitsverhältnissen, Altersversorgung, Gesundheit und Pflege, Umwelt, Verschuldung und vielem mehr.

Nach einer Vorstellungsrunde, in der die Bewerber neben ihrem persönlichen Hintergrund ihre Beweggründe für die Kandidatur begründeten, ging es ans Eingemachte. Zum Beispiel wie es mit der Inklusion behinderter Menschen, die nach der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland 2009 in Kraft trat, weiter gehen soll. Einig waren sich alle Kandidaten darin, dass sich behinderte Menschen in der Mitte der Gesellschaft wiederfinden sollten, Inklusion allerdings auch gesellschaftliches Umdenken erfordere. "Keine überhasteten Änderungen, sondern erst die Voraussetzungen schaffen", meinte Werner Simmling von der FDP.

Heike Baehrens von der SPD verdeutlichte, dass das System der Behindertenhilfe, in dem es vornehmlich um Schutz und Fürsorge ging, eine Konsequenz aus den Geschehnissen im "Dritten Reich" war. Um den Anspruch auf mehr Selbstbestimmung und Teilhabe zu gewährleisten, gelte es nun, Gesetze zu prüfen und zu verändern. "Inklusion ist nicht nur für die behinderten Menschen, sondern auch für ihre Familien zentral wichtig", erklärte Dennis De von den Grünen. "Als erstes müssen dafür die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen werden." Allerdings erfordere Inklusion auch Umdenken in der Gesellschaft und diese Veränderung brauche Zeit.

"Ein Thema, das wir nicht mehr ruhen lassen dürfen", erklärte Hermann Färber, CDU, und plädierte dafür, Betroffene und deren Organisationen bei Entscheidungen einzubeziehen. "Inklusion ist ein Grundrecht und darf nicht am Geld scheitern", erklärte Julian Beier von der Piratenpartei. Eine Zuhörerin stellte klar: "Betroffene haben keine Zeit, Kinder wachsen schnell." Ihrer Meinung nach seien zwei verschiedene Schulsysteme für behinderte Kinder nicht zukunftsweisend. Es gelte nun schnell Gelder umzuschichten und die Inklusion in der Regelschule umzusetzen. Die Kandidaten mussten zu vielen weiteren Themen Stellung beziehen, unter anderem auch zum Problem "prekäre Arbeitssituationen".

Moderator Albrecht Daur verdeutlichte, dass befristete Jobs, Generation Praktikum, schlechte Bezahlung und Leiharbeit für Betroffene zu langfristigen Problemen führen. Familienplanung und das Auskommen im Alter blieben auf der Strecke. "Man muss von seiner Hände Arbeit leben können ohne Zuschüsse beantragen zu müssen", plädierte Heike Baehrens für die gesetzliche Verankerung eines Mindestlohns, der für eine bessere Balance in der Gesellschaft sorgen könne. "Das Gehalt muss nicht nur zum Leben, sondern auch fürs Sparen im Alter reichen", erklärte Dennis De, der neben dem Mindestlohn auch "Mehr Netto vom Brutto in unteren Einkommensklassen" forderte. Hermann Färber hegte zwar auch den Wunsch nach gleichen Bedingungen für alle, brach aber eine Lanze für die Arbeitgeber. "Es machen nicht alle Riesengewinne wie Mercedes. Viele sind Auftragsschwankungen unterworfen und auf flexible Lösungen angewiesen", betonte Färber. Werner Simmling sprach sich für eine nach Branchen und Regionen differenzierte Lohnuntergrenze im Einklang mit der Tarifautonomie aus.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

27.07.2013 06:39 Uhr

Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses CBT-Drucksache17/13757) vom 10 Juli 2013

Die Anfrage geht darum das Menschen mit Grundsicherung höhere Freibeträge bekommen.
Das gilt den Menschen die in einer WFB arbeiten.
Da alle Menschen in einer WFB am Umsatz mitarbeiten und es so zu einer Prämie kommen kann, werden Menschen mit Grundsicherung davon nur bedingt daran Teilhaben, denn die Freibeträge sind zu gering.

Die SPD, die Fraktion Bündnis 90 die Grünen und die Linke schlossen sich der Ansicht an.

Die CDU und die FDP stimmten dagegen.

Somit kommt das Material nicht zur Weiterleitung in den Bundestag.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Suizid bei Aichelberg nach Straftat im Kreis Ludwigsburg

Ein kreisender Hubschrauber hat am Mittwochabend im oberen Filstal für Aufsehen gesorgt. Hintergrund ist ein Suizid, dem eine Straftat im Kreis Ludwigsburg vorausgegangen war. weiter lesen