Wäschenbeuren speist seit Juli mehr Strom ins Netz

Wäschenbeurens Bürgermeister Karl Vesenmaier spricht im Interview über die Projektidee des Solarparks und den Zeitdruck bei der Umsetzung. Außerdem gibt er einen Ausblick in die Zukunft.

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  • In nur acht Monaten wurde der neue Wäschenbeurer Solarpark errichtet. Für Bürgermeister Karl Vesenmaier ist das Projekt ein Erfolg. Fotos: Staufenpress 1/2
    In nur acht Monaten wurde der neue Wäschenbeurer Solarpark errichtet. Für Bürgermeister Karl Vesenmaier ist das Projekt ein Erfolg. Fotos: Staufenpress
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Herr Vesenmaier, wodurch wurde bei Ihnen im vergangenen Jahr die Idee für einen Solarpark angestoßen?

KARL VESENMAIER: Gemeindeverwaltung und Gemeinderat verfolgen die Entwicklung der regenerativen Energien mit großem Interesse. Bereits 2006 hat die Gemeinde auf dem Dach der Stauferschule eine 16-KWp-Anlage erstellt. Mit dem Ergebnis der Anlage sind wir sehr zufrieden, weshalb wir im Herbst 2010 eine weitere Anlage mit 50 KWp auf dem Dach der TSV-Turnhalle errichtet haben. Rund ein Jahr später bekannte sich der Gemeinderat zudem zum Bau einer 67-KWp-Anlage auf dem Bauhofdach. Daher war es naheliegend, auch über eine Freiflächenanlage nachzudenken. Da die Erddeponie kurz vor der Rekultivierung stand, bot sich das Projekt nach den Richtlinien der Solarförderung an.

Der Solarpark wurde in einer Rekordzeit von lediglich acht Monaten geplant und gebaut. Mit welchen "Stolpersteinen" sahen Sie sich in dieser knappen Zeit konfrontiert?

VESENMAIER: Einerseits galt es in kurzer Zeit den Regionalplan und den Flächennutzungsplan fortzuschreiben sowie den Bebauungsplan aufzustellen. Andererseits erwies sich vor allem die Einspeisevergütung, die ja für die Rentabilitätsberechnung ausschlaggebend ist, als großes Risiko. Ein Schock war für uns die Diskussion im März 2012 über die radikale Abschmelzung der Solarförderung. Doch die Demokratie erwies sich als funktionierend und verwies die Regierenden in die Schranken, so dass die ursprüngliche Kalkulation aufging.

War durch die beschlossene Kürzung der Solarförderung das Projekt gefährdet beziehungsweise wie konnte sich die Gemeinde die 18,76 Cent an Einspeisevergütung pro Kilowattstunde sichern?

VESENMAIER: Es erwies sich als vorteilhaft, dass sich der Gemeinderat frühzeitig zur Aufstellung eines Bebauungsplans bekannte. Bei einer zeitlichen Verzögerung von nur 14 Tagen hätten wir wegen der gefassten Regierungsbeschlüsse die Einspeisevergütung von 18,76 Cent nicht mehr erhalten. Allerdings ist bisher noch keine Förderzahlung bei der Gemeinde eingegangen. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass nichts mehr schief gehen kann.

Wie viel Strom wurde inzwischen durch den Solarpark produziert? Sind Sie mit der eingespeisten Strommenge zufrieden?

VESENMAIER: Im Monat August wurden circa 124 000 Kilowattstunden ins öffentliche Netz eingespeist. Mit der erzeugten Leistung der Anlage sind wir sehr zufrieden.

Bis wann wird sich das investierte Kapital von rund 1,61 Millionen Euro für die Kommune amortisiert haben, und mit welcher jährlichen Rendite auf das eingesetzte Kapital rechnen Sie?

VESENMAIER: Im Zusammenhang mit der Freiflächenanlage stand der ökologische Beitrag im Vordergrund. Auf der anderen Seite wäre es der Bürgerschaft aber nicht vermittelbar gewesen, wenn sich das Projekt nicht rechnen würde. Wir gehen derzeit von einer sechsprozentigen Rendite aus, die allerdings noch zu versteuern ist. Der Kalkulation liegt eine 20-jährige Nutzung zugrunde. Wir sind uns sicher, dass die Anlage auch in der nachfolgenden Zeit Strom ins Netz einspeisen wird.

Wurde von der Kommune beim Planungsbeginn auch in Erwägung gezogen, die Anlage in Form eines Bürgerbeteiligung-Modells zu betreiben, beziehungsweise wird die Gemeinde noch derartige Projekte in Angriff nehmen?

VESENMAIER: In Anbetracht der zeitlichen Enge wäre es wohl nicht möglich gewesen, die Anlage in einem Bürgerbeteiligungsmodell zu erstellen. Die Genossenschaft hätte erst noch gegründet werden müssen. Der Gemeinderat hat sich hier als sehr fachkundig und flexibel erwiesen. Zudem ist es die Politik der Gemeinde, dass an der Anlage alle Bürger partizipieren sollen. Wir werten dies als Thema zur nachhaltigen Politik. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in Wäschenbeuren in künftigen Jahren bei einem anderen Projekt zu einem Bürgerbeteiligungsmodell kommen kann.

Ist in Wäschenbeuren der weitere Ausbau der alternativen Energieerzeugung angedacht? Werden Solarprojekte trotz sinkender Förderung hierbei noch eine Rolle spielen?

VESENMAIER: Die Rahmenbedingungen für Solarprojekte werden immer anspruchsvoller. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Behörden damit einverstanden sind, dass es im Bereich des derzeitigen Solarparks zu einer Erweiterung kommt. Weitere Standorte auf unserer Gemarkung halte ich für aussichtslos. Aber nicht nur die Gemeinde steht ökologisch in der Verantwortung. Viele Bürger haben derzeit auch noch die Möglichkeit, auf ihren Dächern Solaranlagen zu installieren. Interessant ist die Feststellung, dass auf den Dächern von Wäschenbeuren der gleiche Strombeitrag produziert wird wie mit dem Solarpark. Planerisch bereiten wir uns zwar vor, Standorte für Windkraftanlagen auszuweisen, aber eine andere Frage ist, ob es für Anlagenbetreiber interessant ist, auf unserer Gemarkung wegen der geringen Windgeschwindigkeit zu investieren. Schließlich spricht man in der Politik bereits von einem Überangebot von Windkraftanlagen, die sich bereits in der Planung befinden.

Können Sie sich vorstellen, dass sich Wäschenbeuren irgendwann einmal durch selbst produzierten "grünen Strom" komplett selbst versorgt und vom Markt abkoppelt?

VESENMAIER: Gemeinderat und Gemeindeverwaltung werden jede Chance nutzen, um "grünen Strom" zu erzeugen. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen stimmen, wobei auch die Umweltverträglichkeit und die Rentabilität wichtig sind. Meines Erachtens ist es nicht unbedingt erstrebenswert, eine autarke Stromversorgung zu betreiben.

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Kommentare

21.09.2012 21:47 Uhr

Windkraft taugt nichts im Land

Na Herr Vesenmaier, das ist ja starker Tobak, die Demokratie erwies sich als funktionierend, weil diese die Regierenden in deren Schranken verwies und Sie somit aus Ihrem Schockzustand befreit wurden. Das ist schon eine merkwürdige Demokratie oder liegt es etwa an Ihrem Demokratieverständnis? Könnte man da nicht auch sagen, die Lobbyisten haben wieder einmal ganze Arbeit geleistet und die Renditen der Anleger gerettet? Was die Standort-Planungen für Wäschenbeuren angeht, lassen Sie es bleiben. Das wird ein Verlustgeschäft. Im August lag der Windstrom-Mittelwert bei 17,84 MW (bei ca. 500 MW installierter Leistung)und es gab an 57,5 Stunden keine Einspeisung und ähnlich sieht es auch im September aus. werden. Es gibt in Baden-Württemberg leider etwas zu viele Bürgermeister, die sich in Sachen Windkraft nach meinem Geschmack zu weit aus dem Fenster lehnen. Teilweise übernehmen diese sogenannten Volksvertreter sogar noch gleichzeitig die Anlagevermittlung für Bürgerbeteiligungen. Na ja!!

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21.09.2012 19:57 Uhr

Windkraft taugt nichts im Land

Na Herr Vesenmaier, das ist ja starker Tobak, die Demokratie erwies sich als funktionierend, weil diese die Regierenden in deren Schranken verwies und Sie somit aus Ihrem Schockzustand befreit wurden. Das ist schon eine merkwürdige Demokratie oder liegt es etwa an Ihrem Demokratieverständnis? Könnte man da nicht auch sagen, die Lobbyisten haben wieder einmal ganze Arbeit geleistet und die Renditen der Anleger gerettet? Was die Standort-Planungen für Wäschenbeuren angeht, lassen Sie es bleiben. Das wird ein Verlustgeschäft. Im August lag der Windstrom-Mittelwert bei 17,84 MW (bei ca. 500 MW installierter Leistung)und es gab an 57,5 Stunden keine Einspeisung und ähnlich sieht es auch im September aus. werden. Es gibt in Baden-Württemberg leider etwas zu viele Bürgermeister, die sich in Sachen Windkraft nach meinem Geschmack zu weit aus dem Fenster lehnen. Teilweise übernehmen diese sogenannten Volksvertreter sogar noch gleichzeitig die Anlagevermittlung für Bürgerbeteiligungen. Na ja!!

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