Vom verhüllten Kreuz und heiligen Ölen

Die Fasnet ist vorbei, nun beginnt die Zeit der Buße. Während der 40-tägigen Passionszeit zelebriert die katholische Kirche auch im Landkreis einige Rituale - bekannte und weniger bekannte.

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Die Verteilung der heiligen Öle, wie hier in Donzdorf vor vier Jahren, ist ein festes Ritual in der Fastenzeit. Foto: Archiv/Schnabl

Kreis Göppinge - 40 Tage hatte Jesus in der Wüste gefastet und sich auf Gottes Offenbarung vorbereitet. Noch heute gilt das Fasten als ein Weg, Wichtiges von Unwichtigem trennen zu lernen. Aus diesem Grund begehen viele Menschen auch im Landkreis Göppingen die Fastenzeit bewusst und schränken ihre Ess- oder Lebensgewohnheiten für 40 Tage ein.

Einige begleitende Bräuche aus den katholischen Gottesdiensten zur Bußzeit sind allerdings nicht sehr bekannt, dazu zählen die Kreuzverhüllung und die Heiligen Öle. "Zwei Wochen vor Ostern verhüllt der Messdiener das Kruzifix mit einem violetten Tuch", beschreibt Dietmar Hermann, katholischer Dekan des Dekanats Göppingen-Geislingen, das Ritual der Kreuzverhüllung. Er vergleicht die Wirkung des verhüllten Kreuzes mit dem verpackten Reichstag von Christo und Jeanne-Claude. "Solange vom Objekt nur noch Umrisse erkennbar sind, erinnern wir uns nicht mehr an die Details des Gegenstands. Nach der Enthüllung dagegen nehmen wir alles viel intensiver wahr. Wir sehen die Kreuzdarstellung in einem anderen Licht." Eine Art "Schärfung der Sinne" ist einer der Zwecke des Brauchs. Das Tuch wird erst in der Karfreitagsliturgie wieder vom Kreuz mit dem sieghaften Jesus abgenommen.

Die drei Heiligen Öle dagegen werden das ganze Jahr über verwendet. Nur ihre Weihe findet während der Bußzeit, in der Karwoche, statt. "Am Montag vor Ostern werden die heiligen Öle im Dom zu Rottenburg geweiht", erklärt Felix Müller, Dekanatsreferent in Göppingen. Jede Diözese hat ihren Ölboten, der das Öl in Rottenburg abholt und zur Verteilung an die Gemeinden bereitstellt. Für Göppingen übernimmt Dekan Hermann diese Aufgabe. Bis Gründonnerstag müssen die Öle an die Pfarreien verteilt sein. Die aus Balsam, Olivenöl und Duftstoffen bestehenden Mischungen tragen die Namen Chrisamöl, Krankenöl und Katechumenenöl.

"Das Chrisamöl ist das meist gebrauchte", klärt Hermann auf. Es wird unter anderem verwendet bei der Taufe, der Firmung, bei Priester- und Altarweihe. "Die Salbung ist das Zeichen des Auserwählt-seins. Man bekommt die Würde von Gott." Das Krankenöl dient der Krankensalbung und soll Stärkung verleihen. Am seltensten wird das Katechumenenöl eingesetzt. Taufbewerber und Täuflinge können damit vor der Taufe gesalbt werden. Schon im 4. Jahrhundert bereiteten sich Taufanwärter in der 40-tägigen Fastenzeit auf ihre Taufe in der Osternacht vor. Dieser Termin war die große Taufnacht der Kirche.

Viele Riten haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert und regional angepasst, doch das Ende der Bußzeit wird an Ostern von allen christlichen Kirchen als Auferstehung Christi gefeiert.

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