Volksbank Göppingen steht vor Fusion

Die Göppinger Volksbank steht vor der Fusion mit der Volksbank Stuttgart. Die Mitarbeiter beider Geldinstitute wurden bereits informiert.

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Die Sonne soll auch künftig über der Göppinger Volksbank scheinen. Durch eine Fusion mit der Volksbank Stuttgart soll die Position am Markt in schwierigen Zeiten gestärkt werden.  Foto: 

Was die beiden Vorstandschefs Hermann Sonnenschein und Dr. Lukas Kuhn bei der Vertreterversammlung im Juni in der Stadthalle noch vorsichtig als Prüfung einer Fusion zweier starker Institute angekündigt hatten, wird jetzt offenbar Realität: Die Göppinger Volksbank steht kurz vor dem Zusammengehen mit der Volksbank Stuttgart. Die detaillierten Pläne der beiden Geldinstitute, die am Donnerstag keiner der beiden Göppinger Vorstandschefs bestätigen wollte, sollen jetzt bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

Bis Donnerstagnachmittag hatte die Volksbank Göppingen die Medienvertreter über den Ort im Unklaren gelassen. „Aus organisatorischen Gründen werden wir Ihnen spätestens am Donnerstag, 20. Juli 2017, mitteilen, wo das Pressegespräch stattfinden wird“, hieß es in der Einladung für die Veranstaltung, bei der als Thema „die Konkretisierung der strategischen Ausrichtung der Volksbank“ gesetzt war. Erst im Lauf des Nachmittags erfuhren die Medienvertreter dann, wohin die Reise gehen sollte: zur Volksbank nach Stuttgart.

Offenbar verspricht sich die Göppinger Volksbank von der Fusion die Chance, stärker und besser am Markt agieren zu können. Die 370 Mitarbeiter des Göppinger Geldinstituts wurden  am Donnerstag  in einem Brief des Vorstands über das Vorhaben informiert. Ein ähnliches Schreiben erreichte zeitgleich ihre 1100 Kollegen in der Landeshauptstadt. Die Mitarbeiter der Volksbank Göppingen sollen am kommenden Mittwoch bei einer Betriebsversammlung im Uditorium in Uhingen darüber aufgeklärt werden, welche Veränderungen sich aus dem Zusammengehen der beiden Geldinstitute für sie und die 46 Filialen im Landkreis ergeben. Das letzte Wort hat die Vertreterversammlung. Stimmt sie den Plänen des Vorstands zu, würde Stuttgart als  zweitgrößte der 193 Genossenschaftsbanken in Baden-Württemberg mit einem Institut zusammengehen, das im Größenranking auf Platz 14 steht.

Insidern zufolge sieht sich die Göppinger Volksbank mit einer Bilanzsumme von rund 2,2 Milliarden Euro gegenüber dem Institut in Stuttgart (Bilanzsumme 6,4 Milliarden Euro)  von der Wirtschaftlichkeit her durchaus auf Augenhöhe. Vom Ertrag her stehe zwar die Bank in der Landeshauptstadt besser da. Dafür könne Göppingen mit der Höhe des Eigenkapitalanteils punkten.

Tatsächlich weist die Bilanz der Göppinger Volksbank ein Betriebsergebnis vor Steuern von 17,7 Millionen Euro aus, das der Stuttgarter liegt bei 56,9 Millionen Euro. Die Stuttgarter haben ein Einzugsgebiet, das sich nicht nur auf den Stadtkern beschränkt, sondern den gesamten Rems-Murr-Kreis umfasst, der wiederum direkt an den Landkreis Göppingen angrenzt. Letztendlich ist das geplante Zusammengehen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank geschuldet. Sie  lässt die Göppinger Volksbank  um die Erträge der nächsten Jahre fürchten. Banken können Kundeneinlagen kaum noch rentabel anlegen und für von ihnen vergebene Kredite immer weniger Zinsen verlangen. Horten sie überschüssiges Geld bei der EZB über Nacht, zahlen sie überdies 0,4 Prozent Strafzinsen.

„Das schleichende Gift in den Bilanzen“, das Dr. Lukas Kuhn und seinen Vorstandskollegen Hermann Sonnenschein schon bei der Vorstellung der Jahresbilanz umgetrieben hatte, lässt das Geldinstitut nach neuen Einnahmequellen und einer Konsolidierungsmöglichkeit  suchen.

Dass es auch in Richtung einer Fusion gehen könnte, das hatte Kuhn schon im Juni angedeutet. Die Genossenschaftsbank analysiere derzeit die Vor- und Nachteile einer „Bündelung der Kräfte“, ließ er die Vertreter-Versammlung damals wissen.  Möglich wäre ein sinnvoller Zusammenschluss zweier starker Institute, so Kuhn. Dass das  Mandat des Aufsichtsrats zur Partnersuche so schnell zu konkreten Plänen führen würde, hatten im Juni wohl die wenigsten der Teilnehmer geahnt. Gleichwohl gehen Insider davon aus, dass die Mitglieder die Pläne des Vorstands unterstützen werden.

Aufgrund der drohenden Ertragseinbußen ist man schon seit geraumer Zeit dabei, die Kosten weiter zu reduzieren. Bis Ende 2018 sollen die 34 Geschäftsstellen im Landkreis, die noch mit Personal besetzt sind, komplett neu geordnet werden. Danach werden den Kunden künftig noch fünf komplette Dienstleistungszentren zur Verfügung stehen. Die Grundversorgung übernehmen dann 24 Selbstbedienungsfilialen.

Reaktion: In einer ersten Stellungnahme zu der Fusion sagte Oberbürgermeister Guido Till am Donnerstag: „Natürlich betrifft uns das als Stadt auch, schon allein wegen der Gewerbesteuer.“

Hoffnung : Der Rathauschef setzt darauf, dass die Regionalität der Volksbank im Landkreis Göppingen und die Servicequalität für die Bürger weiterhin gesichert sind „und nicht alles aus Stuttgart ferngesteuert werden wird. Das ist mein größter Wunsch.“

Verständnis: Er kenne die Hintergründe der Fusion nicht, sagte der Oberbürgermeister, er habe aber Verständnis  dafür, dass die Banken sich bei einer schwierigen Ertragslage zu größeren Verbünden zusammenschließen müssen.  Er gehe davon aus, dass Vorstand und  Aufsichtsrat sich die Entscheidung  nicht leicht gemacht haben, diesen Schritt aber im Sinne  der Nachhaltigkeit gehen.       woz

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Kommentare

21.07.2017 16:01 Uhr

Immer mehr Kosten (Gebühren) - Immer weniger Leistungen !!!

Nachdem viele Banken mit unseren Steuergeldern um 2008 herum gerettet werden mußten kommt nun die 2. Kostenwelle auf die Kunden zu. Die Banken (auch die Volksbank GP) schränken immer mehr Ihre Leistungen ein und schrauben die Gebühren hoch. Da überlegt man sich doch als Anteilseigner (die Volksbank ist genossenschaftlich organisiert) schnellst möglich seine Anteile loszuwerden. Ich jedemfalls werde mir erlauben sollte es dazu kommen, daß die Voba GP nun aus Stuttgart ferngesteuert wird meine Anteile abzustoßen. Ich erwarte von meiner Volksbank, daß regionale Angelegenheiten auch regional kompetent gelöst werden. Mit der Geschäftspolitik der letzten 2 Jahre hat die Voba GP viel Vertrauen bei mir verspielt. Ob ich zu meinen Anteilen stehen werde hängt von der Entwicklung des nächsten Jahres ab. Guter Service wird von mir auch mit über Jahrzehnte hinweg treuer Mitgliedschaft / Kundschaft belohnt. Wenn ich mich jedoch schlecht bedient fühle dann gibts genügend alternativen mit zumindest gleichem oder eher besserem Service. Bisher stand ich als lokaler Gewerbetreibender zu meiner lokalen Volksbank aber wenn diese zukünftig aus Stuttgart gesteuert wird sehe ich dazu keine Verpflichtung mehr.

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