Volksbank-Fusion: Brandbrief des Ex-Vorstands

Der frühere Vorstandschef der Göppinger Volksbank, Peter Aubin, sieht keinen Sinn in der Fusion und geht mit den Vorständen hart ins Gericht.

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Peter Aubin bei einer seiner letzten Vertreterversammlungen der Volksbank Göppingen. Der frühere Vorstandssprecher ist überzeugt, dass eine Fusion mit der Volksbank Stuttgart „den Totalverlust der eigenen Kultur und Identität“ bedeuten würde  Foto: 

Es kommt selten vor, dass sich Chefs, die sich zur Ruhe gesetzt haben, zu Wort melden und ihre Meinung zu aktuellen Entwicklungen kundtun. Dr. Peter Aubin, 14 Jahre lang Vorstandssprecher der Volksbank Göppingen, hat es getan. In einem Brandbrief ­geißelt der Banker im Ruhestand die geplante Verschmelzung mit der Volksbank Stuttgart und lässt kein gutes Haar am aktuellen Göppinger Vorstandsduo, Dr. Lukas Kuhn und Hermann Sonnenschein.  „Für mich gibt es keinen objektiven Grund für die Fusion“, schreibt Aubin. Er sieht in der Verschmelzung mit einem wesentlich größeren Institut „immer ein Zeichen von Schwäche“.

Und worin liegt diese Schwäche bei der Volksbank Göppingen? „Ich denke, es sind der fehlende Wille und die mangelnde Kraft der beiden Vorstände, das aktuell schwierige Umfeld selbstständig zu meistern“, nimmt Aubin kein Blatt vor den Mund. „Ihnen fehlt ausreichend Selbstvertrauen und Selbstbehauptungswille.“ Durch die Integration in den nach der Fusion mit fünf Mitgliedern besetzten Vorstand fühlten sich die beiden gestärkt.  „Als willkommener Nebeneffekt“ käme ein Karrieresprung mit höheren Bezügen hinzu.

„Die angestrebte Fusion schmerzt viele sehr, auch mich“, sagt Peter Aubin, der mit seiner Frau in Spanien lebt. 14 Jahre lang habe er als Vorstandssprecher um die Selbstständigkeit der Volksbank Göppingen gekämpft.  „Nun muss ich bereits drei Jahre nach meinem Abgang erleben, dass die Bank sich aufgibt und von der Volksbank Stuttgart schlucken lässt. Anders lässt sich der Zusammenschluss mit dem dreimal größeren Partner nicht werten.“

Kuhn und Sonnenschein dagegen stellen eine Übernahme in Abrede und sprechen von „Verhandlungen auf Augenhöhe“. Auch in Stuttgart sieht man beide Partner gleichberechtigt.

Der frühere Chef der Göppinger Volksbank führt eine lange Liste an Gründen an, warum aus seiner Sicht eine Fusion mit der Volksbank Stuttgart keinen Sinn macht. Schon allein räumlich, weil die Stuttgarter „allenfalls über den Berg im Remstal“ an das Göppinger Marktgebiet grenzten. Dazwischen lägen die  „zwei starken Volksbanken Plochingen und Esslingen“. Mit Instituten wie Kirchheim-Nürtingen, Plochingen oder Heidenheim sei ein Zusammengehen eher sinnvoll.

Aubin sieht Göppingen bei einem Deal mit Stuttgart wegen des starken Größenunterschieds als „absoluten Juniorpartner“. „Das bedeutet für Göppingen den Totalverlust der eigenen Kultur und Identität und damit die Selbstaufgabe als besonders risikoarme, kapitalstarke, liquide, innovative und kundenorientierte Bank mit flacher Hierarchie und schlanken Prozessen“, malt der frühere Vorstandssprecher ein düsteres Bild von der Zukunft der hiesigen Genossenschaftsbank. „Man braucht sich keinen Illusionen hinzugeben, dass die Volksbank Göppingen auch nur ein Minimum ihrer eigenen Kultur und Arbeitsweise in das neue, fusionierte Institut hinüberretten kann“, glaubt Aubin. Letztlich bedeute „die Hochzeit“ nichts anderes, „als dass die Volksbank Göppingen durch Filialen der Volksbank Stuttgart ersetzt wird“. Aubin denkt auch an die Mitarbeiter der zweiten Führungsebene, die mit einer Herabstufung rechnen müssen: „Sie fühlen sich zu Recht verraten und verkauft.“

„Aufsichtsräte überfordert“

Auch das Argument sowohl der Stuttgarter als auch Göppinger Vorstände, Kräfte zu bündeln, zieht für Aubin nicht. Da beide Häuser von der Bilanz- und Kostenstruktur her „ziemlich ähnlich“ seien, sei kein positiver Effekt zu erwarten. Auch die ­Größe allein sei kein Garant für eine bessere Rentabilität oder Kosteneffizienz, denn „die nahezu dreimal größere Volksbank Stuttgart wirtschaftet nicht rentabler als die Volksbank Göppingen“. Die Fusion bringe lediglich den Stuttgartern Vorteile, ist Peter Aubin überzeugt: einmal den Größengewinn, zum anderen eine Verbesserung des Eigenkapitals, das in Göppingen mit 24,6 Prozent gegenüber 17,4 Prozent in Stuttgart spürbar höher sei.

Schlussendlich kritisiert der frühere Vorstandschef auch den Aufsichtsrat der Göppinger Volksbank. Diesem käme die Fusion gelegen: „Während die Spitze des Göppinger Aufsichtsrats die Aussicht auf eine Karriere im Aufsichtsgremium der nach der Fusion viermal größeren Volksbank Stuttgart lockt,  können sich die übrigen Göppinger Aufsichtsräte in schwierigen Zeiten elegant der zunehmend als Last empfundenen eigenen Überforderung und Verantwortung entledigen.“ Am Montag tagt der  Aufsichtsrat der Göppinger Volksbank.

Peter Aubin sieht bei einer Fusion mit der Volksbank Stuttgart nur Nachteile für die Kunden der Volksbank Göppingen.  „Göppingen überzeugt die Kunden durch einfache Produkte, schlanke Prozesse und günstige Konditionen. Das alles ginge in der Fusion verloren, weil sie zwangsläufig zur Vereinheitlichung der Prozesse und Konditionen auf Stuttgarter Niveau führen wird“, ist er überzeugt. Zudem habe Göppingen die Kreditaufnahme für die Kunden über IT-basierte automatische Kreditentscheidungen vereinfacht. „Auch das wird in der bürokratischer aufgestellten Volksbank Stuttgart verloren gehen.“ Den Mitgliedern der Göppinger Volksbank käme durch die Fusion außerdem „die transparente Informationspolitik ihrer Bank abhanden“.

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Kommentare

24.09.2017 11:18 Uhr

Fusion Volksbank Göppingen

Klasse Herr Dr. Aubin. Hut ab sie haben Charakter.

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Fusionspläne der Volksbanken

Über die mögliche Fusion der Göppinger Volksbank mit der Volksbank Stuttgart.

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