Virtuose und beseelte Orgelsoirée

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Mit einem solchen Ansturm von Besuchern bei der Orgelsoirée zum Jahresausklang an Silvester hatte niemand gerechnet. Klaus Rothaupt blieb jedoch bei seinem Konzert mit Klassikern der deutschen und französischen Orgelliteratur nicht im Virtuosen stecken, sondern spielte beseelt und eröffnete damit dem Hörer die ganze Klangwelt des Instruments, denn er erwies sich auch als ein Meister der Registrierung.

Bachs berühmte Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 eröffnete die Soirée. Die Mischung aus strengem Stil und Ausbrechen in virtuose Spielfiguren zeichnete Rothaupt in romantisch agogischer Interpretation, jedoch in klassisch wohltuender Registrierung nach. Lediglich die Echowirkung bei der Wiederholung von Motiven wurde hervorgehoben.

Ein ganz anderes kontrastierendes Klangbild aus der gleichen Zeit ergab sich bei „Noel“ von Louis-Claude D’Aquin, dem Hoforganisten von Ludwig XIV, der Variationen über ein gängiges Weihnachtslied sogar mit einer Registrieranleitung in Szene gesetzt hatte. In fast galanter Manier schnurrten die Zungenpfeifen ohne Tremolo.

Der folgende Bachsche Orgelchoral „Das alte Jahr vergangen ist“ umspielte den Cantus firmus mit Ornamenten, und „Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter“ aus den „Schübler-Chorälen“ verlangte dem Organisten eine völlig unabhängige dreidimensionale Denk- und Spielweise ab. Die rechte Hand imitierte die Solovioline, die linke die Begleitung und das Pedal die Stimme der Altistin aus einer Bach-Kantate. Mozarts Andante in F-Dur, KV 616, das er als Untermalungsmusik in einem Wachsfigurenkabinett für eine Orgelwalze komponiert hatte, beschloss den ersten Teil mit leisen Tönen.

Im zweiten Teil spielte Rot­haupt drei Werke der französischen Komponisten Charles-Marie Widor, Marcel Dupré und Louis Vierne in ihrer Eigenart. Alle drei kannten sich und waren durch ihre Biographien miteinander verbunden. Bei Widors „Intermezzo“ aus der 6. Symphonie höre er „schon Brahms heraus“, hatte Rothaupt zu Beginn gesagt. Eine raffinierte Satztechnik und die Übertragung der Klangwirkung eines Orchesters auf die Orgel mit dem satten Zungenklang, der die klassischen Rohrblattinstrumente nachahmen soll, kennzeichnete dieses Stück. Duprés „Präludium und Fuge H-Dur opus 7/1“ verlangte durch seine Atonalität und rhythmischen Finessen höchste technische Versiertheit. Und das „Finale“ aus der 1. Orgelsinfonie von Vierne erinnerte als glanzvolles Abschluss-Juwel ein wenig an Widors 5. Sinfonie. Großer Beifall für den Künstler Klaus Rothaupt. afb

Am Freitag (Dreikönig) führt Klaus Rothaupt mit Eislinger Gymnasiasten und der Göppinger Kantorei die Teile IV bis VI von Bachs Weihnachtsoratorium auf. 200 Sänger und Musiker werden in der Oberhofenkirche mitwirken. Beginn ist um 17 Uhr. Karten gibt es beim i-Punkt im Rathaus.

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