Vier Priester verlassen das Dekanat

Die Katholiken im Landkreis stehen vor tiefen Einschnitten. Die angespannte Personalsituation in den katholischen Kirchengemeinden wird sich durch den Weggang von vier Priestern wieder deutlich verschärfen.

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Gerade sah es so aus, als sollte sich der Pfarrermangel im katholischen Dekanat Göppingen-Geislingen etwas entschärfen, weil neue Priester in Jebenhausen, Göppingen-Süd und Deggingen die vakanten Stellen besetzen. Gestern war jedoch der Tag der schlechten Nachrichten - und einer guten. In mehreren Kirchen im Landkreis wurden die Gemeindeglieder am Sonntag überrascht, dass ihr Pfarrer eine neue Stelle annehmen wird. Vier Priester verlassen das Dekanat: Dietmar Hermann, Jürgen Sauter, Tap Phan und Jens Brodbeck. Weil alle vier gleich mehrere Städten und Gemeinden betreuen, sind viele tausend Katholiken betroffen. Ein neuer Pfarrer kommt allerdings in den Landkreis: Carsten Wagner in der Seelsorgeeinheit Lautertal, die drei Jahre ohne eigenen Pfarrer auskommen musste.

Besondere Brisanz birgt der Weggang des Göppinger Pfarrers Jürgen Sauter aus der Seelsorgeeinheit Christkönig-Sankt Maria nach Oberschwaben. In den vergangenen Monaten tobte ein Streit zwischen dem Pfarrer und dem Kirchenpfleger Georg Kolb. Kolb kam in die Kritik, weil er die Finanzen der Gesamtkirchenpflege und die Stiftung Sankt Stephanus in die Misswirtschaft geführt haben soll. Das beschäftigte auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart, die vor vier Wochen ein Machtwort sprach. Der Kirchenpfleger blieb, bekam aber neue Aufgaben.

Kolb wiederum warf in dem teils öffentlich ausgetragenen Streit dem Pfarrer Jürgen Sauter Mobbing vor. Die zuständige Kommission der Diözese wies diese Vorwüfe zurück. Dennoch bekannte Sauter, dass ihm der Konflikt stark zugesetzt habe. In seiner persönlichen Erklärung sprach Sauter gestern von "tiefen Wunden und Enttäuschungen", die er in seiner Pfarrerzeit in Göppingen erlebt habe "Ich wollte verantwortungsbewusst handeln und Schaden von den Kirchengemeinden abwenden. Aber wenn man das Spiel der Mächtigen stört, kann man unter die Räder kommen. Deshalb habe ich mich auf eine andere Pfarrstelle beworben. Ein Verbleib hier in Göppingen ist für mich leider nicht mehr möglich", meinte der 44-Jährige. Andererseits habe er in Göppingen auch viel Unterstützung und Solidarität erfahren, betonte Sauter. Der Abschied falle ihm deshalb insgesamt nicht leicht.

Sauter hinterlasse "eine Riesenlücke" in einer zentralen Kirchengemeinde, bekannte der katholische Dekanatsreferent Felix Müller. Vor allem mache er sich Sorgen, ob jemand sich auf die konfliktträchtige Stelle bewerbe. Ein Neuanfang sei in Sachen Kolb noch nicht gemacht, so Felix Müller.

Harmonischer fällt der Abschied von Dietmar Hermann in Süßen aus, der gleichzeitig auch Dekan im Dekanat Göppingen-Geislingen ist. Er sprach in seiner Abschiedserklärung davon, dass ihm die Arbeit in der Seelsorgeeinheit Süßen, Gingen, Kuchen und als Dekan große Freude gemacht habe. Nach 18 Jahren im Dekanat tue ein Wechsel jedoch gut. Der 49-jährige Hermann übernimmt künftig die Seelsorgeeinheit Reutlingen-Nord. Neue Wege geht auch der Pfarrvikar Tap Phan aus der Seelsorgeeinheit "Unterm Staufen". Er betreute bisher die Katholiken in Wäschenbeuren und Rechberghausen sowie die zur Seelsorgeeinheit gehörenden Gemeinden Birenbach, Adelberg, Börtlingen und Wangen. Der 49-jährige aus Vietnam stammende Phan übernimmt im September die Leitung als Pfarrer die Seelsorgeeinheit Neuenbürg-Birkenfeld im Nordschwarzwald. In der Seelsorgeeinheit "Unterm Staufen" bleibt dann nur Pfarrer Bernhard Schmid.

Aus der Seelsorgeeinheit Geislingen bricht der Vikar Jens Brodbeck zu neuen Ufern auf. Der 43-Jährige wechselt als Pfarrer ins Obere Kochertal.

Den vier Weggängen steht die Wiederbesetzung der Pfarrstelle in der Seelsorgeeinheit Lautertal gegenüber, zu der die Gemeinden Donzdorf, Nenningen, Reichenbach u.R. sowie Weißenstein und Winzingen gehören. Diese Stelle übernimmt im Herbst Carsten Wagner, derzeit Pfarrer der Seelsorgeeinheit Schöntal und Dekan des Dekanats Hohenlohe. Wagner wurde 1971 in Düsseldorf geboren und wuchs im Kreis Ludwigsburg auf. Er studierte Theologie in Eichstätt und Augsburg und wurde er 1997 zum Priester geweiht. Seit 2002 war er in der Seelsorgeeinheit Schöntal.

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