Viele Helfer bringen den Umbau in der Zeller Martinskirche voran

Seit Januar wird die Zeller Martinskirche mit viel Eigenleistung der Kirchengemeinde umgebaut. Jetzt ist der Wendepunkt erreicht: Bisher ging's in die Tiefe, jetzt wird neu aufgebaut.

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Bisher wurde altes rausgerissen, jetzt geht es an den Neuaufbau: Hermann Messer(r.) und Jürgen Flosbach an der Baustelle Martinskirche in Zell.  Foto: 

Der Bauschutt-Container vor der Kirche ist randvoll. In nur einem Tag sind hier zehn Kubikmeter angefallen. Alles in Handarbeit, sagt Bauleiter Hermann Messer. Es ist schon die achte Ladung - und die letzte. Bei 100 Tonnen Bauschutt sollen es bleiben. Der Kirchenboden ist hinreichend aufgerissen, jetzt wird wieder zubetoniert.

Mindestens 20.000 Euro hätte der Abbruch gekostet, den die Kirchengemeinde in Eigenleistung erbracht hat, sagt Messer. Seit Januar laufen die Arbeitseinsätze. An Samstagen, abends und kompakt in der Faschingswoche. Seither gab's sogar einen Baustopp, weil das Denkmalamt den Boden abgesucht wissen wollte. Jetzt läuft die zweite Arbeitswoche, vorerst die letzte.

Es sind nicht immer die gleichen Bauhelfer, betont Messer. Fast 50 waren schon hier, davon 20 Jugendliche und Erwachsene unter 30. Messers Ehrgeiz ist es, auf 100 zu kommen. "Damit die Identifikation mit der Kirche wächst." Dazu zählt er dann auch Putzfrauen. Die Köchinnen, die den Bauhelfern nebenan im Gemeindehaus Gutes auftischen, kämen noch dazu. Gestern war Annette Wanner mit Kässpätzle dran.

Messer muss um Freiwillige "nicht arg bitteln und betteln". Am Dienstag hatte er sogar unerwarteten Zuwachs von der Jungschar. Eine Gruppe wollte in den Ferien zum Bodensee wandern, ließ das dann aber wieder fallen und hatte plötzlich Zeit. So packten sie zu sechst an der Kirche mit an. Und wie, staunt Messer. Bis abends um halb acht haben sie geschafft, weil noch ein Loch zu graben war.

Auch fünf, sechs Frauen waren schon dabei. Darunter eine Lehrerin, die gar nicht mehr in Zell wohnt und ihre Mutter besucht. "Sie hat bei den schweren Steinen mitgeholfen", erzählt Messer.

Knochenarbeit war es, den Boden mit dem schweren Presslufthammer aufzumeißeln. "Wenn man zwei bis drei Stunden klopft, ist man k.o.", verdeutlicht Messer. Am Altarraum mussten viele Meter massiver Stein abgebaut und mit Hubwagen herausgeschafft werden. Auch der Holzboden unter den Bänken muss noch weichen. Dazu hat man sich schweren Herzens entschlossen, weil das Abschleifen auch einiges kosten würde. Im Anbau von 1904 kamen unter der Holzverkleidung Tapeten zutage, die auch weg mussten. Ein Streifen Teppichboden wurde mit dem Schlepper rausgezogen. Die Bühne wurde geräumt, damit der Elektriker für die Beleuchtung freie Bahn hat. Das war ein Arbeitstag für acht Leute.

Jetzt präparieren zwei Rentner die Fenster im alten Kirchensaal. Einer bringt das Fachwissen als Hobbyrestaurator mit. Sie haben gut zu tun, eine Menge Fenster warten auf Auffrischung. Messer zeigt auf eine Stelle, wo das Holz schon bröckelt. Minimum 1000 Stunden soll die Eigenleistung betragen, gefühlt sei das schon fast erreicht, sagt er. Bis zum Herbst ziehen sich die Einsätze. Da geht es um Fliesenlegen, Flaschnerarbeiten, Löcher zumauern, und vermutlich wird man die Helfer auch brauchen, das Holz der Empore zu schleifen.

Es macht Spaß, sagen die Freiwilligen von alt bis jung. Für Jürgen Flosbach, der immer dabei ist und neben dem Bauleiter die meisten Stunden leistet, ist die Baustelle "ein Fitness-Studio". Er ist zwar nicht vom Fach, aber geschickt, lobt ihn Messer. Viele lernen hier was dazu. Für den Bauleiter, der hier aktuell Urlaub opfert, ist es "so gut wie Urlaub, aber anders." Er war schon beim Bau des Gemeindehauses dabei und sagt: "Man hat nur einmal im Leben die Chance, an einer Kirchenrenovierung mitzuarbeiten."

Eine Baustelle in der Kirche: Ungewohnt ist das für Kai Endriss und Daniel Kristmann, die im Auftrag ihrer Firma den Boden betonieren. Es sei hier ein bissle kultivierter, sagt Kristmann. Laute Töne seien fehl am Platz, und zum Rauchen gehe man nach draußen. Den Helfern der Kirchengemeinde stellen sie ein gutes Zeugnis aus. "Ich hab schon einen gefragt, ob er Lehrling werden will", sagt Endriss.

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