Verwirrung um Aus für Schlecker-Filiale

Im Landkreis Göppingen hat in vielen Schleckermärkten der Abverkauf der Waren begonnen. Nach Stand der Dinge bleiben im Kreis nur sechs Filialen übrig. Überraschend auch die in der Göppinger Innenstadt.

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"Nein, es gibt keine 30 Prozent Nachlass mehr, die Verkaufsstelle bleibt geöffnet", heißt es in der der Göppinger Hauptstraßenfiliale. Foto: Inge Czemmel

In der Bad Boller Schleckerfiliale wirkt auf den ersten Blick alles ganz normal. Sie ist eine der wenigen, die geöffnet bleiben werden. Zwar herrscht gerade bei der Suche nach einer Zahnbürste und verschiedenen anderen Dingen Fehlanzeige aber im Großen und Ganzen gesehen sind die Regale gefüllt.

Ganz anders stellt sich die Situation im Göppinger Ortsteil Jebenhausen dar. So viele Kunden wie in den vergangenen beiden Tagen haben die Mitarbeiterinnen selten gesehen. Weil die Filiale geschlossen wird gibt es hier auf fast alles 30 Prozent Rabatt. Der Abverkauf lockt die Schnäppchenjäger an. "38 Euro gespart, das hat sich doch richtig ge-lohnt", freut sich eine Kundin, die mit voller Tüte das Geschäft verlässt. Eine andere gesteht: "Normalerweise kaufe ich in Göppingen ein." Die Kassiererin, der schon die Finger schmerzen, meint achselzuckend. "Wenn die vielen Leute, die jetzt hier einkaufen das ganze Jahr gekommen wären, hätten wir vielleicht nicht schließen müssen." Ein männlicher Kunde wundert sich, dass ausgerechnet die Filiale in Jebenhausen zu gemacht wird. "Der Laden wurde doch erst neu reno-viert, ist groß und freundlich. Schade, nun hat der Edeka-Markt im Ort das Monopol."

"Nein, es gibt keine 30 Prozent Nachlass mehr, die Verkaufsstelle bleibt geöffnet", reden sich die Mitarbeiterinnen der Göppinger Hauptstraßenfiliale den Mund fusselig. "Wie jetzt?" Die Kundschaft ist verwirrt. Die bis vor kurzem vor dem Geschäft stehenden Rabattschilder sind verschwunden. "Bis kurz vor halb 10 Uhr haben wir heute Vormittag noch abverkauft", erklären die Mitarbeiterinnen. Dann sei ein Anruf gekommen, dass die Filiale bleibe und sofort alle Abverkaufsplakate entfernt werden müssten. "Typisch Schlecker", lassen verärgerte Schnäppchenjäger einfach ihre vollen Körbe an der Kasse stehen. Schnell zur Filiale zwischen Kaufhof und C+A, vielleicht ist da ja noch etwas zu ergattern. Andere Kunden nehmen es gelassen. Sie bezahlen den regulären Preis und beglückwünschen die Mitarbeiterinnen, die nun schnell dafür sorgen müssen, dass die Lagerbestände wieder aufgefüllt werden. Ob sie weiter bei Schlecker arbeiten können, wissen die Frauen, die ein Wechselbad der Gefühle durchleben, jedoch noch nicht. Egal, ob eine Filiale bleibe oder geschlossen werde - wer bleiben dürfe oder gehen müsse, werde nach Sozialplan entschieden, berichten die Frauen. Manche, die schon viele Jahre für Schlecker arbeiten, haben Hoffnung, andere haben sich schon darauf eingestellt bald arbeitslos zu sein. "Man kann es nicht ändern", erklärt eine Mitarbeiterin resigniert. "Es war ja schon lange klar, dass das Unternehmen den Bach runter geht." Andere sind sauer. "Das Schlimmste ist die ewige Ungewissheit", berichtet eine Verkäuferin. "Kommt die Kündigung oder nicht? Das geht an die Nieren, raubt einem den Schlaf und macht seelisch kaputt." Ihre Kollegin bestätigt das und ärgert sich: "Was mich am meisten ankotzt ist, dass man mit langjährigen Mitarbeitern so umgeht. Ich bin seit 20 Jahren bei Schlecker und habe den Laden mit aufgebaut und jetzt muss ich vielleicht ohne einen Cent gehen."

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