Verwirrspiel um Bleichstraße

Das geplante Einkaufszentrum in der Bleichstraße droht am Streit der beteiligten Partner zu scheitern. Die machen sich nun gegenseitig für die Misere verantwortlich. Lokalpolitiker sind sauer und fordern Lösungen.

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Die Gräben im Streit um ein Göppinger Einkaufszentrum erweisen sich als tief. Gut eine Woche ist vergangen, seit klar wurde, dass das geplante 110-Millionen-Euro Projekt "Staufengalerie" in der Bleichstraße auf der Kippe steht. Statt einer Unterschrift gab es das überraschende Eingeständnis, dass die einstigen Partner, die Augsburger Kaufmannsfamilie Schenavsky, die internationalen Konzerne Acrest Property Group sowie Sonae Sierra sich überworfen hatten.

Jetzt wird klar: Vom gemeinsamen Kampf um den Standort ist nicht mehr viel übrig. Die ehemaligen Projektpartner werfen sich gegenseitig vor, die Krise ausgelöst zu haben - mit völlig unterschiedlichen Versionen der Geschichte.

Thomas Binder, Deutschlandchef von Sonae Sierra sagte der NWZ, er sei im November von dem schriftlichen Vorschlag der Familie Schenavsky "kalt überrascht" worden, dass sie nicht mehr an einer gemeinsamen Verwirklichung des Vorhabens interessiert sei. Statt dessen habe Schenavsky, dem das Frey-Center gehört, angeboten, seine Gesellschaftsanteile einzubringen. Sonae Sierra solle alleine weiter machen. Die Bedingungen, die dafür gestellt worden seien, nannte Binder allerdings "völlig abstrus". Sonae Sierra hätte damit alle unternehmerischen Risiken tragen, die zu erwartenden Gewinne aber vorab auszahlen sollen, sagte Binder. Die Gespräche seien fortan eine "reine Verkaufsveranstaltung" durch Schenavsky und die Acrest Property Group gewesen.

Simon Schenavsky dagegen sagte, die drei Projektpartner hätten entschieden, "Sonae Sierra die Möglichkeit zur Realisierung einzuräumen, um damit die Entscheidungsvorgänge zu beschleunigen". Was genau dann zu dem Zerwürfnis geführt hatte, darüber wollte Schenavsky nichts sagen. Der Grundstückseigentümer betont jedoch, es habe bei dem Krisengespräch kurz vor Weihnachten am Münchner Flughafen einen Kompromissvorschlag des Oberbürgermeisters Guido Till gegeben. Er sei auch bereit, darauf einzugehen, die Firma Sonae Sierra jedoch nicht. Dagegen sagte Thomas Binder gegenüber der NWZ, er wisse von keinem Kompromissvorschlag Tills.

Der offen ausgebrochene Zoff der Investoren hatte kurz vor Weihnachten für Entsetzen gesorgt. Und auch jetzt sind die Lokalpolitiker sauer und ratlos gleichermaßen. Felix Gerber, Chef der CDU-Fraktion, beispielsweise hatte erst kurz vor Sitzung von dem Knatsch erfahren. Er sei vor allem deshalb enttäuscht, weil es immer geheißen habe, bei einer Entscheidung für die Bleichstraße könne es zügig losgehen. Auch sein Kollege Armin Roos, Chef der SPD-Fraktion, ist ratlos. Er nennt die Vorgänge "ein fast unwürdiges Gezerre", habe aber den Eindruck, dass die Interessen nicht so weit auseinander liegen. Wolfram Feifel (Freie Wähler/VUB) gab zu, dass er angesichts der Nachrichten "geschockt" gewesen sei. Er habe den Eindruck, dass vor allem Sonae Sierra nicht mehr an einer Göppinger Mall interessiert sei.

Wer das Projekt weitertreibt, und wie, ist völlig offen. Simon Schenavsky sprach von "laufenden Verhandlungen" und betonte gegenüber der NWZ, seine Familie habe größtes Interesse an einer Verwirklichung. Das zeige schon die Tatsache, dass er für die Geschäfte im bestehenden Frey-Center immer nur kurzfristige Mietverträge abgeschlossen habe: "Wir wären bereit, in die Bresche zu springen und die Mall gegebenenfalls mit weiteren Partnern zu verwirklichen." Auch Sonae-Sierra-Chef Binder beteuert, seine Firma sei nach wie vor sehr an Göppingen interessiert. Nachdem am 10. Januar neue Verhandlungen über den städtebaulichen Vertrag auf dem Plan stehen, gehe er davon, dass es bald weitere Gespräche gebe.

Die Gemeinderatsfraktionen fordern vor allem schnelle Lösungen, denn schon jetzt sei das Fertigstellungsdatum 2014 nicht mehr zu halten. Felix Gerber kündigte an, bei der nächsten CDU-Fraktionssitzung sachkundige Menschen an den Tisch zu holen. Wolfram Feifel hegt den Neujahrswunsch, dass die aus seiner Sicht verbleibenden Partner Schenvasky und Acrest bald mit voller Kraft weiterplanen.

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