Verwandlung von Leid in Freude

Brahms' "Deutsches Requiem" führte die Göppinger Kantorei unter Klaus Rothaupts Leitung in der Stadtkirche auf. Sowohl das Concerto vocale als auch das begleitende Collegium Musicum überzeugten.

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Beim "Deutschen Requiem" ging Dirigent Klaus Rothaupt mit seinem Concerto Vocale und dem Collegium Musicum konsequent zu Werke.  Foto: 

Johannes Brahms hat in seinem "Deutschen Requiem" in eigener Textzusammenstellung ein zentrales christliches Thema, das an die Wurzeln menschlicher Existenz rührt, vertont: Schmerz, Tränen und Tod werden durch Glauben und Geduld verwandelt in Zuversicht und Freude. In der Aufführung unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt in der Göppinger Stadtkirche wurde diese "wundervolle" Botschaft eindrücklich verkündet.

Zur Einstimmung spielte Andreas Willberg auf der Orgel die Fuge as-moll WoO 8 von Johannes Brahms. Seine zurückhaltende Registrierung bündelte die Konzentration der Zuhörer auf das Hauptwerk. In beinahe jedem der sieben Teile des Requiems wird der Bogen von Dunkel zu Hell, von Trauer zur Freude geschlagen. Klaus Rothaupt ging deshalb konsequent zu Werke, indem er auf klare dynamische Bögen und fließende Tempi achtete. Das überaus konzentriert singende Concerto vocale der Göppinger Kantorei und das vorzüglich besetzte, sehr klar und einfühlsam begleitende Collegium Musicum folgten diesem Konzept durchweg. Wundervoll beseeltes Cantabile der Bläser färbte die vom Chor in bewundernswerter Zurückhaltung gesungenen Partien. Angeführt von den Streichern folgte das ganze Orchester in den massiven Jubelausbrüchen, die in ausladende, anspruchsvolle Schlussfugen mündeten. Sie unterstrichen die Glaubensgewissheit nachdrücklich. Der unerbittliche Trauermarsch "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" mündete unter schweren Paukenschlägen in einen Donner, der unter die Haut ging.

Nicht minder berührend, aber auf gänzlich andere Art, war das Sopransolo, in dem Miriam Burkhardt mit heller, feiner Stimme sang. Das passte hervorragend zu dem innigen und intimen Text von Traurigkeit, Trost und Herzensfreude. Noch eindrücklicher wurde dies, wenn man dabei bedachte, dass Johannes Brahms hier seinem Schmerz über den Tod seiner Mutter Ausdruck verlieh.

Mit großer stimmlicher und persönlicher Präsenz deklamierte der Bariton das Gebet: "Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat." Überzeugend auch das geheimnisvolle "Wir werden alle verwandelt werden". Von Anfang bis Ende wurde von allen Beteiligten mit großem emotionalen und künstlerischen Ernst musiziert, sodass diese Aufführung im besten Sinne eine runde Sache war.

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