Vergewaltigt und verprügelt: 26-Jähriger vor Gericht

Ungewöhnlicher Prozessauftakt vor dem Ulmer Landgericht: Einem 26-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft besonders schwere Vergewaltigung in Donzdorf vor. Doch über die Anklage wurde nicht gesprochen.

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Die junge Frau steht vor dem Landgericht in Ulm und raucht eine Zigarette. Was sie gerade gesehen hat, will sie noch immer noch nicht so recht glauben - obwohl sie den Angeklagten gut kennt. Doch sie sagt, was er da alles erzählt habe, stimme hinten und vorne nicht. Sie war jahrelang seine Freundin und Lebenspartnerin, gemeinsam haben die beiden ein Kind. Am Donnerstag begann der Prozess gegen den gebürtigen Weißenhorner. Er soll die Mutter seines Kindes am 22. März dieses Jahres in Donzdorf vergewaltigt haben, wobei die Staatsanwaltschaft von einem besonders schweren Fall ausgeht. Zudem soll er einen Bekannten brutal zusammengeschlagen haben. Doch in der Sache wurde am Donnerstag gar nicht verhandelt, nach Verlesung der Anklage ging es den restlichen Vormittag ausschließlich um die persönlichen Lebensumstände des Angeklagten.

Es soll in der Nacht auf den 22. März gegen 4.30 Uhr mit einem Schlüssel in die Donzdorfer Wohnung der jungen Frau eingedrungen sein, wo er einen Mann auf dem Sofa schlafend vorfand. "Er ging wütend auf den Schlafenden zu", schilderte die Staatsanwältin die Szene. Dann soll er dem Bekannten der Frau ohne Vorwarnung mehrere Faustschläge ins Gesicht verpasst haben - in der Hand noch den Schlüsselbund. Da das Opfer um sein Leben fürchtete, sei es aus dem Fenster zwei Meter tief auf die Straße gesprungen und geflüchtet.

Unterdessen brachte die Mutter das zweijährige Kind zu einer Nachbarin, kehrte aber zurück, da sie mit dem 26-Jährigen sprechen wollte. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Außer sich vor Wut, soll der Angeklagte die Frau aufs Sofa gedrückt haben, nicht ohne ihr den bevorstehenden Geschlechtsverkehr anzukündigen. "Ich bring dich um, dann bist du tot und ich im Knast und alles ist gut", soll er gesagt haben. Schließlich habe er die Frau mit einem Messer bedroht und vergewaltigt, heißt es in der Anklage weiter. Anschließend habe er die Wohnung zerstört, unter anderem den Fernseher zertrümmert und das Sofa aufgeschlitzt.

Zu den Vorwürfen äußerte sich der Angeklagte nicht, das soll erst am zweiten Prozesstag im Oktober geschehen. Bei seiner Vernehmung soll er aber von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gesprochen haben. Ausführlich nahm sich die 1. Große Strafkammer aber Zeit, die Lebensumstände und -geschichte des 26-Jährigen zu ergründen. Die Eltern streng religiöse Muslime, vor 40 Jahren aus der Türkei nach Deutschland eingewandert. Zuhause wird türkisch gesprochen, der Sohn - eines von fünf Geschwistern - muss schon die erste Klasse wiederholen, die vierte ebenso, an der Hauptschule erneutes Sitzenbleiben, dann Abgang ohne Abschluss nach der sechsten Klasse. Der Vater ist nach Aussage des Sohnes sehr streng, wenn es nicht betet oder auch nach anderen Fehltritten, wird das Kind verprügelt. Wie alt der Vater genau ist, weiß der Angeklagte nicht. "Ungefähr 60", schätzt er. 2008 heiratet der junge Mann seine schwangere Freundin - nicht standesamtlich, aber mit einem großen Fest mit 300 bis 400 Gästen.

Jede Menge Vorstrafen wurden erörtert, rund zehn sind im Laufe der Jahre zusammengekommen. Diebstähle, Körperverletzung, Nötigung, Widerstand, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Betäubungsmittel - mehrere Jugend- und Bewährungsstrafen waren die Quittung. 2006 dann keine Bewährung mehr, anderthalb Jahre musste der junge Mann hinter Gitter, verprügelte dort einen Mithäftling, wieder gab es eine Bewährungsstrafe.

Mittlerweile sei er selber religiös und bete regelmäßig, sagte der junge Mann am Donnerstag. Die Mutter seines Kindes, die als Nebenklägerin auftritt, schüttelt den Kopf, als er sagt, daraufhin habe sie ihn verlassen. Nach dem ersten Prozesstag bei der Zigarette vor dem Justizgebäude erläutert sie dies noch einmal. Nichts stimme daran, er wolle sich nun nur in einem guten Licht und als Opfer darstellen. Ein Jahr lang habe sie sich vor ihm verstecken können - bis er sie schließlich, er wohnte in Senden, in Donzdorf aufgespürt habe. Mehr Details werden Anfang Oktober ans Licht kommen.

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