Urlaubsreise wird zur Hilfsaktion

Aus einer lang geplanten Urlaubsreise auf die vom Taifun "Haiyan" gebeutelten Philippinen wurde eine Hilfsaktion. Martin und Nora Hummel aus Göppingen hatten jede Menge private Spenden im Gepäck.

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Der Pickup wird entladen. Die Hilfsgüter, die das Göppinger Ehepaar Hummel in die Stadt Conception brachte, waren hochwillkommen. Foto: Martin Hummel

Im November hat der Taifun "Haiyan" auf den Philippinen verheerende Verwüstungen hinterlassen. Die Auswirkungen dieser Naturkatastrophe seien selbst an der Peripherie schrecklich, berichtet der Göppinger Martin Hummel, dessen Frau Nora von dem Inselstaat stammt. Von philippinischen Freunden hatte das Ehepaar erfahren, dass auch in der 40 000-Einwohner-Gemeinde Conception dringend Hilfe benötigt werde. Als die ersten Bilder im Fernsehen und in den Zeitungen erschienen, wurden die Göppinger spontan von Verwandten, Freunden und Nachbarn, die von einer lange geplanten Urlaubsreise im Dezember wussten, gebeten, private Spenden in die Heimat Nora Hummels mitzunehmen. "Wir waren überwältigt von der großen Anteilnahme und Hilfsbereitschaft, der wir hier in unserem Lebensumkreis begegneten."

Nach vier Tagen "Urlaub" auf der (vom Taifun nicht betroffenen) Insel Palawan konnte das Ehepaar dann von Iloilo aus die Hilfsaktion organisieren. "Es gab in der Hauptstadt keine öffentlich zugänglichen Informationen über die bergige Küstenregion von Conception, von Straßenzustandsberichten ganz zu schweigen", berichtet Hummel.Die Göppinger mussten sich also zuerst selbst ein Bild von der allgemeinen Situation vor Ort machen und ließen sich im Rathaus der Stadt von den zuständigen Verantwortlichen beraten.

Von den Spendengeldern konnte das Ehepaar 20 Säcke Reis, Dosenfisch, Nudeln und Süßigkeiten kaufen, was in Conception am dringendsten benötigt wurde, und portionsweise verpacken, wobei die ganze Familie in Pavia, Iloilo mithalf. Sie stellte auch einen Lieferwagen samt Fahrer für den Transport zur Verfügung. Nach einer Fahrt von drei Stunden sahen Nora und Martin Hummel, je näher sie ihrem Ziel kamen, die dicht bewachsene Berglandschaft bis herab an den Strand wie von einer unvorstellbaren Riesenfaust zertrümmert.

In der Stadt Conception standen nur noch die gemauerten oder betonierten Häuser. In der großen Versammlungshalle an der Plaza (Marktplatz) war eine medizinische Versorgungsstelle eingerichtet, umdrängt von einer Menschenmenge, das Rathaus eine einzige Baustelle. Ein Kontaktmann meldete die Göppinger an, und nach wenigen Minuten kam der Bürgermeister und nahm sich inmitten des Tohuwabohu Zeit, die Situation seiner Stadt zu schildern. Die aus 25 Bezirken bestehende Stadt Conception hatte vor dem Taifun 9000 Häuser, 90 Prozent davon seien zerstört. "Wir haben 20 Tote zu beklagen, sieben Vermisste und viele Verletzte."

Besonders schwer getroffen hat der Taifun die Inseln draußen im offenen Meer, die kleinen Fischerdörfer, von denen es bis zum Zeitpunkt des Besuchs nur wenig Nachricht gab, da fast alle Boote von der Tsunami-Welle zerstört worden waren. Mehr als 3000 Familien hatten auf einen Schlag ihre Lebensgrundlage verloren. Der Bürgermeister dankte den Göppingern und allen Spendern "von Herzen für Ihre Hilfe"und schickte Grüße an die Landsleute zu Hause. Er überreichte den Hummels ein Dankschreiben, das einer seiner Rathausangestellten inzwischen auf dem PC erstellt hatte, eine Art amtliche Spendenquittung. Bei über 30 Grad im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von über 95 Prozent machte sich das Ehepaar auf die Rückfahrt nach Iloilo.

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