Uni der Generationen: Weltwirtschaft und Trump im Fokus

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Dr. Erdal Yalcin sprach auch über Trumps Art, Konflikte in der Weltöffentlichkeit auszutragen.  Foto: 

Nichts kleineres als das große Feld der Weltwirtschaft hat Dr. Erdal Yalcin, stellvertretender Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am Ifo-Institut München, mit zur Auftaktvorlesung zur Uni der Generationen an der Hochschule in Göppingen gebracht. Vor allem die Handelsbeziehungen mit Amerika und der Brexit hat der Wissenschaftler in den Fokus gerückt. Er bricht eine Lanze für die transatlantischen Beziehungen und erklärt den Zuhörern bei seinem Vortrag, dass US-Präsident Donald Trump mit seinen politischen Ansätzen die Welt zwar in Atem hält, aber was die Handelsbeziehungen angeht,  diese durchaus sachlichen Inhalt hätten.

„Das, was in der Welthandels­organisation WTO hinter verschlossenen Türen oft lautstark ausgefochten wird, macht Trump in der Weltöffentlichkeit“, berichtet Yalcin. Trump stelle internationale Handelsbeziehungen auf den Prüfstand, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder geändert haben.

Experten wie Erdal Yalcin beobachten einen „schleichenden Protektionismus“ zwischen den Ländern und Kontinenten. Diese Abschottung einzelner Staaten treffe vor allem den Klein- und Mittelstand. Dabei seien es längst nicht mehr die Zölle, die den Unternehmen zu schaffen machten, sondern vor allem „nichttarifierbare Vorgaben“, die den Handel schwierig machten. Statt Strafzöllen sind es Zertifizierungen und Normen, mit denen – praktisch an der Welthandelsorganisation vorbei – Hürden geschaffen werden. Für die Maschinenbauer in Deutschland und Europa ist es kostenintensiv, sich den amerikanischen Vorgaben anzupassen – so steigen die Kosten für die exportierten Waren.

Darum sei es besonders wichtig, dass zumindest in Europa einheitliche Werte gelten und man auch geschlossen auf dem Weltmarkt auftrete. Der Brexit sei darum gleich in mehrfacher Weise ein Einschnitt für den Welthandel – direkt und indirekt. Schließlich müsse Europa gemeinsam stark sein, um sich auf dem globalen Markt zu behaupten.

Die USA seien laut Yalcin nach wie vor der wichtigste Markt für Deutschland – noch vor China. Zwar habe China wesentlich mehr Einwohner. Die Kaufkraft für die meist hochwertigen Waren, die Deutschland exportiert, sei aber längst nicht so gut wie in Amerika. Das bedeute, der große Absatzmarkt für Deutschland und Europa sei nicht China, sondern Amerika – qualitativ gesehen.

Doch Yalcin übt auch Kritik: Nicht alle Handlungen von Trump seien zeitgemäß. Manche Denkansätze stammten aus vergangenen Zeiten, als in den 70er Jahren das produzierende Gewerbe in den USA noch sehr stark war. Vorsicht sei also durchaus angebracht, auch wenn man sich in Deutschland darauf besinnen sollte, den Dialog und die Handelsbeziehungen mit Amerika nicht zu verteufeln, sondern wieder zu intensivieren, meint Yalcin.

Info Weitere Vorlesungen jeweils um 14 Uhr an der Hochschule in Göppingen: 27. November, Rainer Wieland, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, „Europa - Haben wir noch eine gemeinsame Zukunft?“. Montag, 11. Dezember, Klaus Wiegandt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der ASKO AG und Vorstandssprecher der METRO AG, „Globalisierung und nachhaltige Entwicklung“. 15. Januar, Prof. Ralf Schuler, Hochschule Esslingen Campus Göppingen, „Die nachhaltige Mobilität in der Zwickmühle“.

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