Ungleichheit als Ursache der Krise

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Querdenken ermöglychen" sprach der Volkswirtschaftler Till van Treeck in Göppingen über die Rolle des Faktors Ungleichheit in der europäischen Wirtschaftskrise.

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Professor Till van Treeck war zu Gast am Mörike- Gymnasium in Göppingen  Foto: 

Eine äußerst kurzweilige und informative Einführung in die Welt der Volkswirtschaft konnten mehr als 100 Besucher in der Mensa des Mörike-Gymnasiums erleben. Die Schule hatte den Volkswirtschaftsprofessor Till van Treeck, der im Bereich Sozialökonomie an der Uni Duisburg-Essen lehrt, als Referenten gewinnen können. Dieser fragte nach der Rolle der zunehmenden Ungleichheit zwischen den europäischen Volkswirtschaften und den daraus resultierenden Folgen für die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre.

Zu Beginn des einstündigen Vortrags erläuterte van Treeck seine grundsätzliche These, wonach der Anstieg der Ungleichheit zwischen Volkswirtschaften ein wichtiger Faktor gewesen sei, der zum Ausbruch einer Wirtschaftskrise geführt hätte. Eindeutig widersprach er damit dem Standpunkt, überbordende Staatsschulden der europäischen Länder hätten zum Ausbruch der Krise geführt - eine Position, die, wie er betonte, in vielen angelsächsischen Ländern und der globalen Finanzwelt Konsens sei, in Deutschland indessen im politischen Diskurs als Minderheitenmeinung abgetan würde.

Anhand verschiedener Schaubilder zur Verschuldung europäischer Länder und dem Wert ihrer Staatsanleihen stellte Till van Treeck dann heraus, dass ein gewisser Zusammenhang zwischen Schuldenlast und Rendite auf Staatsanleihen zwar bestehe - die Schuldenlast allein aber nicht Auslöser der jüngsten Krise gewesen sei. Den sieht der Volkswirtschaftler viel eher auf Seiten der Europäischen Zentralbank, die sich nach Ausbruch der Krise durch einen völlig überschuldeten Privatsektor lange geweigert hatte, Staatsanleihen aufzukaufen, um diese vor den Spekulationen der globalen Finanzmärkte zu schützen.

Gesunkene Reallöhne und Exportüberschüsse in Deutschland würden diesen Kreislauf befeuern und gemeinsam mit strenger Austerität eine wirtschaftliche Erholung der krisengeschüttelten Länder erschweren, so van Treeck, er räumte aber auch ein, dass wirtschaftliche Strukturreformen in Ländern wie Griechenland nötig seien. "In der politischen Debatte wird nicht mehr verstanden, wie die Gegenseite denkt", betonte er und unterstrich das Anliegen, sich mit den verschiedenen Positionen auseinanderzusetzen.

Das Göppinger Publikum verfolgte gebannt den Thesen des Professors und nutzte am Ende des Vortrags die Chance, den Experten nach dem Zusammenhang zwischen Mindestlohn und Außenhandelsüberschuss, nach der Gemeinschaftswährung Euro und nach der wirtschaftlichen Bedeutung steigender Flüchtlingszahlen zu befragen.

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