Ungewisse Zukunft für SAB

Karin Woyta ist verzweifelt. Seit 2011 wurden die Zuschüsse für die SAB um 45 Prozent gekürzt. "Wenn jetzt die EU-Fördergelder wegfallen, weiß ich nicht mehr weiter", gibt die Geschäftsführerin zu.

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SAB-Geschäftsführerin Karin Woyta, im Hintergrund ein Mitarbeiter der Geislinger Fahrrad-Recycling-Werkstatt.  Foto: 

Über der "Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderungs gGmbH" (SAB) hängt ein Damokles-Schwert. "Eigentlich hängt es schon länger, aber so dünn war der Faden, an dem es hängt, noch nie", macht Karin Woyta eindringlich klar. Die Geschäftsführerin der gemeinnützigen GmbH, die sich seit 1997 für die Wiedereingliederung Langzeitarbeitsloser in den allgemeinen Arbeitsmarkt einsetzt, ist verzweifelt. Sie weiß heute noch nicht, wie es ab dem kommenden Jahr mit der Finanzierung der sozialen Arbeit der SAB weitergehen soll: "Seit Ursula von der Leyen Arbeitsministerin war - genauer: seit 2010 -, wurden jedes Jahr die Zuschüsse gekürzt. Und zwar drastisch - um 31 Prozent zwischen 2010 und 2011, um weitere 16 Prozent bis 2012 und erneut um etwa 20 Prozent bis 2013. Insgesamt sind das zwischen 40 und 45 Prozent weniger Förderung gegenüber 2010, die wir vom Jobcenter bekommen."

Diese Kürzung ist jedoch nicht alles, was Woyta wegstecken muss. Im Jahr 2012 folgte außerdem noch die sogenannte Instrumentenreform. Was sich harmlos anhört, zog gravierende Änderungen für die SAB nach sich. "Es gab vorher diverse Arbeitsbeschaffungs-Instrumente, um Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu vermitteln. Hier hat die Politik radikal reduziert", erläutert Woyta. "Uns fehlt jetzt die Übernahme der Lohnkosten für die Sozialpädagogen und Anleiter sowie 25 Prozent der Lohnkosten unserer Teilnehmer an unseren Eingliederungsprojekten."

Die Geschäftsführerin betont mit Nachdruck, dass sie wegen ihrer Abhängigkeit von politischen Richtlinien sauer auf die Bundespolitik ist - aber nicht auf die Entscheidungsträger des Landratsamts oder des Jobcenters im Landkreis Göppingen. "Landrat Edgar Wolff, Sozialdezernent Hans-Peter Gramlich oder Reinhard Matschi vom Job-Center kämpfen auf unserer Seite und helfen, wo es ihnen im vorgegebenen Rahmen möglich ist. Da kann ich mich absolut nicht beschweren." Um den Rückgang der Zuschüsse aufzufangen, baut Karin Woyta seit einigen Jahren ein Finanzierungsnetz in Richtung Europa aus. Wurde 1997 die SAB allein durch den Landkreis (55 Prozent), durch eigene Erlöse (43 Prozent) und durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (2 Prozent) finanziert, so sammelt Karin Woyta jetzt Geld von überall, wo sie es beschaffen kann.

Einer der großen Batzen neben dem Geld vom Jobcenter (31,8 Prozent) und aus eigenen Erlösen (25 Prozent) kommt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) Baden-Württemberg (35 Prozent). Der Rest stammt vom Europäischen Sozialfonds des Bundes und fünf weiteren Geldgebern, wobei "Spenden" als ein Geldgeber zählt.

"Ich arbeite 60 bis 80 Stunden die Woche. Um Geld zu bekommen, reise ich zu Sitzungen in ganz Europa und baue ein Netzwerk auf. Überall benötigen wir zeitaufwendige Anträge, ohne zu wissen, ob Gelder am Ende genehmigt werden. Dabei haben wir nur wenige - wenn auch sehr fleißige - Mitarbeiter", zählt Woyta auf, um mit dem Gongschlag zu enden: "Und jetzt steht die Förderung des Europäischen Sozialfonds auf dem Prüfstand. Wir wissen nicht, wie hier entschieden wird. Bekommen wir auch hier im kommenden Jahr weniger Projektmittel, bleibt nur noch das Worst-Case-Szenario: Leute entlassen. Ich mag gar nicht daran denken."

Die Staufen gGmbH

Die Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung gGmbH - kurz SAB - ist eine gemeinnützige GmbH. Gesellschafter sind Der Paritätische Baden-Württemberg, das Diakonische Werk des evangelischen Kirchenbezirks Göppingen und der Katholische Dekanatsverband Göppingen-Geislingen.

Aufgabe der SAB ist es, schwer vermittelbare Arbeitslose (wieder) fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Sie erhalten in den Betrieben der SAB - dazu gehört auch die Geislinger Fahrrad-Recycling-Werkstatt - einen Arbeitsvertrag, sind dort also sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Schwerpunkte der Arbeit sind die berufliche Qualifizierung sowie die soziale und sozialpädagogische Betreuung. Mehr online: www.sab-gp.de

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