Trauer um Göppinger Urgestein

Trauer im Göppinger Rathaus und bei vielen Weggefährten: Der frühere Stadt- und Kreisrat Rolf Bischoff ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Jahrzehntelang hatte er die Kommunalpolitik mitgestaltet.

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Rolf Bischoff hat die Stadtpolitik jahrzehntelang mitgestaltet. Foto: Archiv

Er war ein Göppinger Urgestein und ein Kommunalpolitiker mit Leib und Seele. Bürgernah, engagiert und immer auf der Höhe, was die Entwicklung in Stadt und Landkreis betraf. Er galt als streitbarer Querkopf - und das war fast immer ein Kompliment, denn unter der mitunter harten Schale des politischen Kämpfers verbarg sich ein weicher Kern. Rolf Bischoff hat in seinen vielen Jahren als Stadt- und Kreispolitiker nie ein Blatt vor den Mund genommen. Seinen Humor hat er sich aber stets bewahrt. Und wenn die Redeschlachten im Gemeinderat oder Kreistag vorüber waren, machte es sich Rolf Bischoff zu Hause mit einem spannenden Krimi gemütlich - im Kreise seiner Familie mit seiner Ehefrau Marianne. Am späten Freitagabend ist der bekannte Göppinger wenige Stunden vor seinem 93. Geburtstag zu Hause gestorben.

Nicht nur viele Weggefährten trauern, auch im Göppinger Rathaus schmerzt die Nachricht von Bischoffs Tod. "Wir verlieren mit Rolf Bischoff eine herausragende Persönlichkeit und werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren", sagte Oberbürgermeister Guido Till gestern. Rolf Bischoff sei "ein Mensch der deutlichen Worte" gewesen, "der für seine Überzeugungen kämpfte und gerade stand", betonte Till. Das Wohl der Bürgerinnen und Bürger sei Bischoff stets das wichtigste Anliegen gewesen, "was ihm den liebevollen Beinamen ,Bürgeranwalt eingebracht hat", so der Rathauschef. Von 1970 bis 1999 war der gebürtige Göppinger Bischoff Mitglied des Gemeinderats seiner Heimatstadt und von 1979 bis 1994 gehörte er auch dem Kreistag an. In den Sitzungen flogen manchmal ordentlich die Fetzen - auch intern. 1987 trennten sich die Wege von Bischoff und der Göppinger CDU-Fraktion. Bei der FDP fand der Mann mit der direkten Art als Freier Wähler eine neue politische Heimat. Besonderes engagiert hat er sich auch für die Städtepartnerschaften mit Foggia und Klosterneuburg. In Klosterneuburg wurde Rolf Bischoff mit dem Stadtwappen in Gold ausgezeichnet. Geehrt wurde er außerdem mit der Bürgermedaille und der Ehrenplakette der Stadt Göppingen sowie mit dem Bundesverdienstkreuz.

Bischoffs äußeres Markenzeichen war der Trachtenjanker. Bis ins hohe Alter arbeitete Bischoff aktiv im Familienunternehmen ("Betten und Fahnen Bischoff") in der Hauptstraße mit. Und bis vor einem halben Jahr sah man ihn regelmäßig mit seinem "Rentnerporsche" (Rollator) im Städtle. Geistig war er bis zu seinem Tod topfit, doch im letzten halben Jahr konnte er das Haus kaum noch verlassen, weil die Gesundheit immer mehr nachließ.

Viele, die Bischoff durchs Leben begleitet haben, behalten ihn auch als herausragenden Sportler in Erinnerung. Denn nicht umsonst wurde der Göppinger früher der "schwimmende Boxreiter" genannt. Bischoff liebte den Sport - und machte, wie alte Fotos beweisen, auch als "Barbarossa" mit Helmkrone und Rauschebart zu Ross eine gute Figur.

Rolf Bischoff wird morgen um 13.45 Uhr auf dem Göppinger Hauptfriedhof beerdigt.

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