Tradition trifft Moderne

Die "Sons of Bill" brachten mit ihrem wuchtigen alternativen Country-Rock die Wände des Geislinger Schlachthofs zum Beben. Mehr als zwei Stunden lang begeisterten sie mit ihrer Spiellaune das Publikum.

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Die Brüder Sam, James und Abe Wilson (von links) begeisterten mit ihrer Mischung aus hartem Rock und gefühlvollem Country.  Foto: 

Nach längerer Pause stand bei der Rätsche am vergangenen Freitagabend endlich wieder eine Band des Labels "Blue Rose" auf dem Programm. Die Americana-Spezialisten aus Abstatt bescherten dem Geislinger Publikum über die Jahre schon viele Konzerthöhepunkte mit Hochkarätern wie Rich Hopkins, Steve Wynn oder James McMurtry. Mit "Sons of Bill" standen jetzt Vertreter einer jüngeren Americana-Generation auf der Bühne des Schlachthofs.

Kreativer Mittelpunkt der Band sind die Brüder James (Gesang, Gitarre), Sam (Gitarre, Gesang) und Abe Wilson (Keyboard, Gesang). Sie boten dem Publikum eine wunderbare Mischung aus weltverdrossener, von Whiskey durchtränkter Resignation und euphorischen Hymnen, die große Refrains und eingängige Melodien nicht scheuen. Ihre Texte, geprägt von düsteren Southern-Gothic-Motiven, Kleinstadtschicksalen und trotzigem Freiheitsdrang verpackten sie in einen dichten, vielschichtigen Sound aus rauen Lead Vocals, feinem Harmoniegesang und einer ganzen Wand von einfallsreichen Gitarrenklängen.

Gitarrist Sam Wilson verband mühelos den 1980er-Jahre-Jangle-Sound der frühen R.E.M mit scharfkantigen Rocksoli und die Power Riffs von Bruder James mit dem melancholischen Jammern der Pedal Steel. Von Genre-Grenzen lässt sich Sam Wilson ohnehin nicht aufhalten, was seine Shredding-Ausflüge in Richtung Metal zeigten. Zusammen mit der unermüdlich vorwärtstreibenden Rhythmusgruppe aus Bassist Seth Green und Schlagzeuger Todd Wellons brachte das Quintett den Schlachthof zum Beben.

Dass auch die ruhigeren Varianten des Country zu ihrem großen Repertoire gehören und sich ihre Songs auch nur von einer Akustikgitarre tragen lassen, zeigen die Brüder mit ihren sparsamer arrangierten Nummern, während denen Bassist und Schlagzeuger eine wohlverdiente Pause einlegen dürfen: Das folkige, fast pastorale "Virginia Calling", eine Hommage an ihren amerikanischen Heimatstaat, und eine einfühlsame Variante von Don Williams Südstaatennostalgie-Klassiker "Good Ole Boys" gehörten mit zu den Höhepunkten des Abends.

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